Altes Geschäftshaus muss weichen

Die Tage des inzwischen über 200 Jahre alten ehemaligen Gasthofs Zimmermann in Ohl sind nach aktueller Planung mittlerweile gezählt. Das erheblich „in die Jahre“ gekommene Geschäftsgebäude muss einem modernen Büro- und Lagertrakt des Baustoffhändlers Platz machen.

Rönsahl/Ohl - Ein 200 Jahre altes Geschäftshaus muss den Anforderungen der Neuzeit weichen.

Noch läuft der Geschäftsbetrieb der Baustoffhandlung Zimmermann GmbH in Ohl im gewohnten Rahmen. Das ist so, speziell bezogen auf den täglichen Ablauf im kaufmännischen Bereich, so weit sich dieser auf die Büroräume im angestammten Firmengebäude bezieht. Doch wie lange das noch in der bisherigen Weise gehandhabt werden kann, steht derzeit noch nicht fest.

Lange schon genügt der vorhandene Platz im angestammten und an dieser markanten Stelle am Schnittpunkt zweier Bundesstraßen errichteten ortsbildprägenden Geschäftshauses nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Nach und nach reifte deshalb der Beschluss im Familienbetrieb, den Gegebenheiten Rechnung zu tragen und das bisherige Gebäude durch einen zeitgemäßen Neubau zu ersetzen. Damit sollen neue Möglichkeiten zur Optimierung der Arbeitsabläufe geschaffen werden.

Schon früh nutzten Geschäftsleute die gute Lage des „Gasthofs Zimmermann“ in Ohl am Schnittpunkt zweier Bundesstraßen. Über viele Jahrzehnte beherbergte das Gebäude den Baustoffhandel (rechts) sowie den „Ohler Hof“ (links).

Ein Blick auf die Historie des im Volksmund praktisch seit „eh und je“ mit dem Namen der Familie Zimmermann in Verbindung gebrachten Anwesens lässt erkennen: Der Bau dieses markanten Gebäudes vor rund 200 Jahren und auch seine Position an der Kurve der heutigen B 237 in unmittelbarer Nähe des Abzweigs der B 256 nach Marienheide wurde in kluger Voraussicht gewählt. Er hängt zusammen mit dem Bau beziehungsweise Ausbau dieser beiden Straßen.

Die Chaussee zwischen Kierspe-Rönsahl und Wipperfürth über Ohl-Klaswipper entstand zwischen 1807 und 1812 unter der napoleonischen Herrschaft. Sie war ein Teilstück der ersten „Kunststraße“ zwischen Bergisch Born und Meinerzhagen. Unter preußischer Regie wurde sie 1815 zu einer Hauptpoststrecke. Man konnte täglich aus dem hiesigen Raum über Wipperfürth nach Bergisch Born und Lennep nach Elberfeld fahren und dort nach Düsseldorf umsteigen beziehungsweise nach Meinerzhagen reisen mit Anschluss nach Frankfurt über Siegen.

Die heutige Straße Richtung Marienheide wurde 1818 gebaut; über sie fuhr die Postkutsche nach Gummersbach. Schon zu damaliger Zeit erkannten kluge Geschäftsleute, welche Möglichkeiten sich aus diesen Konstellationen ergaben. Heimatgeschichtliche Recherchen, so wie sie beispielsweise der Heimat- und Geschichtsverein Wipperfürth anstellte, belegen, dass in jenen Jahren eine ganze Reihe von Gasthäusern entlang der neu errichteten „modernen“ Kunststraßen entstanden. Allein auf der Strecke zwischen Gummersbach und Lennep sollen das etwa 40 Raststationen gewesen sein, an denen die Postkutsche halten und Reisende eine Pause machen konnten.

Sommerfrischler wurden angelockt

Einer dieser findigen Kaufleute war auch ein Friedrich Neuhaus zu Ohl, der in einem damaligen Adressbuch als „Barriereempfänger, Branntweinbrenner und Wirth zu Ohl“ angegeben ist. Er wird mit dem Bau des Hauses Zimmermann, der 1820 bis 1823 erfolgte, in Verbindung gebracht und im Urkataster von 1831 als Eigentümer benannt. Damit wird er wohl der erste in einer Reihe der in den nächsten Jahrzehnten folgenden Gastwirte in dem Haus gewesen sein.

Carl Zimmermann (1869 bis 1936), der im Jahr 1900 noch in Kierspe gewohnt hatte, erweiterte Gast- und Landwirtschaft spätestens 1909 um eine „ Handlung für Landesprodukte, Baumaterialien und Kohlen“. Ausschlaggebend für dieses unternehmerische Engagement waren die Aufnahme des Bahnverkehrs 1902 und die räumliche Nähe zum Bahnhof Ohl-Rönsahl. Die neue Verkehrsverbindung und die Entwicklung des Busverkehrs in den 1920er Jahren lockten zudem zunehmend auch „Sommerfrischler“ und Ausflügler an.

So entwickelte sich später der „Ohler Hof“ zu einem beliebten Ausflugslokal. Als der Autoverkehr zunahm, richtete man für die Logisgäste eine „Auto-Garage“ ein und legte später vor dem Hause sogar eine Tankstelle an. Die hatte bis weit über die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinaus dann Bestand. Sie musste erst viel später unter anderem dem zunehmenden Platzbedarf des mehr und mehr expandierenden Baugeschäftes weichen. Hotel und Restaurant haben unter den verschiedenen Besitzern noch Jahrzehnte bestanden.

Der Niedergang der ehemals blühenden Ausflugslokale machte aber auch vor dem „Ohler Hof“ nicht halt, der in den letzten Jahren seines Bestehens einen eher zweifelhaften Ruf hatte und dann irgendwann ganz aufgegeben wurde. Ganz anders steht heute das Baugeschäft da, das in der Familie Zimmermann geblieben ist und bereits in der vierten beziehungsweise fünften Generation mit innovativen Ideen betrieben und mit großem Erfolg geführt wird. Deshalb überwiegt die Freude über den längerfristigen Erhalt etlicher Arbeitsplätze bei weitem. Sie lässt Gedanken, die sich mit dem bevorstehenden Abriss des alten Gebäudes, einem Stück der „Ohler Historie“ verbinden, in den Hintergrund treten.

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