Ein Jahr der milden Regentschaft endet

Als noch amtierende Königin eröffnete Britta Oehlke das Königsschießen der Wilden Jäger. Nach eigenem Bekunden endete damit ein Jahr der milden Regentschaft. ▪

KIERSPE ▪ Gefürchtet sind sie, die Schützen vom Schießclub „Wilde Jäger Neuenhaus“. Zumindest bei den Stadtmeisterschaften, Wettkämpfen oder Verbands-Vergleichsschießen in Kierspe, Halver und Umgebung. Diese Selbsteinschätzung findet ihre Bestätigung in der Vielzahl von Pokalen, die als Trophäen reihenweise den Thekenbereich im Feuerwehrgerätehaus säumen.

In den Disziplinen Luftgewehr, Luftpistole und Bolzenschießen beweisen die rund 50 Mitglieder des Vereins unter dem Dach des Westfälischen Schützenbundes immer wieder Nervenstärke und Treffsicherheit.

Seit 1929 nehmen die Schützen über Kimme und Korn erfolgreich das Schwarze ins Visier. „Früher war das Bolzenschießen in den Kneipen sehr beliebt“, berichtet der Vorsitzende Friedrich Crummenerl aus der Historie. „Da wurde häufig auf sechs Meter Distanz über die Köpfe der Anwesenden hinweg geschossen“, schmunzelt er. „Das ist bei den heutigen Sicherheitsvorschriften undenkbar.“

Einmal wöchentlich, am Freitagabend um 19 Uhr, finden sich die „Wilden Jäger“ in ihrem Domizil zum Training ein. Zudem gibt es ein Ostereierschießen, Feiern und Ausflüge, etwa zum Bowling nach Bergneustadt. Und wie just am Samstag findet sogar ein vereinsinternes Königsschießen statt. Das Ereignis, zu dem Crummenerl die Schützen auch namens des Festausschusses begrüßte, hat eher geselligen Charakter und startet mit einem gemeinsamen Essen.

Während sich der von Vogelbauer Joachim Schumacher gefertigte Adler noch im schmucken Vollbesitz seiner Insignien und Körperteile präsentierte, schwang Ludger Roesges die Suppenkelle. Die durch eine beachtliche „Frauenquote“ gestärkten 25 Schützen fassten daher zunächst leckere Gulaschsuppe und ein köstliches Dessert. Dann nahm die noch amtierende Königin Britta Oehlke das Wappentier mit dem ihr gebührenden ersten Schuss unter Feuer.

„Stehend aufgelegt“ drückten die Schützen in steter Folge ab, und der Styropor-Aar ließ nicht nur Federn: Die Krone sicherte sich Susanne Roesges.

Friedrich Crummenerl erbeutete den linken Flügel, was mit der witzelnden Bemerkung quittiert wurde, „unser Boss hat auch mal getroffen“. Britta Oehlke ergatterte die rechte Schwinge.

Die linke Kralle, zwei Schuss zuvor noch in Mistkratzer-Manier winkend, krallte sich Silvia Frigo; die rechte schnappte sich Brigitta Schleef. Dann ging's dem Vogel an den Kragen, und der darauf sitzende Kopf fiel Silvia Frigo zu.

Den Rest des Tieres holte Stephanie Hager von der Stange. Als neue Königin gab sie mit einer Runde ihren Einstand; die scheidende Königin hatte zuvor – „nach einem Jahr milder Regentschaft“ – ebenso ihren Ausstand bekräftigt. Damit ist den Obliegenheiten, die sich aus der Königswürde ergeben, auch schon Genüge getan.

„Das Königsschießen gab es erstmals 1967“, erinnerte sich der Vorsitzende, „und zweimal in der Vereinsgeschichte, 1995 und 2010, hatten wir auch ein Kaiserschießen.“ Wiederholt dankte ein dreifaches „Gut Schuss“ spendablen Rundengebern. Auf Sabine Dahlheimer wartete für 35 Jahre Mitgliedschaft gar die goldene Vereinsnadel. ▪ Erna Schmidt

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