Bahnhof 3und90 - mehr als Billard und Kicker im Loft

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Susanne Sattler, Leiterin der offenen Jugendarbeit in Kierspe, ist froh, dass mit dem Bahnhof 3und90 eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche im Stadtteil Bahnhof geschaffen wurde. Mit im Bild (von links): Jenny, Kevin und Justin.

Kierspe -  Die ehemalige Industriekulisse wirkt heute fast wie eine Loftwohnung aus einem Magazin: weiß getünchte, fast vier Meter hohe, Backsteinwände, gemütliche Zweisitzer mit grün-weißen Blockstreifen oder roten Punkten, eine kleine Theke mit Barhockern, ein großer Tisch zum Malen oder Handarbeiten, ein Billard- und ein Kickertisch.

Von Petra Schüller

Vor zweieinhalb Jahren wurde hier eine Einrichtung ins Leben gerufen, für die sich die Akteure des Pädagogischen Arbeitskreises Jugendzentrum zusammen mit Mitgliedern der Freien evangelischen Gemeinde jahrelang eingesetzt hatten: der Jugendtreff Bahnhof 3und90 – ein gemeinsames Projekt von beiden Institutionen.

„Es gab damals keine Angebote für Kinder und Jugendliche im Stadtteil Bahnhof“, berichtet Susanne Sattler, Leiterin der offenen Jugendarbeit in Kierspe. Als zudem während des Projektes „Anpacken“ zur Unterstützung von straffällig gewordenen Jugendlichen auffiel, dass ein erhöhter Prozentsatz von ihnen aus dem Bereich Bahnhof kam, war die Sache klar: es musste etwas geschehen.

Die Beteiligung der FeG habe es auch ermöglicht, an Fördertöpfe zu kommen, die städtischen Einrichtungen, wie dem Jugendzentrum meist verschlossen blieben, erzählt Sattler. „Die Gelder fließen natürlich zunächst an die Einrichtungen mit den geringsten Mitteln.“ Auch Spendengelder heimischer Unternehmen halfen, das Zentrum zu dem zu machen, was es heute ist.

Wenn Susanne Sattler einen Blick in die Besuchsliste wirft, sieht sie jedoch noch deutlichen Spielraum nach oben. Seit der Eröffnung im September 2012 seien insgesamt rund 230 Kinder und Jugendliche dagewesen, berichtet sie. Auch wenn die Zahl zunächst sehr positiv klingt, bleibt sie derzeit noch hinter den Erwartungen zurück. „Ein Teil der Jugendlichen war bei einzelnen Veranstaltungen hier und ist nicht regelmäßig zu Gast“, erklärt Sattler. „Wir erhoffen uns für die Zukunft eine etwas größere Resonanz.“ Im Schnitt besuchten pro Woche 30 bis 40 junge Leute die Einrichtung. „Daher wollen wir nun verstärkt den Kontakt zu den Grundschulen suchen. Ich könnte mir vorstellen, dass einzelne Klassen einfach mal mit ihren Lehrern zu Besuch kommen und die Einrichtung kennenlernen“, sieht Sattler Möglichkeiten, den Jugendtreff noch etwas bekannter zu machen. Auch die versteckte Lage des Eingangs auf der Rückseite des ehemaligen Helit-Gebäudes an der Kölner Straße 112 habe dazu beigetragen, dass das neue Angebot nicht so schnell im Bewusstsein der Jugendlichen war, wie erhofft.

Das Programm des Jugendtreffs ist bunt und wird flexibel auf die Wünsche der Teilnehmer abgestimmt. Montags ist Streetworkerin Sibylle Wiehle vor Ort, dann werden in der „Kocharena“ leckere Gerichte kreiert. Donnerstags können die Kinder und Jugendlichen mit Susanne Sattler filzen, basteln oder ihrer Kreativität in anderer Hinsicht freien Lauf lassen. Mittwochs und donnerstags übernehmen die ehrenamtlichen Helfer der FeG Markus und Claudia Kufeld sowie Tim Rosenthal die Betreuung. Auch Mittwochs wird oft kräftig in den Kochtöpfen gerührt oder Pizza gebacken. Besondere Highlights sind für die Jugendlichen natürlich Playstation, Billard, Kicker oder Airhockey. Der Treff ist an den genannten Tagen von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Die sechs- bis zwölfjährigen Kinder dürfen bis 18 Uhr bleiben. Die jungen Gäste werden auch in Sachen Berufswahl und Bewerbung unterstützt.

„Wir versuchen, gemeinsam Stärken und Interessen herauszuarbeiten, geben Tipps zu den Bewerbungsunterlagen – und manchmal fahren wir die Jugendlichen sogar zu einem Vorstellungsgespräch“, erzählt Susanne Sattler.

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