Im Jugendstrafrecht berät Schöffin am Gericht mit

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Monika Baukloh ist seit zwei Wahlperioden Schöffin. Für sie läuft diese Tätigkeit daher in diesem Jahr aus. ▪

KIERSPE ▪ Als die Jugendlichen wegen der Brandstiftung an der Dreifachsporthalle am Felderhof vor Gericht standen, war Monika Baukloh als Schöffin dabei. Das war für sie natürlich spannend, denn sie kannte den Fall bis dato nur aus der Zeitung und sah ihn beim Schöffengericht Lüdenscheid jetzt einmal aus einer ganz anderen Perspektive. Damals war der Haupttäter wegen fahrlässiger Brandstiftung verurteilt worden, dem Strafrechts- folgte außerdem noch ein Zivilgerichtsverfahren. Immerhin ging es um einen Schaden von rund drei Millionen Euro.

In der Regel komme ein Schöffe absolut unvoreingenommen in die Verhandlung und erfahre erst dort, um wen es geht und welche Straftaten ihm vorgeworfen werden. „Man darf kein Vorwissen haben und bekommt daher auch keine Akteneinsicht“, so Baukloh. Erst vor Gericht höre man sich die Tatvorwürfe an und erlebe, was die Beschuldigten und die Zeugen dazu sagen und wie die Anklage der Staatsanwaltschaft laute. Bei der Entscheidungsfindung stehe in der Jugendrechtsprechung der erzieherische Geanke im Vordergrund. Es müsse überlegt werden, was sinnvoll ist für den jungen Menschen, damit er daraus lernt, und zudem müsste ihm Hilfen an die Hand gegeben werden, so dass er wieder auf den richtigen Weg zurückfindet. „Die Gratwanderung ist dabei, dass man natürlich auch den Opfern gerecht werden muss“, merkt sie an.

Schöffin zu sein, ist aus Sicht von Monika Baukloh eine hochinteressante Tätigkeit, die sie nun schon im zehnten Jahr ausübt. Mehr als zwei Wahlperioden sind aber nicht möglich, so dass für die 34-jährige in diesem Jahr Schluss ist. „Ich hatte damals in der Zeitung gelesen, dass Schöffen gesucht werden und mich daraufhin gemeldet. Das war beim Märkischen Kreis“, erzählt sie. Seit 2004 war sie dann am Jugendschöffengericht Lüdenscheid, wo es durchschnittlich ein- bis zweimal im Monat eine Verhandlung gab. Seit 2009 saß sie in der Jugendstrafkammer des Landgerichtes Hagen. „Dort hatte ich weniger Prozesse, die dann aber meist über mehrere Tage. Es waren vielleicht zwei im Jahr“, erinnert sich Baukloh. Der spektakulärste Fall für sie beim Landgericht war ein Überfall auf einen Discounter, bei dem die Täter einen Mitarbeiter so schwer zusammengeschlagen hatten, dass dieser aufgrund der Verletzungsfolgen später nicht mehr arbeiten konnte. Ihr letzter Fall war im vergangenen Jahr ein Pädophiler, der sich ständig entkleidete. „Es ging um die schwere Entscheidung, ob er in eine Therapie oder Sicherheitsverwahrung geschickt werden sollte“, erinnert sich die 34-Jährige.

Bundesweit sind im ersten Halbjahr jetzt wieder die Schöffen und Jugendschöffen für die Amtszeit von 2014 bis 2018 zu bestimmen. Gesucht werden in Kierspe insgesamt sieben Frauen und Männer, die am Amtsgericht Lüdenscheid und Landgericht Hagen als Vertreter des Volkes an der Rechtsprechung in Strafsachen teilnehmen. Die Stadt muss doppelt so viele Kandidaten, wie an Schöffen benötigt werden, dem Schöffenwahlausschuss beim Amtsgericht Meinerzhagen vorschlagen, der in der zweiten Jahreshälfte aus diesen Vorschlägen die Haupt- und Hilfsschöffen wählen wird. Gesucht werden Bewerber, die in der Gemeinde wohnen und 2014 zwischen 25 und 69 Jahre alt sind. Wer Interesse an dieser Tätigkeit hat, sollte sich bis zum 19. April im Rathaus melden.

Monika Baukloh kann Interessierten nur empfehlen sich zu melden. „Es ist interessant, vor Gericht einmal die andere Seite kennenzulernen“, betont sie.

Rolf Haase

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