Buch über Hülloch dokumentiert Forschung

+
Von der Speläo-Gruppe, der Bezirksregierung, dem Kreis und der Stadt sowie Eigentümer und Initiator der Höhlenforschung Peter Feltens wurde jetzt der erste Arbeitsbericht über das Hülloch und dessen Erkundung in den vergangenen Jahren vorgestellt. ▪

KIERSPE ▪ Von Rolf Haase Kierspe J Die Vermessung des Hüllochs hat gezeigt, dass es von dem bislang erforschten Höhlengang bis zur der großen Halle, nach der die Mitglieder der Speläo-Gruppe Sauerland nun schon jahrelang suchen, rund drei Meter waren.

„Davon haben wir zwei Meter freigelegt“, frohlockte jetzt Vorsitzender Wolfgang Hänisch, als der druckfrisch eingetroffene erste Arbeitsbericht über die wissenschaftliche Forschungstätigkeit in der Zeit von 2009 bis 2012 in der Kiersper Höhle vorgestellt wurde. Darin spiegelt sich der aktuelle Stand der Untersuchungen im Rahmen des ELER-Programms der Europäischen Union für die Entwicklung des ländlichen Raumes wider. Neben EU-Mitteln sind außerdem auch noch Gelder des Landes und des Kreises in das Forschungsprojekt eingeflossen.

Auf 88 Seiten wird in dem Band das Hülloch aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Der Arbeitsbericht ist eine grundlegende, erste Übersicht. Aus dem Grund beinhaltet er zum einen ebenfalls Aufarbeitungen von historischen Erzählungen und Fakten, wobei dieser Einblick in die immense Datenflut der zahlreichen Dokumentationen aber nur stark gerafft wiedergegeben werden konnte. Der zweite Schwerpunkt des Bandes stellt eine Zusammenstellung einzelner Fachberichte der Sachbereichsleiter im erweiterten Team der Speläo-Gruppe dar.

Von Anfang an war dieser übrigens nicht als Abschlussbericht konzipiert, da das Gesamtobjekt Hülloch in der kurzen geförderten Zeitspanne wissenschaftlich exakt keinesfalls zu fassen war. „Dies gilt für die Aufarbeitung des wiederentdeckten Höhlenganges und noch viel mehr für die Bearbeitung der möglicherweise noch aufzufindenden, seit 1860 im Berg verschütteten Haupthalle, welche auch aus biologischer und hydrologischer Sicht eine ganz andere Dimension eröffnen würde“, stellt Wolfgang Hänisch in dem Buch fest.

Er gibt ihre Größe auf der Basis der alten Beschreibungen, aber auch der neueren Messungen mit etwa 100 Fuß hoch, 80 Fuß breit und 30 Fuß hoch an. „Das ist für diese Gegend wirklich immens“, macht der Speläo-Vorsitzende deutlich. Von Einbrüchen, einem Wasserlauf und vielleicht sogar einem rauschenden Wasserfall in dem Bereich sei in einer früheren Beschreibung die Rede.

Zur Vorstellung des Arbeitsberichtes war neben ihm von der Speläo-Gruppe noch Björn Wegen, der bei der Erforschung oft die Speerspitze ist und mit ganz vorne arbeitet, dabei. Vertreten waren außerdem Werner Ahlers von der Bezirksregierung in Arnsberg, zuständig für Natur, Landschaft und Fischerei, von der Unteren Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises Friedrich-Wilhelm Korspeter und Klaus-Peter Schätzermann, der städtische Beigeordnete Olaf Stelse sowie Hans-Herbert Mönnig, der in seinem Iserlohner Verlag das Buch gedruckt und herausgegeben hat. Sie alle waren zu Gast bei Peter Feltens, dem Eigentümer des Hülloch-Areals und Initiator der Erforschung der Kiersper Höhle. Er hat sich über Jahre privat stark engagiert, um Licht in das Dunkel rund um das Hülloch zu bringen, und erinnert daran, dass aus Archivmaterial hervorgeht, dass im 30-jährigen Krieg die Landbevölkerung in der Höhle Zuflucht gesucht hat. Auch Hänisch lässt keinen Zweifel, dass gerade die archäologische Aufarbeitung neben den anderen Fakultäten in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird.

Feltens betont die ortshistorische Bedeutung des Hüllochs. Er freut sich, dass auch die Bevölkerung viel Anteil an der Höhlenerforschung nimmt und sogar bereits einige Kiersper zum Forschungsteam gestoßen sind.

Der erschienene Arbeitsbericht gliedert sich in die Abschnitte I. Einführung zum Forschungsgegenstand Hülloch, II. Historische Fakten und Fiktionen, III. Die Wiederaufbewältigung sowie IV. Übersicht, Aussicht, Quellenzusammenfassung. Beschrieben werden die vergeblichen Versuche und Teilerfolge von 1995 bis 1999 und 2008 sowie dann detailliert die Ergebnisse und der Verlauf der neuesten Hülloch-Forschung. Wie die Haupthöhle verortet wurde, dann der Hauptgang gefunden, dessen Vermessung über und unter Tage stattfand, die historischen Karten und Zeichnungen von 1840 bis 1925 zugeordnet wurden sowie dann die aktuelle Karte erstellt wurde, ist genau geschildert. Auch die geologische Karte von 1923 ist ein Thema sowie die Färbeversuche des Brunnenwassers von 1925 und die Quellverortung. Dokumentiert sind die Vorkommen an Höhlentieren, die Hydrologie und das Höhlenklima, die Artenliste nach Griepenburg ist aufgeführt, die Mykologie mit Pilzprobennahme und die Fundbeschreibung.

Erste seltene Tierarten oder deren Spuren sind schon gesichtet worden wie Fledermäuse, Amphibien Krebse und Würmer. Es wird allerdings noch auf weitere Entdeckungen gehofft. Bislang sind 130 Meter der Höhle erforscht, wie viele Meter noch im Verborgenen vor den Forschern liegen, darauf sind sie selbst gespannt. Herausragende Bedeutung hat das Hülloch auch gerade aus wissenschaftlichen Gründen und wegen des Naturschutzes als Lebensraum für die dort vorkommende seltene Fauna und Flora. Es zog bereits internationales Interesse auf sich.

Ergänzend zum schriftlichen Teil sind in dem Buch viele Bilder und Skizzen sowie natürlich auch die aktuelle Karte zu finden.

Rolf Haase

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare