50 Jahre Kiersper Stadtrecht

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Zeitungsausschnitt der Meinerzhagener Zeitung vom 11. Juli 1969. Am Tag zuvor hatte Minister Willi Weyer im Rahmen der Ratssitzung die Stadtrechte-Urkunde überreicht.

Kierspe - Sie fiel in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen: Die Ratssitzung am 10. Juli 1969 begann um 11.30 Uhr, fand im evangelischen Gemeindehaus an der Fritz-Linde-Straße (heute Bürgerzentrum Hand in Hand) statt, zählte 120 Gäste – darunter auch der damalige NRW-Innenminister Willi Weyer.

Innenminister Weyer war zuvor mit einem Hubschrauber aus Düsseldorf gekommen und auf dem Sportplatz Haunerbusch gelandet – im Gepäck hatte er die Urkunde, mit der sich die Gemeinde Kierspe ab sofort Stadt nennen durfte. Bevor er diese im Rahmen der Festsitzung überreichte, besichtigte der Innenminister die Gesamtschule, das Schwimmbad und die Sporthalle, ist im Protokoll der Ratssitzung nachzulesen.

Ebenso, dass zu den Gästen auch Vertreter des Landkreises Lüdenscheid, der Nachbarstädte Meinerzhagen, Halver sowie Lüdenscheid, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, des Einzelhandelsverbandes, der Kreishandwerkerschaft, der Kreisbauernschaft, der Kirche, der Polizei, der Postämter, des Heimatvereins, des Stadtsportverbandes, der Banken, der Schulen, der Feuerwehr und die heimischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten zählten.

Innenminister Willi Weyer überreichte vor 50 Jahren diese Urkunde an die Kiersper.

Geleitet wurde die Festsitzung – in der Wolfgang Barthold, der nun Stadtdirektor war, über die Entwicklung des Amtes Kiersper berichtete – vom damaligen Bürgermeister Helmut Lemmer. Die Festansprache hielt vor einem halben Jahrhundert natürlich Innenminister Willi Weyer. Er verwies darauf, dass durch die vollzogene Raumordnung in Nordrhein-Westfalen von 2500 Gemeinden nur 1400 bestehen geblieben seien.

Ziel sei es, die Zahl weiter auf 500 zu reduzieren. Vorausgegangen war im Jahr zuvor die gesetzliche Neugliederung des Landkreises Altena und der Stadt Lüdenscheid, bei der unter Paragraf 7 die Eingliederung von Rönsahl in die Gemeinde Kierspe festgelegt wurde.

Ebenso die Auflösung des Amtes Kierspe: „Rechtsnachfolgerin ist die Gemeinde Kierspe, sie erhält die Bezeichnung Stadt“. Zudem wurden bei dieser Raumneuordnung einige Flurstücke aus der Gemeinde Lüdenscheid-Land in die Gemeinde Kierspe eingegliedert – die Fläche der neuen Stadt wurde also ein wenig größer.

Leistungen Kierspes persönlich bekannt

Weyer betonte aber auch, „dass ihm die Leistungen der Stadt Kierspe persönlich bekannt sind. Auf der Suche nach den besten Bildungsmöglichkeiten für die Jugend sei die Stadt Kierspe vielleicht ein Meilenstein für die Zukunft“, ist in der Niederschrift zu lesen.

Zudem riet der Innenminister, sich wegen der Finanzierungssorgen für die Gesamtschule – die bekanntlich im selben Jahr ins Leben gerufen wurde – an sein Ministerium zu wenden, „damit eventuell aufkommende Schwierigkeiten in guter westfälischer Freundschaft bereinigt werden können.“

Mit Glückwünschen und einem „Glückauf“ übergab Willi Weyer dann die Urkunde an Bürgermeister Helmut Lemmer. Musikalisch umrahmt worden war die Festsitzung vom Philharmonischen Orchester Dortmund. Glückwünsche und Grußworte gab es auch von Landrat Heinz Chmill, den Vertretern der Nachbarstädte und – bei einem Mittagessen im Haus Wildenkuhlen – vom Vize-Präsidenten der SIHK, Hansmartin Hoffmeister und dem Bundestagsabgeordneten Dr. Manfred Luda. Am 10. Juli dieses Jahres jährt sich die Verleihung der Stadtrechte an Kierspe – an diesem Tag wird es anlässlich des Jubiläums wieder eine Festsitzung geben.

Stadtrechte-Urkunde

Der Text der Urkunde im Wortlaut: Die Gemeinde Kierspe im Landkreis Lüdenscheid mit der die Gemeinde Rönsahl durch das vom Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen beschlossene Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Altena und der kreisfreien Stadt Lüdenscheid vom 18. Dezember 1968, verkündet im Gesetz- und Verordnungsblatt vom 20. Dezember 1968, vereinigt wurde, hat durch dieses Gesetz die Bezeichnung „Stadt“ erhalten. / Düsseldorf im Juli 1969 / Der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen.

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