Kiersper Landwirte befürchten erneutes Sinken des Milchpreises

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Der Vorstand des Landwirtschaftlichen Ortsvereins (von links): Reiner Grafe (Vorsitzender), Fabian Hedfeld (Stellvertrender Vorsitzender), Michael Krämer (Schriftführer) und Peter Frettlöh (Kassierer).

Kierspe - Der neue Vorstand ist der alte, die Kritik an Rot-Grün wurde ersetzt mit Lob für Schwarz-Geld und eine Umlage, die die Landwirte zahlen, soll eine Imagekampagne finanzieren – so lässt sich die Jahreshauptversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins knapp zusammenfassen.

„2017 war ein Jahr, in dem es mal wieder Spaß gemacht hat, Kühe zu melken“, sagte Reiner Grafe als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes bei seiner Rede zur Eröffnung der Jahreshauptversammlung, die gestern im Haus Berkenbaum stattfand. Seine Äußerung bezieht sich auf den Milchpreis, der im vergangenen Jahr mit 35 bis 40 Cent pro Liter deutlich über den Preisen des Jahres 2016 gelegen hat – in dem rund 22 Cent für den Liter gezahlt wurden. 

Allerdings sagte Grafe auch, dass der Preis bereits wieder sinke und die Landwirte wohl lernen müssten, mit stark schwankenden Preisen zu leben. Darüber hinaus beklagte der Vorsitzende des Ortsverbands, dass dadurch die Arbeitsbelastung in den Familienbetrieben steige, weil Investitionen zurückgehalten und Personaleinstellung nicht vorgenommen würden. „Auch müssen wir immer mehr Zeit im Büro verbringen, weil der Dokumentationsaufwand immer größer wird.“ Kritik übte Grafe auch an den Molkereien, die sehr unterschiedlich bezahlen würden. Das würde dazu führen, dass zwei Betriebe, die gleich viele Tiere hätten, im Schnitt rund 40 000 Euro weniger beziehungsweise mehr im Jahr einnehmen würden – je nachdem an welche Molkerei sie liefern. 

Nach einem Rückblick auf das vergangene Jahr gab es auch noch einen kurzen Ausblick auf die Aktivitäten in diesem Jahr. So ist statt des traditionellen Balls ein Festtag am 12. August auf Gut Haarbecke geplant. Grafe kündigte auch an, dass es in diesem Jahr keinen „Trecker-Tüv“ mehr geben würde: „Das Interesse ist einfach zu gering, außerdem ist es nicht leicht, ein Gelände zu finden, das die Anforderungen für den Aufbau der modernen Messtechnik erfüllt.“ 

Bei den anschließenden Neuwahlen wurde der alte Vorstand auch der neue – und das für die kommenden drei Jahre (siehe Info-Kasten). Als Vertreter in den Kreisverbandsausschuss wurden Reiner Grafe, Michael Kremer und Fabian Hedfeld gewählt. Im Milchausschuss sitzen für den Ortsverband zukünftig Ralf Crummenerl und Reiner Grafe – und als Vertreter der Nebenerwerbslandwirte wurde in Abwesenheit Karl-Peter Dick gewählt. Der Öffentlichkeitsausschuss wird – wie bereits in der Vergangenheit – von Thomas Hedfeld geleitet. 

Neben Gästen von Stadt, Sparkasse, Wupperverband und Volksbank waren auch Vertreter des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes gekommen. Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Kreisverbandes, schloss sich der Freude von Reiner Grafe über die höheren Milchpreise im vergangenen Jahr an, schränkte aber ein, dass diese nicht ausreichen würden, die Löcher der Vorjahre zu stopfen, „dazu war die Preiserholung von letztlich acht Monaten zu kurz.“ Buttighoffer warnte vor dramatischen Folgen, die die Afrikanische Schweinepest für die deutschen Landwirte haben könnte. Doch die große Wildschweinpopulation stelle nicht nur im Hinblick auf diese Krankheit ein Problem dar, sondern auch im Hinblick auf die Schäden, die von den Schweinen auf dem Grünland angerichtet werden. Aus seiner Freude über den Regierungswechsel machte er keinen Hehl: „Wir sind die Wadenbeißer jetzt los und haben eine Ministerin, die unsere Sprache spricht.“ 

Unpolitischer ging es danach mit den Ausführungen von Ludwig Kremer, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, weiter. Er stellte den Landwirten eine Projektidee vor, mit der Geld eingeworben werden soll, um die Öffentlichkeitsarbeit verstärken zu können, die nach der Abschaffung der CMA (Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft) nahezu zum Erliegen gekommen sei. So wolle man eine Gesellschaft gründen, an der der Westfälische Landwirtschaftsverband und der Raiffeisen-Verband Westfalen-Lippe zu gleichen Teilen beteiligt sein sollen. Im Zentrum der Kampagne solle das nachhaltige Wirtschaften der Landwirte stehen. 

Finanziert werden soll die neue Gesellschaft aus Beiträgen der Landwirte, die dafür einen Euro zusätzlich beim Kauf einer jeden Tonne Mischfutter bezahlen sollen.

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