44 Jahre alter Mähdrescher ist bei Ernte unverzichtbar

Bahn für Bahn „zieht“ Landwirt Karl-Heinz Schulte mit seinem Mähdrescher des Fabrikats „Fahr“, Baujahr 1966, unter# dessen Motorhaube ein auch nach vielen Jahrzehnten immer noch kraftvoller 52 PS starker 4-Zylinder-Deutz-Motor pocht.

RÖNSAHL ▪ „Bisher hat er mich eigentlich noch nie wirklich im Stich gelassen, und ich hoffe, dass das auch noch lange so bleiben wird", sagt Bauer Karl Heinz Schulte über seinen alten Mähdrescher.

Sicher, den einen oder anderen Aussetzer kann es ja zwischendurch schon mal geben, dafür hat mein ,Fahr‘ ja auch schon eine ganze Menge an Arbeitsjahren auf dem Buckel. Wenn ich am Tuckern des Motors merke, dass mal eine kleine Pause im Arbeitsrhythmus angebracht scheint, dann halten wir das eben so, aber was macht das schon – uns treibt ja glücklicherweise niemand“, ein vielsagendes Lächeln spielt um die Mundwinkel von Bauer Karl Heinz Schulte, der ganz offensichtlich ein feines Gespür für alles hat, was mit seinem „Fahr 66“, dem Landmaschinen- Veteranen aus dem vorigen Jahrhundert, der – Baujahr 1966 – vor nunmehr schon langer Zeit in der bekannten deutschen Traktorenschmiede Fahr „das Licht der Welt“ erblickte, zusammenhängt.

Vieles verbindet die beiden, den knallroten Mähdrescher-Veteranen und den Bauern aus Leidenschaft – denn das ist der 56-jährige Landmann zweifelsfrei, der mit seiner Frau Monika und der Mutter gemeinsam den letzten verbliebenen kleinen Bauernhof als Vollerwerbsbetrieb von ehemals fünf in der Hofgemeinschaft Dörscheln führt. Und irgendwie kann man das auch verstehen, gehörte doch der „Fahr 66“ seinerzeit zu den absolut wichtigen Anschaffungen, die damals noch von den Eltern des heutigen Hofbesitzers getätigt wurden und beim Ernteeinsatz unverzichtbar war.

Sie sind gemeinsam älter geworden, der Bauer und sein Arbeitsgerät, das während der meisten Zeit des Jahres im Geräteschuppen steht, dann aber, wenn das Getreide reif ist, seit Jahr und Tag neu zu Ehren kommt. Bauer Schulte hat insgesamt noch eine Fläche von rund fünf Hektar an Getreide „unter dem Pflug“.

Unweit des Wohnbereiches und inmitten von noch für das Milchvieh genutzten Grünlandes um den Hofbereich von Dörscheln gelegen, bereichern Schultes Getreidefelder als um diese Jahreszeit goldgelb gefärbte Farbtupfer das Landschaftsbild. In diesem Jahr hat der Landwirt ein Feld mit insgesamt 0,8 Hektar mit Hafer und Wintergerste bestellt, während auf dem größeren Getreidefeld in der Nachbarschaft Tritikale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, in der die Vorteile beider Getreidearten vereint sind, angebaut wird. Beides steht – trotz der voraufgegangenen langen Trockenzeit im Juli – relativ gut auf dem Halm, wenngleich auch eine gewisse Notreife beim sogenannten „Gemengten“, nämlich Hafer und Gerste, die Erntezeit um mindestens zwei bis drei Wochen verfrüht hat.

Wenn es dann, so wie in der Vorwoche, ein oder zwei Tage gibt, an denen es nicht regnet und das Getreide die notwendige Trockenheit hat, heißt es für den Bauern, dieses auszunutzen, denn nur dann kann er mit seinem Mähdrescher in Aktion treten. Mit der Erfahrung, die ein langes Berufsleben mit sich bringt, ziehen dann Maschine und Mensch ihre Bahnen über das Getreidefeld. In einem Arbeitsvorgang schneidet der Mähdrescher die Getreidehalme kurz über dem Boden ab und drischt das Korn in der Maschine, wobei das wertvolle Korn und das als Winterstreu fürs Vieh genutzte sogenannte Häckselgut voneinander getrennt werden.

Wenn alles nach Wunsch klappt, und davon geht der Bauer auch diesmal aus, dann ist die Arbeit auf diesem Getreidefeld in etwa zwei Stunden erledigt. Und dann kann das Korn, das zurzeit des Dreschvorgangs noch etwa 14 bis 15 Prozent Feuchtigkeitsgehalt aufweist, auf dem bereitstehenden Erntewagen gesammelt und zum Nachtrocknen in die Scheune gefahren werden. Für die insgesamt dreizehn Milchkühe und die etwa gleiche Anzahl an Rindern beziehungsweise Kälbern, die die wirtschaftliche Grundlage für den kleinen Bauernhof bilden, bedeutet das auf eigener Scholle geerntete und später zur Winterfütterung verwendete Korn eine hochwertige, weil eiweiß- und nährstoffreiche Nahrungsquelle als willkommene Ergänzung zu Silage und dem auch noch „nach alter Sitte“ getrockneten Heu, wie Bauer Schulte wissen lässt. Wie lange der Landwirt noch seinen Hof in dieser Weise bestellen wird, will und kann er nicht sagen. Zwar sind beide Söhne mittlerweile aus dem Haus, haben ihre eigenen Familien und einen Beruf, der mit Landwirtschaft nichts zu tun hat. „Nach uns ist hier Schluss mit der Landwirtschaft“, weiß der Mann, „aber so lange das noch eben geht, machen wir weiter wie bisher – und ein Lohnunternehmer von auswärts kommt mir zur Getreideernte ganz bestimmt nicht auf den Hof, jedenfalls so lange nicht, wie mein „Fahr“ unverwüstlich ist und mir treue Dienste tut.“ ▪ cr

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