Von Japan in die sichere Heimat

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Die Lufthansa lässt alle aus Japan ankommenden Flüge vorsorglich auf Radioaktivität untersuchen. ▪

KIERSPE ▪ Sie ist 16 Jahre jung, wohnt eigentlich in Kierspe und ist bald – wenn alles glatt geht – auf dem Rückweg von Japan in die Volmestadt.

Annika Reiffert, Schülerin des evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen, verbrachte die letzten sieben Monate in dem Land, das von der vielleicht größten Katastrophe in seiner Geschichte heimgesucht wird. Die Jugendliche absolvierte gerade im Rahmen des Rotarier-Austauschprogrammes ein Auslandsschuljahr im „Land der aufgehenden Sonne“, als es passierte: Zuerst bebte die Erde, dann kam der Tsunami und jetzt droht auch noch der atomare Supergau.

Annika Reiffert lebte bei einer Gastfamilie in Minowa, einer 26 000 Einwohner großen Stadt. Die liegt etwa 100 Kilometer von Tokio und 350 Kilometer Luftlinie von den Reaktoren in Fukushima entfernt im Landesinneren. Der Tsunami richtete hier keine Schäden an – doch das Erdbeben war deutlich zu spüren. „Annika hat uns berichtet, dass Häuser samt Mobiliar gewackelt haben. Sie sagte, dass die Spannung in der Erde am ganzen Körper spürbar gewesen sei. Sie empfand das als unerträglich und schrecklich“, berichtet Mutter Jutta Reiffert, die in den vergangenen Tagen über das Internet-Telefonsystem „Skype“ von Kierspe aus ständig mit ihrer Tochter in Verbindung stand. Größere Schäden gab es in Minowa zwar nicht, doch die Angst vor atomarer Verseuchung ist auch hier natürlich allgegenwärtig. Und deshalb sind Jutta Reiffert und ihr Mann Jochen froh, dass sie es geschafft haben, für ihre Tochter ein Rückflug-Ticket zu organisieren. „Das haben wir von Kierspe aus gemacht. Das Reisebüro in Essen, über das das Auslandsschuljahr gebucht war, hat uns dabei toll unterstützt“, freut sich Jutta Reiffert über die kompetente Hilfe. Über eine „Abfuhr“ ist sie jedoch entsetzt und sehr verärgert: „Wir haben uns auch an die Deutsche Botschaft in Tokio gewendet, um Hilfe für unsere Tochter zu bekommen. Die haben uns dann mitgeteilt, dass wir den Rückflug schon selbst organisieren müssen. Und das bei einer Jugendlichen, die gerade 16 Jahre alt ist.“

In Minowa gibt es noch genügend Lebensmittel, das Benzin war heute allerdings bereits rationiert. Die Autofahrt zum Abflugterminal des Flughafens im etwa 350 Kilometer entfernten Osaka wird dennoch möglich sein. „Hoffentlich gibt es keine allzu großen Staus. Es sind bestimmt viele Menschen unterwegs ins südliche Japan“, hofft Jutta Reiffert. Organisiert wird der Transfer der Kiersperin übrigens von den Rotariern. Die haben auch in Kierspe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Annika Reiffert heimzuholen. „Frank Bisterfeld war dafür zuständig und er hat uns toll unterstützt“, dankt Jutta Reiffert.

Erleichterung und dennoch ein bisschen Wehmut – so lässt sich die Gefühlswelt der 16 Jahre alten Kiersperin heute vermutlich beschreiben. Mutter Jutta Reiffert jedenfalls wusste zu berichten, dass ihrer Tochter der Abschied – fünf Monate vor dem geplanten Ende des Aufenthaltes – schon ein wenig leid tut. Doch sie ist nicht die einzige Austausschülerin, die das Land vorzeitig verlässt. „Auch eine Schülerin aus New Hampshire in den USA, die in der Nähe wohnte, wird zurückgeholt“, berichtet Jutta Reiffert.

Die Kiersperin bedankt sich auf diesem Wege auch herzlich bei den vielen Menschen, die ihrer Tochter Annika in den vergangenen Tagen die Daumen gedrückt haben: „Das hat wirklich gut getan.“

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