Junge Kollegen brachten neue Impulse mit ins Kollegium

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Der Griff zur alten Schulglocke weckt Erinnerungen bei Reinhard Mayr – an seine eigene Schulzeit. Der kommissarische Schulleiter der Pestalozzischule tritt in zwei Wochen in den Ruhestand.

KIERSPE - Mit dem künftigen Ruheständler Reinhard Mayr, bislang kommissarischer Leiter der Pestalozzischule, unterhielt sich in dessen Büro im Rahmen eines Interviews MZ-Redakteur Rolf Haase.

Die Jahre der Vakanz auf den Schulleitungsstellen erst an der Pestalozzischule sowie an der Schanhollenschule und, seitdem beide 2012 dann fusioniert wurden, auch an der neuen Verbundschule, ist endlich vorüber. Am kommenden Dienstag wird von der Schulkonferenz ein neuer Schulleiter gewählt. Das passt sehr gut, weil Ende des Monats zum einen das neue Schulhalbjahr beginnt und zum anderen die Dienstzeit von Reinhard Mayr endet. Wie Thomas Block an der Schanhollenschule hatte er in den vergangenen Jahren die Pestalozzischule erst kommissarisch geleitet und war dann auch kommissarischer Schulleiter der neuen Verbundschule. Hier nun das Interview:

MZ: Herr Mayr, Sie sind ein Kiersper Urgestein, sind hier geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen und haben auch beruflich hier gewirkt. 42 Jahre waren sie an der Pestalozzischule tätig. Erinnern Sie sich noch an Ihre eigene Schülerzeit?

Reinhard Mayr (steht von seinem Schreibtischstuhl auf, geht zur Fensterbank und holt eine alte Handglocke): Als ich 1955 eingeschult wurde, befand sich die Schule noch an der Kölner Straße, wo lange die alte Postdienststelle war und heute der Kraftfahrzeugzubehörhandel Damm und Rademacher. Aus dieser Zeit stammt die Schulglocke, die von Hand geläutet werden musste. Aber schon im nächsten Jahr zog die Schule dann in das neue Gebäude am Haunerbusch - und ich mit. Dort waren die evangelische Volksschule wie auch die katholische Volksschule untergebracht.

MZ: Wie sah Ihre weitere Ausbildung aus?

Reinhard Mayr: 1959 wechselte ich zunächst für zwei Jahre an die Realschule Meinerzhagen und 1961 dann an das Gymnasium Gummersbach, wo ich 1968 mein Abitur machte. Ich beschloss Lehrer zu werden und studierte sechs Semester lang an der Pädagogischen Hochschule Ruhr in Hagen Mathematik, Physik und Chemie. Ich erwarb so die Lernbefähigung für die Grund- und Hauptschule. 1971 kam ich als Lehramtsanwärter an die Pestalozzischule. Mein Seminarleiter Werner Dreisbach, der vorher Konrektor an der Pestalozzischule gewesen war, riet mir: Gehen sie zu Wilhelm Bernhard. Bernhard war damals Schulleiter der Pestalozzischule, die vorher gerade Grundschule geworden war, und er hatte mich früher schon als Schüler unterrichtet. Ein Jahr später wurde dann eine Stelle frei. Im Dezember machte ich die Prüfung und im Februar übernahm ich gleich die dritte Klasse von Christina Janßen, die damals in Mutterschutz ging. Es war damals noch nicht lange her, dass die Fünf-Tage-Woche an der Schule eingeführt worden war.

MZ: Sie waren gleich Klassenlehrer?! Begleiteten Sie die Schüler dann die ganze Schulzeit?

Reinhard Mayr: Ja, aber damals gab es auch ganz andere Strukturen: Während heute die Lehrer an der Grundschule vor allem klassenbezogen unterrichten und in ihren Klassen die meisten Fächer geben, sah das damals anders aus: Sie unterrichteten fachbezogen. So gab ich Mathematik, Sachunterricht und Sport auch in anderen Klassen.

