Historische Schätze in altem Gemäuer

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Zählt zu den repräsentativsten Bürgerhäusern Rönsahls. Das „Haus Roe“ in unmittelbarer Nachbarschaft zur Historischen Brennerei an der Hauptstraße.

Rönsahl - Wenn ein Wohn- und Geschäftshaus einen neuen Anstrich erhält oder auch ein neues Dach, so ist das im Allgemeinen sicher nichts Besonderes. Wenn diese Arbeiten jedoch an einem der ohnehin repräsentativsten und unter Denkmalschutz stehenden Anwesen in Rönsahl erfolgen, ist das doch von besonderer Bedeutung. Und so richten sich derzeit viele Blicke auf das „Haus auf der Roe“, besser bekannt als Villa Haase oder Villa Krugmann, das nun ein neues Schieferdach erhält.

Dass diese Maßnahme ausgerechnet in dem Jahr geschieht, in dem die alte Villa aus den Glanzzeiten der Pulvermüller-Dynastie ihren 200. Geburtstag feiern kann, mag dem Zufall geschuldet sein. Doch dieser Termin ist Grund genug, auf die Geschichte das Gemäuers zurückzublicken.

Dabei gehört ein wenig Fantasie zweifellos dazu, wenn man sich vorstellen mag, dass an dem massiven steinernen Tisch im Innenhof vor Zeiten bedeutende Persönlichkeiten gesessen und wesentliche Weichenstellungen für das Ortsgeschehen der damaligen Zeit beschlossen haben. Schließlich sagt man den wohlhabenden Bürgern der damaligen Zeit aus der Dynastie der Rönsahler Pulverfabrikanten – und hier ganz speziell der Familie Buchholz – sehr gute Geschäftskontakte zu bedeutenden Adelsgeschlechtern und selbst zum deutschen Kaiserhaus nach. Die sollen sogar dazu geführt haben, dass Kaiser Wilhelm II. vor rund 100 Jahren bei einer Reise durch das Bergische Land kurz Station im Hause Buchholz in Ohl gemacht und dabei einen Freund von Eugen Buchholz besucht haben soll. Hartnäckig hält sich diese Randnotiz sogar durch einen Zeitungsbericht aus damaliger Zeit. Als weiter Hinweis auf diesen Besuch gilt die heute noch im Original vorhandene und vom Kaiser persönlich unterschriebene handschriftlich verfasste Urkunde über die „allergnädigst“ verliehene Ernennung des Kaufmanns Buchholz zum Kommerzienrat.

Eine Urkunde, die Gerhard Koktanek gut kennt. Mit seiner Lebenspartnerin Ans Meijer wohnt er seit vielen Jahren im alten Gutshaus direkt neben der historischen Brennerei und betreibt dort sein Antiquitätengeschäft. „Wir waren auf den ersten Blick sogleich verliebt in das gesamte Ambiente hier“, erinnert sich Koktanek, „und als sich nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebs die Gelegenheit bot, das Anwesen längerfristig zu mieten, haben wir nicht lange gezögert.“ Und mit den neuen Bewohnern zog damals auch neues Leben in das im Jahre 1817 von einem der drei Cramer-Brüder aus der gleichnamigen Pulverfabrikanten-Familie erbaute Gutshaus ein. Sowohl innen als auch außen mit viel Liebe zum Detail gestaltet, zählt das denkmalgeschützte Haus Roe von Beginn an zu den das Ortsbild prägenden repräsentativen Bürgerhäusern in Rönsahl.

Aus diesen Anfangszeiten des Hofes stammen auch die teils vergilbten Dokumente, die sich im Besitz des Antquitätenhändlers befinden. Bei den meisten handelt es sich um Rechnungen, so wie sie verschiedene Handwerker und Lieferanten anfangs und Mitte des 19. Jahrhunderts an „wohlgeborene“ Bürger in Rönsahl gerichtet haben. Alle sind handschriftlich gefertigt und in fein säuberlicher und heute nur mit Mühe zu entziffernder Sütterlinschrift aufgesetzt. Eine stammt vom Steinmetz Joseph Neumann aus Lindlar, der am 20. August 1841 Dr. Leopold Heuser in Rönsahl die steinerne Sitzgruppe in Rechnung gestellt, die noch heute am Anwesen steht. Der Preis damals: 106 Thaler und 10 Pfennige. Dieser Dr. Leopold Heuser, an anderer Stelle mit „Wohlgeboren in Rönsahl“ angeredet, war der Erbauer des Hauses Buchholz, das noch heute unter der Bezeichnung „Neuenhof“ bekannt ist.

Und eben für die Umlage des Hauses Neuenhof war auch die wohl tonnenschwere massive steinerne Sitzgruppe bestimmt, die dann viele Jahrzehnte lang als ein prägendes Element im angegliederten Park von Haus Neuenhof gestanden hat, bevor sie dann vor einigen Jahren in das Eigentum der Antiquitätenhändler überging und dort in Nachbarschaft etlicher weiterer Antiquitäten als ständiger Erinnerungsposten aus „Rönsahls alter Zeit“ wohl so manches vom Wandel der Zeiten zu erzählen wüsste...

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