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Jetzt „Corona-Masche“: Betrüger rufen immer wieder Kiersperin (70) an

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Von: Leon Malte Cilsik, Frank Zacharias

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Wäre beinahe auf einen Fake-Anruf hereingefallen: Die Kiersperin Edeltraud Gewalt kann Seniorinnen und Senioren aus eigener Erfahrung nur warnen, nicht zu leichtgläubig zu sein, wenn scheinbar tragische Vorkommnisse per Telefon vermeldet werden.
Wäre beinahe auf einen Fake-Anruf hereingefallen: Die Kiersperin Edeltraud Gewalt kann Seniorinnen und Senioren aus eigener Erfahrung nur warnen, nicht zu leichtgläubig zu sein, wenn scheinbar tragische Vorkommnisse per Telefon vermeldet werden. © Cornelius Popovici

„Am Telefon war eine junge Frau, die jämmerlich geweint hat“, erinnert sich Edeltraud Gewalt. Die 70-Jährige sollte jüngst Opfer eines Fake-Anrufs werden – und das nicht zum ersten Mal. Beinahe sei sie auf den Betrug hereingefallen, nun möchte sie andere mit ihrer Geschichte warnen.

Kierspe – „Sie nannte mich nur Mama und sagte, dass sie schwer an Corona erkrankt sei und sich auf der Intensivstation im Krankenhaus befände“, sagt Gewalt. Das Angebot, sofort vorbeizukommen und gegebenenfalls auch ein paar Klamotten mitzubringen, habe ihre vermeintliche Tochter mit Verweis auf ein Besuchsverbot sofort abgelehnt. „Stattdessen bat die Frau mich um Geld für ein neues Medikament aus Amerika, welches man zunächst selbst finanzieren müsse, die Kosten aber nach abgeschlossener Behandlung erstattet bekäme“, führt Gewalt aus. Das habe sie stutzig gemacht und zu der Frage animiert, ob sie denn bereits ihren Freund kontaktiert habe. Auf diese vermeintliche Fangfrage sei es still geworden in der Leitung, kurz darauf wurde das Telefonat beendet.

Sie nannte mich nur ,Mama‘ und sagte, dass sie schwer an Corona erkrankt sei.

Edeltraud Gewalt

„Ich habe direkt meine Tochter angerufen, die das Ganze aufklären konnte.“ Trotzdem habe es noch zwei Stunden gedauert, bis Edeltraud Gewalt wieder zur Ruhe kommen konnte.

„Es ist leider nicht das erste Mal, dass das passiert ist. Wir hatten auch schon einen Onkel mit Autopanne oder eine in der Nachbarschaft umhergehende Diebesbande, vor der wir unsere Wertsachen schützen sollten“, sagt die Kiersperin. Dass dieses Mal Corona zum Thema wurde, sei ihr aus familiären Gründen besonders nahe gegangen.

Die Polizei indes habe sie nach den vorangegangenen Betrugsvorwürfen bereits gewarnt: Ihre vierstellige und damit ältere Telefonnummer mache sie besonders attraktiv für Betrugsversuche dieser Art. „Ich habe mich nun vorübergehend aus dem Telefonbuch streichen lassen“, sagt Gewalt und mahnt Menschen in ihrem Alter zur Vorsicht.

Mehrere Versuche in Kierspe

Auch in Kierspe war es in den vergangenen Monaten immer wieder zu derartigen Anrufen gekommen. So war im September ein Telefonbetrüger bei einer 90-jährigen Kiersperin mit der erwähnten „Corona-Masche“ gescheitert. Der Unbekannte versuchte, der Frau vorzugaukeln, er sei ein Bekannter, der durch eine „völlig neuartige“ Behandlungsmethode geheilt werden könnte. Diese koste aber 30 000 Euro. Er bat die Kiersperin inständig, ihm zu helfen. Als diese antwortete, so viel Geld besitze sie nicht, wollte er sich plötzlich mit 2000 Euro zufrieden geben und fragte, ob sie nicht zum Beispiel außerdem Goldbarren besitze. Die Frau hatte längst durchschaut, es mit einem Betrüger zu tun zu haben. Sie befolgte damit den Rat, den die Polizei für derartige betrügerische Anrufe gibt. Erfolg hatten Betrüger jedoch im Mai in Kierspe, als eine 87-Jährige auf falsche Polizeibeamte hereinfiel. Ein angeblicher Kriminalbeamter erzählte die Lügengeschichte von einer rumänischen Einbrecherbande, die teilweise festgenommen wurde.

Bei einem der Täter sei eine Liste mit Adressen gefunden worden – darunter auch der Name der 87-Jährigen. Nun sei „Personenschutz“ vor ihrem Haus postiert worden. Der Betrüger befragte die Frau außerdem nach Konten und Vermögen. Um Seriennummern zu fotografieren, sollte die Seniorin das Geld vor die Tür legen. Dem kam die Frau nach.

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