Die Prüfplakette gibt es nicht immer auf Anhieb

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Wenngleich schon etwas angerostet, leistet der Güldner Baujahr 1959 Hans Georg Berndt aus Wöste immer noch treue Dienste.

KIERSPE - Die Prüfplakette gibt es nicht immer auf Anhieb. Das gilt nicht nur für den Familien-Pkw  oder das schnittige Zweirad, wenn sie ihre neuen farbigen Aufkleber bekommen möchten. Auch Traktoren müssen sich dem technischem Check stellen.

Von Martina Haski

„Und jetzt fahren Sie ein Stück und bremsen dann“, fordert Diplom-Ingenieur Lutz Boeter von der Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ) am Samstagmorgen beim Schlepper-Tüv am Funkenhof Martin Fittig aus Wilbringhausen auf. Dabei ist genau zu sehen, dass der linke Reifen des Deutz D 6007 C, Baujahr 82 blockiert. Ganz schön ärgerlich, denn die vorherige Überprüfung von Lichtanlage, Lenkung und Aufhängung des Treckers hatte keinerlei Mängel ergeben.

„Wenn die Bremse einseitig zieht, ist das sowohl im Verkehr als auch im Gelände gefährlich. Auf abschüssiger Strecke könnte das Fahrzeug schlimmstenfalls umkippen“, erklärt Boeter, warum er einstweilen keine Prüfplakette vergeben kann. Sofort macht sich der Besitzer daran, den Hebelweg der Bremse neu einzustellen. „Bei den älteren Modellen ist das zum Glück noch möglich. Hätte ich einen technisch hochgerüsteten neuen Trecker, könnte ich selbst gar nichts mehr ausrichten“, freut sich Martin Fittig.

Mit solchen Maschinen sind inzwischen Dirk Hettesheimer und Sohn Björn angekommen. Als Landwirte brauchen sie den Fendt 312 und den Deutz Fahr Agrotron mit ihren 125 und 165 PS starken Motoren dringend für das Mähen, Wenden und Güllefahren auf ihrem Hof. 40 und 50 Kilometer die Stunde fahren die beiden Schwergewichte immerhin und die Frontlader dienen den Bauern als „dritte Hand“.

Während die Schnellläufer ohne Mängel bis zum nächsten Jahr durch die Prüfung gehen, will Lutz Boeter für den mitgebrachten imposanten selbstfahrenden Futtermischwagen keine Plakette erteilen. „Ich habe hier keine Grube, um die Leitungen unter dem Fahrzeug überprüfen zu können“, begründet er seine Ablehnung.

Etwa drei Generationen technischer Entwicklung liegen zwischen den modernen Treckern von Hettesheimers und dem grünen Güldner, Baujahr 1959 von Hans Georg Berndt aus Wöste. Heute benutzt der ehemalige Landwirt sein altes, etwas verrostetes „Schätzchen“ nur noch zum Rangieren auf dem Hof oder um Holz aus dem Wald zu holen. „Klein und wendig wie der Güldner ist, komme ich damit überall durch“, erklärt er die Vorteile des 17-PS-Treckers.

Zwischen all den grünen und roten Gefährten, die sich am Funkenhof eingefunden haben, sticht der naturfarbene Lamborghini 600 DT von Karl-Heinz Schulte aus Döscheln direkt ins Auge. Seit 20 Jahren walzt und eggt er damit seine Flächen, fährt Mist und macht Silo. „Die Qualität könnte etwas besser sein“, wünscht sich der Landwirt, aber die technische Prüfung ergibt zumindest am Samstagmorgen keinerlei Mängel. Inzwischen ist auch der Deutz von Martin Fittig für den nächsten Bremstest bereit und bekommt im zweiten Anlauf die begehrte Plakette für die nächsten zwei Jahre.

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