Neue Hausärztin für Kierspe

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Inna Mityushkin will am Haunerbusch die Nachfolge von Johann Günther antreten. Derzeit bereitet sie sich in der Praxis des Meinerzhagener Arztes Dr. Holger Reimann auf ihre Prüfung zur Allgemeinmedizinerin vor.

Kierspe - Keine Frage: Inna Mityushkin ist dieser Tage eine gefragte Frau. Denn sie hat sich zu etwas entschieden, das mittlerweile auf der Roten Liste der Berufe zu stehen scheint: Die 41-Jährige will als Hausärztin praktizieren. Allen Anstrengungen, die damit verbunden sind, zum Trotz.

Im Herbst, so der aktuelle Plan, will Mityushkin ihre Abschlussprüfung zur anerkannten Allgemeinmedizinerin ablegen und die Praxis von Johann Günther am Haunerbusch übernehmen. „Wenn es gut läuft, könnte ich die Praxis spätestens zwei Monate nach der Prüfung eröffnen“, sagt die gebürtige Ukrainerin, die dafür auf die Mithilfe der Kassenärztlichen Vereinigung zählen könne. Von dort erhalte sie große Unterstützung. „Wenn ich die Prüfung erfolgreich abgelegt habe, soll ich mit den Unterlagen sofort nach Dortmund kommen, um die organisatorischen Dinge zur Praxisübernahme zu klären. 

Man merkt, dass diese Region bei der KV als Notfallgebiet geführt wird“, freut sich Mityushkin über diese Resonanz. Es mangelt an Allgemeinmedizinern Warum die Hilfestellung so groß ist, verdeutlicht eine erschreckende Zahl: Sechs Allgemeinmediziner würden in Kierspe und Meinerzhagen derzeit fehlen, sagt die angehende Hausärztin, die einräumt, über Umwege den Weg in die Allgemeinmedizin eingeschlagen zu haben. 

Hinter der zweifachen Mutter liegt eine lange Zeit der Aus- und Weiterbildung, die bereits vor dem Jahr 2003 mit ihrem Medizinstudium in der Ukraine begann. Durch ihren Ehemann kam sie dann nach Deutschland – doch der Wunsch nach einer Ärztelaufbahn erhielt hier einen Dämpfer. „Es gab damals just ein neues Gesetz, dass keine Arztausbildung aus dem Ausland mehr ohne Weiteres gültig ist“, erinnert sich Mityushkin. Und so musste sie nach sämtlichen Sprachkursen bis zur höchsten Stufe (C2) schließlich im Jahr 2007 – nach der Geburt ihrer beiden Kinder – eine sogenannte Gleichwertigkeitsprüfung ablegen. Zunächst in der Chirurgie tätig Zunächst jedoch als Chirurgin. Denn diese Fachrichtung hatte sie studiert und nicht ohne Grund gewählt. „Ich mag es, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Ich mag es aber auch, handwerklich etwas zu tun – wie bei der Chirurgie“, sagt Inna Mityushkin. Sie fand eine Anstellung im St. Vinzenz-Krankenhaus in Altena, das sie nach dessen Insolvenz jedoch verlassen musste. 

Vor zwei Jahren stand sie vor dem Scheideweg: „Ich musste wählen: Weiter im Krankenhaus oder eine eigene Praxis?“ Sie entschied sich für die Praxis – und zwar nicht mit der Fachrichtung Chirurgie („äußerst schwierig“), sondern Allgemeinmedizin. Doch auch dafür waren weitere Bildungswege nötig: Neben drei Modulen für Allgemeinmedizin und einem für Psychosomatik durchläuft sie seit Oktober 2016 eine zweijährige Praxiszeit, die sie nach 16 Monaten in Herscheid nun in die Praxis von Dr. Holger Reimann in Meinerzhagen führte. Dort bereitet sich Mityushkin, die obendrein als Notärztin im ganzen Kreis unterwegs ist, auf ihre Prüfung vor. Und so liegt ein langer, steiniger Weg hinter der Medizinerin, der sich am Ende aber lohnen soll: für sie, aber auch für die Kiersper Patienten.

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