Interview mit Martina Kämper

Vom langen Weg ins Pfarramt

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Jetzt zwei Jahre lang Pfarrerin auf Probe: Martina Kämper (43) hat ihr Vikariat in der Gemeinde Hülscheid-Heedfeld absolviert.

Meinerzhagen - Sie hat das Ziel fest vor Augen: Martina Kämper (43) will Pfarrerin werden. Dafür hat sie viel investiert, nach einem verwaltungswissenschaftlichen Studium und der Familiengründung beruflich sozusagen alles "auf Anfang" gestellt.

Die Evangelische Kirchengemeinde Meinerzhagen scheint ein gutes Pflaster für angehende Pfarrer zu sein: Im Jahr 2015 begann Sophie Ihne ihren Probedienst in der Volmestadt – und der mündete in der Ordination und im Jahr 2017 mit einer Festanstellung in Bergkamen-Rünthe. 

Einen ähnlichen Weg – wenngleich natürlich mit noch unbekanntem Zielort – will auch Martina Kämper einschlagen. Nach ihrem Vikariat in der Gemeinde Hülscheid-Heedfeld verstärkt sie seit vergangener Woche die Geistlichen Klaus Kemper-Kohlhase und Petra Handke bei allen seelsorgerischen Aufgaben, die in der Gemeinde anfallen. Im Gespräch mit Frank Zacharias erzählt die 43-Jährige von ihrer Motivation, für die Kirche tätig zu sein – und von manch einer hohen Hürde.

Frau Kämper, Ihre erste Woche in Meinerzhagen ist vorbei. Wie haben Sie diese Zeit empfunden? 

Überaus positiv. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt und hatte bereits gute Gespräche. Bereits 2001 haben Sie Ihr Theologiestudium mit dem Examen abgeschlossen. 

Wie kam es dazu, dass Sie erst viele Jahre später beschlossen haben, den Pfarrdienst anzustreben? 

Ich komme aus einer sehr kirchennahen Familie, die im Gemeindeleben sehr verankert war. Eigentlich hatte ich unmittelbar nach dem Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüdenscheid studiert, um Pfarrerin zu werden. Das hätte auch geklappt – aber die Personalsituation damals war in der Landeskirche sehr speziell. Es gab für angehende Pfarrer noch Assessmentcenter, aus denen nur 50 Prozent der Bewerber erfolgreich hervorgingen. Darum habe ich mich parallel um ein zweites Standbein gekümmert und ein verwaltungswissenschaftliches Studium als Verbundstudium begonnen – das habe ich auch beendet und bin nun Diplom-Verwaltungswirtin. Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass ich das Center schaffe. 

Haben Sie aber?

(lacht) Ja! 

Wie ging es dann weiter?

Mit der Familie. Durch die Geburt meiner drei Kinder ist das Berufliche etwas in den Hintergrund geraten. Aber ich habe die Kirchenarbeit nie aus den Augen verloren, hatte immer den Drang, in einer Gemeinde tätig zu sein. 

Das Vikariat in Hülscheid-Heedfeld war die logische Folge?

Ja. Ich hatte noch während wir als Familie in der Hannoverschen Landeskirche lebten eine Prädikanten-Ausbildung absolviert, eine Art Prediger-Ausbildung für Laien. 2014 bin ich dann mit meinen Kindern nach Lüdenscheid, in meine alte Heimat, zurückgekehrt, wo ich im Sozialen Dienst einer Einrichtung für Senioren tätig war. Ich habe dann bei der Landeskirche angeklopft und meine Bereitschaft signalisiert, die Pfarrlaufbahn fortesetzen zu wollen. 

So kam ich in die Kirchengemeinde Hülscheid-Heedfeld. Was macht Gemeindearbeit für Sie aus? 

Es ist die Vielfalt der Aufgabe. Ich mag die Begegnung mit den Menschen bei den verschiedenen Gemeindeveranstaltungen und Gottesdiensten. Ich gebe natürlich auch gerne Impulse für den Glauben, will aber auch selber von anderen Menschen lernen. Von zentraler Bedeutung ist für mich immer der Gottesdienst... 

...den Sie also nicht als „Alltagsgeschäft“ empfinden? 

Ganz und gar nicht! Ich liebe es, den Gottesdienst zu feiern! Dazu bedarf es natürlich guter Vorbereitung. Aber man kann viele Akzente setzen. Ich mag klassische Gottesdienste und auch neue Formen, wie den hier schon angebotenen „Gottesdienst mal anders“. Das Konzept gefällt mir sehr gut! So kann man auch neue Gruppen ansprechen. 

Wie bewerten Sie die Resonanz auf Gottesdienste?

Ich freue mich herzlich über alle, die kommen. Und wer nicht kommt, hat sicher seine Gründe. Glaube ist etwas Höchstpersönliches. Dennoch wäre es natürlich schön, wenn man miteinander ins Gespräch kommt. 

Auch in der Evangelischen Kirche gibt es die Sorge vor Personalnot. Warum entscheiden sich nicht mehr Menschen, Pfarrer oder Pfarrerin zu werden? 

Das ist wirklich schade. Viele haben das Berufsbild vielleicht gar nicht so im Blick. Dabei gibt es inzwischen ein tolles Informationsangebot von der Evangelischen Kirche von Westfalen: „Bodenpersonal gesucht“. Für mich ist das wirklich ein Traumberuf, weil einem so viele Türen und Herzen geöffnet werden. Zu 75 Prozent ist Ihre Pfarrstelle „auf Probe“ in der Meinerzhagener Gemeinde angesiedelt, zu 25 Prozent im Schulreferat des Kreiskirchenamtes. 

Was ist dort Ihre Aufgabe?

Das muss sich noch finden, aber ein Schwerpunkt wird sein, die Themenkisten der Medienstelle zu sichten, gegebenenfalls zu ergänzen, aktualisieren, neu zusammenzustellen und in Schulen und Gemeinden vorzustellen. Die Medienstelle ist ein tolles Angebot für Lehrkräfte, Gemeindemitarbeitende und Erzieherinnen und Erzieher, das von Pfarrerin Katharina Thimm und Pfarrer Dirk Vetter betreut wird. 

Mit der Jesus-Christus-Kirche dürfen Sie in einem ganz besonderen Gotteshaus feiern. Wie wichtig sind Ihnen die Kirchengebäude? 

Mein Vater war Architekt für den Kirchenkreis Lüdenscheid – daher habe ich von klein auf ein besonderes Verhältnis zu Kirchen. Jede hat ihre ganz eigene, besondere Atmosphäre. Ich betrete eine Kirche und bin glücklich.

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