MZ: Während Ihrer Lehrertätigkeit in Kierspe erlebten Sie an der Pestalozzischule viele Schulleiter. Zuerst war es sicher noch lange Wilhelm Bernhard. Wer folgte danach?

Reinhard Mayr: Seine Nachfolgerin wurde 1987 Ulli Rottschy, die bis 1995 an der Schule blieb. Danach kam es erstmals zu einer Vakanz - aber nur von einem halben Jahr. Danach folgte Wolfgang Gottstein, den viele Kiersper kennen und der dann 2005 nach Köln gewechselt ist. Konrektor war zu dem Zeitpunkt Walter Schmidt, dem 1998 Ute Roth folgte. Ab 2002 war die Konrektorstelle wieder für zwei Jahre vakant. Schließlich habe ich mich auf die Stelle beworben und wurde dann auch 2004 Konrektor. Nach dem Weggang von Wolfgang Gottstein hatte ich 2005 und 2006 schon einmal die kommissarische Schulleitung, bis 2006 Maria Reusch Leiterin wurde. Sie verließ Kierspe 2009.

MZ: Herr Mayr, wie haben sich im Laufe Ihrer langen Dienstzeit die Schulleitungsaufgaben verändert?

Reinhard Mayr: Schulleiter sind heute auch für dienstliche Beurteilungen der Lehrer zuständig. Früher kam diese Aufgabe allein der Schulaufsicht zu, die regelmäßig für Unterrichtshospitationen vor Ort war.

MZ: Wenn Sie an die Anfangszeit als Lehrer zurückdenken, was fällt Ihnen ein:

Reinhard Mayr: Als ich studierte und dann auch, als ich Lehrer wurde, war Mengenlehre ein ganz großes Thema, vielleicht damals etwas überstrapaziert. Ältere Kollegen wussten gar nicht, wofür sie das machten, und jüngere sahen sich plötzlich mit der praktischen Umsetzung konfrontiert. Wir waren damals genauso wie die Bismarckschule Versuchsschule für die neuen Lehrpläne. Überfordert waren auch viele Schüler, wenn sie sich im ersten Schuljahr schon mit Zahlentheorie beschäftigen sollten. Manche schafften es gerade noch, Definitionen auswendig zu lernen und dann aufzusagen.

MZ: Sie waren jetzt seit zehn Jahren Konrektor und seit fünf Jahren haben Sie die Schulleiteraufgaben kommissarisch wahrgenommen. Aber Sie haben nie den Schritt gemacht, auch Schulleiter zu werden. Was hat Ihnen an der Aufgabe gefallen, was vielleicht nicht so sehr?

Reinhard Mayr: Ich habe schon zusammen mit Walter Schmidt Stundenpläne gemacht. Solche Schulverwaltungsaufgaben haben mich gereizt und mir auch Spaß gemacht. Unter Wolfgang Gottstein kam noch Statistik dazu. Anderes lag mir vielleicht weniger. Geschätzt habe ich immer das harmonische Klima im Kollegium und die gute Zusammenarbeit. Das war mir immer sehr wichtig. Als positiv empfunden habe ich es zudem, wenn besonders auch junge Kollegen an die Schule kamen, von denen viele neue Impulse ausgingen. Denn immerhin habe ich selbst nur die Pestalozzischule kennengelernt. Die Jüngeren wiederum konnten viel von den Erfahrungen von uns Älteren profitieren.

MZ: Am 31. Januar haben Sie Ihren letzten Schultag. Welche Planungen bestehen für die Zeit danach?

Reinhard Mayr: Ja, die letzten zwei Wochen sind jetzt für mich angebrochen - und ich gestehe, ich freue mich sehr auf meinen Ruhestand. Ich habe mit meiner Frau für Februar schon einen Urlaub gebucht und den nächsten sogar auch bereits. Es ist klasse, nun mal außerhalb der Ferien verreisen zu können. In Haus und Garten warten viele Aufgaben auf mich. Und dann ist da immer noch der Männerchor Kierspe, in dem ich aktiv bin.

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