Jazz-Quartett begeistert Publikum

Die Jazz-Musiker begeisterten mit einem Konzert voller Lebensfreude.

RÖNSAHL ▪ „Schön, dass ihr hier seid – wir duzen uns!“ Die prominente amerikanische Sängerin verrät mit gekonnter Mimik und scheinbar selbstverständlicher Sicherheit, die sogleich den weitgereisten Bühnenstar unschwer erkennen lässt, wo es an diesem Morgen lang gehen soll.

Ein gewinnendes Lächeln spielt um ihre Mundwinkel, gibt dabei den Blick frei auf blitzend weiße Zahnreihen, die in wirkungsvollen Kontrast stehen zum sonstigen Outfit „ganz in black“ und dem in kräftigem Orange-rot gehaltenen Kopfschmuck nebst der gleichfarbigen und geschmackvoll um den Hals gewundenen Perlenkette. Sie sucht sofort die Nähe zum erwartungsvollen Publikum. Fast will es so scheinen, als stehle sie dabei – unbewusst sicherlich – ihren mitgereisten „Friends“, dem aus Kierspe stammenden Saxophonisten Wolfgang Schmidtke, dem Pianisten Harald Wunsch und dem Bassisten Gunnar Plümmer, ein wenig die Schau. Ein Privileg der „Chefin“ eben, das sich im Laufe des Konzerts allerdings noch relativieren sollte.

Voll besetzt war am Sonntagmorgen der für hochkarätige kulturelle Veranstaltungen wie diese geradezu wie geschaffen scheinende Raum mit seinem anheimelnden Ambiente in der Historischen Brennerei Rönsahl. Rund 150 Augenpaare verfolgten gespannt die letzten Vorbereitungen auf der mit viel Liebe zum Detail inszenierten Bühne. Der über alle Erwartungen liegende Zuspruch zu diesem neuerlichen Hochkaräter im Veranstaltungsprogramm von KuK (Verein für Kommunikation und Kultur) rechtfertigte einmal mehr auch den guten Ruf, den sich die Historische Brennerei mittlerweile in der Kultur- und Kunstszene über die Stadtgrenzen hinaus erworben hat.

Doch dann ging es los. Mit technisch höchst anspruchsvollen und musikalisch mitreißenden und auf künstlerisch außerordentlich hohem Niveau angesiedelten Saxophon-Soli gelang Wolfgang Schmidtke in nahezu traumwandlerischer Sicherheit das Entree zu einem Jazz-Konzert der Extraklasse. Sowohl er selbst als auch Bassist Gunnar Plümmer konnten mühelos den Beweis antreten, dass ihnen nicht umsonst der Ruf, zu den besten deutschen „straight ahead“ Jazzmusikern zu gehören, vorausging. Nicht zuletzt trug auch Pianist Harald Wunsch, der sein Instrument mit fast traumwandlerischer Sicherheit zu beherrschen und dabei kaum einen Blick auf sein Notenblatt zu werfen scheint, zum harmonischen Ganzen bei.

Und Brenda Boykin? Die Frontfrau des Quartetts verfügt nicht nur über eine bemerkenswert ausdrucksstarke Stimme, die sie selbst einmal als zwischen „jazzig und frech“ bezeichnet hat, sondern beherrscht auch sämtliche im Showbusiness gefragten Affekte. Mal genügte ein vielsagender Blick, mal ein anerkennender Touch auf die Schultern der Kollegen, dann wiederum deuteten ein „Aha“ und herzhaftes Lachen an, dass die Formation auf dem richtigen Wege war, die Herzen ihrer Zuhörer längst erreicht hatte. Ein ins Mikro gehauchtes „Dankeschön – the way I go to you, Hildegard”, hieß es.

Mal auf deutsch, mehr jedoch in der englischen Originalfassung, ließ Boykin in ihren Liedern die alten menschlichen Sehnsüchte nach Freiheit und Geborgenheit anklingen, so wie sie zu den Kernelementen des Jazz gehören. Dabei ließ sie Raum für tiefe Traurigkeit (wie in „Left alone“, in Originalfassung von Jazz-Ikone Billy Holliday gesungen) oder forderte wie selbstverständlich zum Mitsummen des Refrains beim selbst getexteten „Spirit, I love you“ auf. Dabei schimmerte die Verwurzelung der Sängerin im Gospelhintergrund und ihre ursprüngliche Heimat in der „North Oakland Missionary Baptist Church“ unverkennbar durch. „Brenda Boykin and Friends“ haben ihrer Musikrichtung, dem Jazz und Blues, neue Freunde gewonnen. ▪ Rainer Crummenerl

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