Jubiläum: Günter Wermekes Design wird 25 Jahre alt

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Günter Wermekes leitet sein Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Margret Schröder. In diesem Jahr feiert „Günter Wermekes Design“ 25. Geburtstag. ▪

KIERSPE ▪ Ganz neue Wege in der Schmuckgestaltung beschritt der Kiersper Designer Günter Wermekes vor Jahrzehnten. Gelohnt hat es sich. Heute werden seine Arbeiten in ganz Europa verkauft.

Wilhelm Wagenfeld, der in diesen Tagen 110 Jahre alt geworden wäre, hatte mit der Gestaltung seiner Alltagsgegenstände keinen geringeren Anspruch, als zu einer klassenlosen Gesellschaft beizutragen, in dem er Dinge entwerfen wollte, „die so schön und praktisch sind, dass sich der Reichste wünscht, sie zu besitzen, und so preiswert, dass auch der Ärmste sie sich kaufen kann.“

Solche Visionen hat Günter Wermekes sicher nicht, doch auch er will mit seinem Schaffen mehr als nur gefallen, will Werte in Frage stellen und hat dafür Tabus gebrochen. Damit ist der Kiersper Designer und Künstler einen Weg gegangen, an dessen Anfang bei weitem nicht klar war, ob er zum Erfolg führen würde. Doch nach 25 Jahren, die das Untrnehmen „Günter Wermekes Design“ nun besteht, ist klar, der Weg war richtig.

Geboren in Kierspe besuchte Günter Wermekes die Zwergschule in Vormberg und später das Gymnasium in Meinerzhagen. „Auf dem Gymnasium wurden die Grundsteine für meinen heutigen Beruf gelegt“, da ist sich der Kiersper sicher, sein Lehrer Hans Müller habe im Kunstunterricht seine kreative Ader „hervorgekitzelt“.

Trotzdem wusste er nach dem Abitur nicht so recht, welchen Weg er einschlagen sollte. „Ich dachte damals an Modedesign, doch dann ist es Schmuckdesign geworden“, so Wermekes.

Alle Fachhochschulen für Design schrieb der junge Mann damals an, doch nur die FH in Düsseldorf, die von Professor Friedrich Becker geleitet wurde, antwortete. In einem persönlichen Gespräch legte der Professor dem Abiturienten nahe, vor einem Studium eine Ausbildung zu absolvieren. „Zum Glück habe ich nichts in der Region gefunden. Dann habe ich mich in den Werkstätten, die Becker ,nebenbei‘ in Düsseldorf betrieb, beworben – und wurde auch angenommen.“

Es folgten dreieinhalb lehrreiche Jahre, die Wermekes mit der Prüfung zum Goldschmied abschloss. „Becker war damals einer der bekanntesten Schmuckkünstler der Welt“, so Wermekes. Doch sein Lehrmeister war nicht nur selbst Künstler, sondern pflegte intensiven Kontakt zu anderen Künstlern und Architekten. „Dadurch kam ich nahezu täglich mit diesen Menschen und ihren Arbeiten in Kontakt“, erinnert sich der Kiersper.

Nach Abschluss seiner Ausbildung entschloss sich Wermekes gegen ein Studium an der FH, er blieb lieber bei Becker in der Werkstatt, „was im Grunde ein Privatstudium war.“ Eine gute Entscheidung, ließ ihm doch sein Chef die Zeit, die eigene Kreativität zu fördern. Früh nahm er erfolgreich an Schmuck- und Gestaltungswettbewerben teil.

Entscheidenden Einfluss auf seine weitere berufliche Entwicklung nahm 1985 eine Ausstellung in der Kölner Galerie Symbol von Wolfgang Wangler. Der Galerist stellte die Werke von damals schon betagten Bauhausschülern den Arbeiten junger Künstler und Designer entgegen. Wermekes war eingeladen, seine Schmuckstücke im Kontext zu Wandteppichen von Kaja Rose zu zeigen. Doch nicht die ungewöhnlichen Ringe und Armreife brachten die Wende, sondern ein Türgriff, den Wermekes Wangler schenkte. Diesen Drücker entdeckte Walter Schnepel in der Wohnung von Wangler. Er wollte das Stück in das Sortiment seines Unternehmens Tecnolumen aufnehmen, wo er bis heute als „GWD 85“ gekauft werden kann. Neben Türdrückern von Walter Gropius und Dieter Rams. Außerdem hat die Firma mit der Lampe von Wilhelm Wagenfeld wahrscheinlich eine der meistverkauften Tischlampen im Programm.

