Jedes vierte Stück Wild stirbt bei Unfällen auf den Straßen

96 Tiere, in erster Linie Rehwild, starben im vergangenen Jagdjahr auf den Straßen im Bereich des Hegerings.

Kierspe -  „Weihnachten ist gelaufen, wenn man gleich zweimal in kurzem zeitlichen Abstand zu einem Wildunfall gerufen wird, um ein schwer verletztes Tier von seinen Qualen zu erlösen“, sagt Matthias Heveling, Leiter des Hegeringes Kierspe-Rönsahl. Denn diese unliebsame Aufgabe wird in der Regel von den Jagdpächtern übernommen. Mit den schlechten Sichtverhältnissen und der früh einbrechenden Dunkelheit in der bevorstehenden Herbst- und Winterzeit ist auch wieder ein Anstieg der Wildunfälle zu befürchten.

Von Luitgard Müller

Im Jagdjahr 2013/2014 (vom 1. April 2013 bis zum 31. März 2014) starben auf den Straßen im Bereich des Hegerings 96 Wildtiere, wobei Kitze (32), weibliches Rehwild (28) und Böcke (19) neben Sauen (3), Füchse (89, Hasen (2) und Dachsen (4) die größte Gruppe stellen. 2250 Wildunfälle verzeichnete das statistische Bundesamt 2013. Allerdings wurden dabei nur die Fälle mit Personenschäden erfasst. Die deutsche Versicherungswirtschaft regulierte dagegen 2012 rund 260 000 Wildunfälle über Teil- und Vollkaskoschutz und der Deutsche Jagdverband geht von etwa 210 000 im vergangenen Jagdjahr aus. „Vermutlich jedes vierte Stück Wild kommt bei Unfällen ums Leben, und nicht alle Unfälle werden gemeldet“, weiss Heveling. Das höchste Ergebnis wurde 2010/2011 mit 158 Tieren verzeichnet. Seither konnten die Jagdpächter die Zahlen durch erhebliche Investitionen in Reflektoren, die ein blaues Licht aussenden, allmählich senken.

Jeder Autofahrer sollte die markanten Warnschilder mit dem springenden Hirsch ernst nehmen, meint Heveling, denn sie weisen auf einen Wildwechsel und damit auf eine verstärkte Aktivität in diesem Streckenabschnitt hin. Erhöhte Aufmerksamkeit und Bremsbereitschaft ist dort geboten. Vor allem im Juli und August sowie ab Mitte September bis Mitte Oktober, der Paarungszeit, besteht erhöhte Gefahr. Ebenso nach der Zeitumstellung auf Winter- oder Sommerzeit.

Was tun, wenn der Albtraum vieler Autofahrer wahr wird und ein Tier unvermittelt vors Auto springt? Dann ist eine schnelle Reaktion gefragt. Mit Abblenden, Hupen und einer scharfen Bremsung sollte er versuchen die Kollision zu vermeiden, wenn dies gefahrlos möglich ist. Wenn nicht, ist ein kontrollierter Zusammenstoß in den meisten Fällen die weniger gefährliche Alternative. Wichtig ist vor allem, die Geschwindigkeit so weit wie möglich zu drosseln und Lenkrad und Wagen in der Spur zu halten.

Nach einem Unfall sollte der Fahrer unbedingt die Polizei verständigen, die sich mit dem zuständigen Jäger in Verbindung setzt, damit er sich um das tote oder verletzte Tier kümmern kann. Auf keinen Fall sollten die Wildtiere angefasst werden, da sie dadurch noch mehr Stress als nötig erleiden und durch panische Tritte und Bisse die Menschen verletzen könnten. Außerdem kann auch eine Ansteckung mit Tollwut ist nicht ausgeschlossen werden. Auch mitgenommen werden dürfen getötete Tiere nicht, denn das kann als Jagdwilderei ausgelegt werden und ist strafbar. Bei gemeldeten Wildschäden am Fahrzeug übernimmt in der Regel die Teilkasko-Versicherung die Kosten.

Die meisten Wildunfälle müssen leider in jeden Jahr wieder auf der B 54, der L 528, der K 25 sowie der K 2 und der K 3 verzeichnet werden.

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