Johannes Vogel (FDP) zu Gast bei Firma Carl August Wirth

Im Beisein von Armin Jung (links) und Nils Dietrich (rechts) diskutieren Cawi-Projektmanager Nils Kölsche und Johannes Vogel (FDP) leidenschaftlich. -  Foto: Becker

Kierspe - Es gibt Probleme, an denen scheint auch die Politik nichts ändern zu können. So sind es nicht so sehr die Energiekosten, die Nils Kölsche, Projektmanager bei der Cawi-Gruppe und Sohn des Eigentümers, Sorgen bereiten, sondern die Unfähigkeit des Stromerzeuges, diesen in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen, um den immer größer werdenden Energiehunger der neuen Anlagen zu stillen.

Mit der Kraft von 500 Tonnen soll eine neue Maschine Stanzteile am Standort Kierspe fertigen, doch dafür muss auch genügend Strom zur Verfügung stellen. Das sieht auch Johannes Vogel, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, so. Doch ein rechtes Packende hat der 31-jährige Politiker, der derzeit durch seinen Wahlkreis 149 Olpe-Märkischer Kreis tourt, auch nicht.

Geduldig hört Vogel seinem Gegenüber zu, erkundigt sich genau, wo die Probleme lieben. Will wissen, wie sich höhere Erbschaftssteuer oder Vermögenssteuer auswirken würden. „Katastrophal“ und „existenzgefährdend“ sind dann auch die Antworten, die er erwartungsgemäß von seinem Gegenüber erhält. Und ein bisschen erleichtert ist der Politiker, der in Olpe wohnt, dass die Kosten, die sich aus der Energiewende ergeben, nicht allzu sehr vertieft werden.

Bei einem anderen Problem will er Kölsche durch gezieltes „Nachhaken“ bei der Telekom behilflich sein. Denn genau so wenig, wie es ausreichend Energie für das Unternehmen im Volmetal gibt, gibt es eine ausreiche Versorgung mit Datenleitungen. Von Breitband keine Spur. Gerade einmal 4000 kbit/s stehen dem Unternehmen zur Verfügung. „Wann sich dieser Zustand ändert, weiß ich nicht. Ich erreiche bei der Telekom niemanden, der dazu eine verlässliche Auskunft geben kann. Doch für uns ist eine schnelle Internetverbindung genauso wichtig wie Strom. Längst schon wird kein Papier mehr verschickt, sondern nur noch Datenpakete. Und unsere Kunden möchten von uns nichts über Netzwerkprobleme hören, sondern viel lieber Lösungen für ihre technischen Probleme bekommen“, so Kölsche.

Wenn es bei der Auswahl des Unternehmens dem Vorsitzenden der Kiersper FDP Nils Dietrich und dem Fraktionsvorsitzenden Armin Jung darum ging, dem Bundestagsabgeordneten ein typisches Unternehmen der Region zu präsentieren – mit all seinen Stärken aber auch Problemen, dann hatten sie gut gewählt.

Vor mehr als 100 Jahren als Metallwarenfabrik gegründet, kann man in der Firma auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken, wobei die größte Entwicklung nach dem Krieg stattfand. Genauer gesagt ab 1954. In diesem Jahr wurde Carl August Wirth Zulieferer für die Automobilindustrie. Ab 1960 wurden dann Fahrradteile, vor allem für Bremsanlagen, sowie Tank- und Kühlverschlüsse für Autos und Motorräder und Einfüllstutzen hergestellt.

Seit Anfang der 1990er Jahre setzt man in dem Unternehmen ganz stark auf die Automobilindustrie, die heute für 74 Prozent des Umsatzes verantwortlich ist. Weitere Kunden sind die Hersteller von weißer Ware sowie die Elektro- und Bauindustrie.

Mit Standorten in Neuenrade sowie Schwarzenberg und Meerane (Sachsen) beschäftigt das Unternehmen heute rund 500 Mitarbeiter, die in diesem Jahr einen Umsatz von rund 67 Millionen Euro erwirtschaften sollen. Und die Ziele sind hochgesteckt, bereits 2017 soll der Umsatz bei 75 Millionen Euro liegen.

120 Mitarbeiter der Gruppe arbeiten am Traditionsstandort Kierspe, darunter auch fünf Auszubildende.

Ein weiteres Gebiet, das Kölsche nicht nur freudig stimmt: „Wir übernehmen den größten Teil der Auszubildenden, doch leider verlassen uns auch etliche junge Mitarbeiter nach der Ausbildung, um zu studieren. Das kommt vor allem bei den Werkzeugmachern immer wieder vor. Aber auch die Maschinen werden in ihrer Bedienung immer komplizierter und aufwendiger. Damit wächst auch der Anspruch an das Personal. Und wir merken deutlich, dass gute Leute immer schwerer zu bekommen sind.“

Vogel legte dem Projekt-Manager die Qualifizierungsprogramme ans Herzen, die die Arbeitsagentur auf Anweisung der Bundesregierung eingerichtet habe. Programme, die sich auch und gerade an ältere Arbeitssuchende richteten. „Die finden bei uns schon lange Arbeit, da können wir nicht wählerisch sein. Nicht das Alter, sondern die Qualifikation entscheidet über die Einstellung“, bekräftigt Kölsche.

Der Kiersper hat aber auch konkrete Forderungen an seinen Besucher: „An uns werden die gleichen Ansprüche gestellt, wie an die großen Global-Player. Wir müssen uns im gleichen Markt behaupten und auch unsere Konkurrenten finden sich auf der ganzen Welt – auch in China und Rumänien. Doch oft haben wir das Gefühl, es wird vor allem auf die Großen geschaut. Das sollte sich ändern“

Dem widerspricht Vogel entschieden. Gerade seiner Partei liege der Mittelstand am Herzen und man wisse sehr genau, dass es die mittelständischen, unternehmergeführten Firmen seien, die mit ihren Innovationen den Industriestandort Deutschland nach vorne brächten. - Johannes Becker

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