Rund 50 Prozent der Geräte instandgesetzt

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Unter Anleitung von Valeria Gribowski (links) können auch Handarbeiten ausgeführt werden.

Kierspe  - Auf einer alten VHS-Kassette schlummern die Aufnahmen eines längst vergangenen Urlaubs. Doch ein Betrachten des Films ist unmöglich, da der noch viel ältere Video-Rekorder seinen Dienst versagt. Ein typischer Fall für die „Fachleute“ des Repair-Cafés im Sozialen Bürgerzentrum Hand in Hand. Mittlerweile wurde das Café bereits fünf Mal geöffnet – und das Interesse bleibt groß.

Allein am Dienstagnachmittag waren zehn Besucher gekommen, in der Hoffnung, dass ihre alten Kaffeemaschinen, ihr Küchenradio, ihr Mixer oder auch ihr Schwingschleifer noch einmal instand gesetzt werden könnte. „Rund der Hälfte der Besucher kann geholfen werden“, erklärt Hans-Jürgen Malcha. Er selbst hatte sich bei der Gründung des Repair-Cafés in den Räumen des Sozialen Bürgerzentrums Hand in Hand auf die Reparatur von Fahrrädern spezialisieren wollen. Doch das Interesse hielt sich in diesem Bereich bislang zurück. So hilft der ehemalige Lehrer nun vor allem bei mechanischen Problemen. Dabei bleiben will er aber auf jeden Fall. Wie die anderen des mittlerweile siebenköpfigen Teams auch.

Dass rund 50 Prozent ohne instandgesetztes Gerät wieder gehen müssen, liegt meist nicht an dem Unvermögen der Helfer, sondern an den Kosten. Denn trotz der kostenlosen Unterstützung bei den Arbeiten seien die Ersatzteile oft so teuer oder auch nicht mehr zu bekommen. Da empfehle sich oft der Kauf eines neuen Gerätes – oder besser eines preiswerten gebrauchten, da sind sich die Spezialisten einig.

„Es lohnt sich einfach nicht, für eine alte Kaffeemaschine eine neue Wasserpumpe zu bestellen, da ist ein Neukauf keinesfalls teurer“, erklärt Reinhard Schultz, der sich auf die Bereiche Elektrik und Mechanik spezialisiert hat.

Dafür gehen die Besitzer eines Netzgerätes und eines Kassettenrekorders zufrieden nach Hause. Ihre Geräte werden wohl noch ein wenig länger ihren Dienst versehen können. Hilfe bekommt auch eine Frau, die eine Jeans-Hose ändern lassen möchte. Die Arbeit muss sie letztlich aber selbst erledigen – unter Anleitung von Valeria Gribowski und an einer Maschine des Repair-Cafés.

Die defekten Geräte, die am Dienstag vorbeigebracht wurden, sind ein typischer Querschnitt dessen, mit dem sich die Helfer monatlich auseinandersetzen. „Es sind vor allem Haushaltskleingeräte und Unterhaltungselektronik, die wir auf den Tisch bekommen“, erklärt Peter Josteit, der sich auf die Instandsetzung von Computern spezialisiert hat. Ein Bereich, der bislang nicht so stark nachgefragt wurde. „Am Dienstag brachte noch jemand seinen Computer vorbei, doch helfen konnte ich leider nicht, da das Scharnier defekt war“, so Josteit. Damit wurde der Rechner ein Fall für die Mechanik-Spezialisten.

Während die ehrenamtlichen Helfer von ihren Erlebnissen, Erfolgen und Misserfolgen berichten, dreht ein Schwingschleifer in einem Karton auf dem Boden seine Runden – eine Art Langzeittest, um herauszufinden, ob die Reparatur erfolgreich war. Nach zehn Minuten verbreitet sich ein unangenehmer Brandgeruch im Raum – und die Geräusche des Schleifers ändern sich merklich. „Da müssen wir wohl noch mal ran“, merkt Schultz an und bringt das rauchende Handwerkszeug aus dem Raum.

Die Besitzer der reparaturbedürftigen Geräte kommen längst nicht mehr nur aus Kierspe, sondern vermehrt auch aus Halver und Lüdenscheid. Denn in den beiden Städten gibt es im Gegensatz zu Kierspe und Meinerzhagen kein Repair-Café. Doch auch bevor die Geräte aus den Nachbarstädten repariert werden, müssen die Besitzer eine Haftungsbegrenzung unterschreiben. Denn eine Garantie geben die Ehrenamtlichen natürlich nicht – dafür aber ihr Fachwissen und ihre Zeit.

Das nächste Mal öffnet das Repair-Café am 12. Januar in der Zeit von 15 bis 17 Uhr.

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