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Leerstand in Kierspe hat viele Väter 

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Von: Fabian Paffendorf

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Wie aus der Zeit gefallen: Seit 2012 und der Insolvenz der Kette steht das Ladenlokal von Schlecker an der Friedrich-Ebert-Straße leer.
Wie aus der Zeit gefallen: Seit 2012 und der Insolvenz der Kette steht das Ladenlokal von Schlecker an der Friedrich-Ebert-Straße leer. © Göran Isleib

Verändertes Freizeit- und Konsumverhalten haben in Kierspe unübersehbar ihre Spuren hinterlassen. Nicht erst infolge von Corona und Lockdowns ist im Stadtbild ein signifikanter Lochfraß des Gastronomie- und Einzelhandelsangebots feststellbar. Davon zeugen zahlreiche verwaiste Ladenlokale und Gewerbeflächen, die sich zwischen Kierspe-Bahnhof und Kierspe-Dorf, wie auf einer Perlenkette aufgezogen, aneinanderreihen.

Kierspe – Wenn im direkten Umfeld von Leerständen, sich immer weitere ergeben, die Attraktivität eines Standortes unter den Auswirkungen einer verwahrlosten Fläche leidet und ein Domino-Effekt eintritt, dann redet der Stadtplaner vom Trading-Down-Effekt. Diesen Symptomen der innerstädtischen Verödung von Kölner Straße bis Friedrich-Ebert-Straße erfolgreich mit entsprechenden Maßnahmen zu begegnen, war in der Vergangenheit kaum realisierbar. „Dieser Entwicklung engegenzusteuern, hat sich als sehr, sehr schwierig erwiesen“, sagt Dagmar Schröder-Becker, Vorsitzende des Stadtmarketingvereins Kierspe. Und dies, obwohl man vereinzelt Impulse gesetzt hatte, die als Hoffnungsträger für eine mögliche Trendwende hätten ein Anfang sein können.

„Zwei sogenannte Pop-Up-Stores gab es an der unteren Kölner Straße in Nähe des Eisenbahn-Viadukts, aber die waren leider nur recht kurzlebig“, sagt Schröder-Becker. Die entsprechenden Ladenlokale, temporär und zu kleinen Mieten angeboten, hätten leider nicht die Gewerbetreibenden dazu bringen können, sich längerfristig an die Standorte zu binden. Eine der Mieterinnen habe ihre Fläche zur Warenpräsentation genutzt, während hingegen in dem anderen Ladenlokal ein sogenannter Unverpacktladen seine Zelte aufgeschlagen hatte. „Das Konzept an sich war super, aber es scheiterte dann daran, dass sich in Kierspe einfach keine Kundenklientel für so einen Laden gefunden hatte“, bedauert Dagmar Schröder-Becker das Aus für den Shop. Und so blieb es eben beim Versuch.

Potenzielle Mieter würden abgeschreckt

Warum längerfristige Ansiedlungen von Fachhändlern scheitern würden, habe eine Vielzahl von Ursachen. Natürlich hätten sich Freizeit- und Konsumverhalten geändert, aber auch die veränderte Kaufkraft vor Ort habe Einfluss. „Natürlich sind in jüngerer Zeit immer wieder junge Familien nach Kierspe gezogen, aber dass die auch eine neue Qualität in Sachen Kaufkraft mit nach Kierspe gebracht hätten, kann man pauschal nicht behaupten.

Es ist doch nun mal so, dass Menschen, die gebaut haben, ihre Kredite bedienen müssen und die Familie ernähren, jetzt weitaus weniger konsumfreudig sind“, sagt die Stadtmarketingvorsitzende. Auf der anderen Seite würden die Kiersper entweder zum Einkaufen nach Lüdenscheid oder in den Kölner Raum fahren, was es schwer mache für stationäre Händler vor Ort Kunden zu binden.

„Auf potenzielle Mieter für die Ladenlokale an der Kölner Straße wirkt auch die gegenwärtige Situation mit dem umgeleiteten Verkehr aufgrund der gesperrten Rahmedetalbrücke abschreckend“, meint Dagmar Schröder-Becker. Das würde sich künftig noch weiter zuspitzen, wenn die Politik mit dem Vorhaben ein neues Viadukt zu schaffen, vorankäme. Was aus verkehrspolitischer Sicht Sinn mache, verliefe konträr zu den Interessen des Handels – sofern der sich an der Kölner Straße je wieder dauerhaft ansiedeln würde. Vonseiten des Stadtmarketingvereins könne man in Anbetracht der Möglichkeiten Verschönerungsmaßnahmen der Stadt realisieren, das Umfeld attraktiver gestalten, aber ohne dass sich die anderen, notwendigen Akteure bewegten, sei ein Vorwärtskommen bei der Wiederbelebung des stationären Handels kaum möglich.

„Für die Immobilienbesitzer selbst ist die Crux ja auch, dass mitunter kostspielige Renovierungen der Häuser notwendig wären, um die Handelsflächen neu zu vermieten. Natürlich scheuen viele in der heutigen Zeit so ein Risiko, weil das kein Garant für eine folgende, längerfristige Vermietung ist“, meint Schröder-Becker. Viele Faktoren, die ineinander spielten, verhinderten die Reaktivierung des Handels.

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