So hatte Wermekes ganz nebenbei den Einstieg ins Industriedesign gefunden und eine eigene Firma gegründet, die mit ihrer Rechtsform die Handelsbeziehungen erleichterte. Doch trotz des Erfolges blieb Wermekes noch fünf Jahre bei seinem Förderer Becker. Und immer noch fand er neben seiner bezahlten Arbeit die Zeit, an eigenen Entwürfen zu arbeiten. Geprägt von den klaren Formen der Architektur und Designern des frühen 20. Jahrhhunderts wollte auch Wermekes „Dinge entwerfen, die auch übermorgen noch Bestand haben.“

Kerzenhalter, Eierbecher, Vasen und später auch Uhren entstammten in der Folgezeit der Feder und Werkstatt von Wermekes. Immer die Schlichtheit und Grundsätzlichkeit der Formen im Auge. Wermekes drückt es fast poetisch aus, wenn er sagt: „Durch Konzentration auf das Wesentliche entstehen Formen, die sich jeder Mode entziehen und gerade deshalb harmonieren: Punkt, Gerade, Kreis und Quadrat. Mit der Lautstärke der Stille übertönen sie seit jeher alle Trends.“

Fünf Jahre nach der ersten Ausstellung wagte der Designer dann endgültig den Schritt in die Selbstständigkeit. Lange hatte er bis dahin schon an seiner ersten Schmuck-Kollektion gearbeitet, die er unter dem Titel „Edelstahl und Brillant“ auf der Messe „Ambiente“ in Frankfurt präsentierte. Mit der Kombination aus dem für die Schmuckherstellung „wertlosen“ Material Edelstahl und dem für Unvergänglichkeit stehenden geschliffenem Diamanten ging Wermekes einen völlig neuen Weg, den kein Hersteller von Schmuckstücken je zuvor gewagt hatte. Und obwohl er mit seinem Messestand die unglückliche Lage zwischen einem Stand für Kuckucksuhren und dem Anbieter von Tresoren erwischt hatte, ging er ohne Minus von der Messe. Im kommenden Jahr fand sich der Stand schon deutlich weiter im Zentrum der Messe. „Viele alteingesessene Juweliere kamen an unseren Stand und lobten die Kombination aus Platin und Edelstein. Wenn sie dann aber erfuhren, dass es sich um Edelstahl handelte, gingen sie naserümpfend weiter“, erinnert sich der Kiersper an die Tage in Frankfurt.

Heute geht so sicher kein Fachmann mehr über die Werke des Designers hinweg. Hat er sich doch längst einen guten Namen gemacht. Vorbei die Zeiten, als er mit einem Musterkoffer seine eigenen Waren im ganzen Land angeboten hat.

Mit dem Erfolg, der sich in seiner ganzen Breite ab etwa 1993 einstellte, erfolgte auch der Rückzug in die Heimatstadt Kierspe, wo Wermekes ein altes Bauernhaus kaufte und renovierte.

Schnell war aber auch die neue Werkstatt im eigenen Haus zu klein, um alle Kundenaufträge zu erledigen. Es folgte der Umzug der Fertigung in einen umgebauten Kuhstall in der Nachbarschaft und schließlich ins Kuhbier-Gebäude an der Kölner Straße. In Spitzenzeiten arbeiteten acht Leute für den Designer, der die Firma gemeinsam mit seiner Frau Margret Schröder leitete. „Ich war nur noch unterwegs, um den Betrieb am Laufen zu halten. Das war aber nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Vor allem aber blieb keine Zeit mehr, um kreativ zu sein“, so Wermekes, der sich dann entschloss einen Schritt zurückzugehen. Heute haben die beiden keine Angestellten mehr. Fachleute in anderen Unternehmen fertigen die Vorprodukte, die dann in der eigenen Werkstatt von Wermekes den letzten Schliff und den teuren Stein erhalten.

Die Rückführung des Betriebes auf seine jetzige Größe gab dem Kiersper auch die Zeit, sich neuen Aufgaben zuzuwenden. Unter anderem Skulpturen, die in seiner Werkstatt entstehen. Dabei kombiniert er rostenden Baustahl mit Edelstahl. Und auch bei der Schmuckherstellung ist Wermekes in der Verarbeitung „wertlosen“ Materials noch einen Schritt weitergegangen. Er verarbeitet auch in seinen Ringen, Armreifen und Ketten rostenden Stahl, geht es ihm doch nach wie vor darum, Werte in Frage zu stellen. So hat er auch einen Ring entworfen, der dreiteilig verkauft wird und bei dem zwei Edelstahlhälften einen Feingoldring vollständig umschließen und damit unsichtbar machen. Nur der Träger weiß, was sich tatsächlich an seinem Finger befindet. Doch auch wenn er dabei bewusst mit dem Design spielt, spielerisch werden seine Arbeiten nie. Weder der Schmuck noch die Uhren für Niessing, die Accessoires für BMW und auch nicht die Brillen für Rodenstock. Denn letztlich orientiert er sich seit zweieinhalb Jahrzehnten an der Maxime des berühmten Architekten Mies van der Rohe „Less is More“ – und tatsächlich ist bei Wermekes weniger meist mehr. ▪ jobek

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