Kiersper Fesselkünstler lädt zum Bondage-Picknick ein

Der Kiersper Ingo Danesch hat sein Hobby, das Bondage, zum Beruf gemacht. Am Sonntag lädt er Interessierte zu einem öffentlichen Veranstaltung im Grünen ein, um seine fesselnde Kunst kennenzulernen oder selbst auszuprobieren.  Foto: Meyer

Kierspe - „Fesseln macht frei und führt in eine Art Trancezustand“ – für Außenstehende ist diese Aussage sicherlich befremdlich und ein Gegensatz. Für den Kiersper Ingo Danesch spiegelt sie eine Lebensart wieder. Er hat sein Hobby Bondage zum Beruf gemacht. „Eine extrem feste Fesselung gibt ein Gefühl von Geborgenheit“, sagt der 57-Jährige, der seine Fesselkunst nicht im stillen Kämmerlein, sondern in der Öffentlichkeit stattfinden lässt.

Von Martin Meyer

Beim Bondage – eine Fesselkunst der alten japanischen Samurai – gehe es in erster Linie nicht um Nacktheit und Sexualität. Vielmehr sei es eine Kunstform mit vielen unterschiedlichen Spielarten. Dabei werden Menschen bis zu völligen Bewegungsunfähigkeit mit Hanf- und Juteseilen gefesselt. Ob am Boden, in der Luft oder mit einem sogenannten Schmuckbondage – der Fantasie des Fesselnden sei dabei fast keine Grenzen gesetzt. „Das ist kein Fetisch. Für mich steht die Schönheit eines gefesselten Körpers im Vordergrund“, sagt Ingo Danesch.

Der gebürtige Schwelmer wohnt seit Oktober vergangenen Jahres in Kierspe. Mit seiner Leidenschaft ist er im Ort aber nicht alleine. „Es gibt hier noch andere, die Bondage betreiben, aber nicht öffentlich“, verrät er. Der gelernte Kaufmann und Masseur hat vor rund fünf Jahren sein Faible für „Fesselspiele“ entdeckt und betreibt sein Hobby seit dreieinhalb Jahren hauptberuflich. Für Interessierte hält Danesch Workshops ab und hat diese Tätigkeit sogar in Kierspe als Gewerbe angemeldet. Zudem führt er Bondage-Sessions in Szene- und Swingerclubs sowie Fotoshootings durch. „In der Stadt weiß jeder, was wir machen. Doch abgelehnt wurden wir noch nicht“, meint der Fessel-Profi.

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin oder anderen Hobbymodellen versteckt er seine Knotenkunst nicht in den eigenen vier Wänden. Ob am See, im Wald oder am Strand – in der Natur findet Ingo Danesch immer einen Ort, an dem er seine Kunst stattfinden lassen kann. „Es kommen dabei immer auch Spaziergänger vorbei. Viele sehen nicht hin, doch andere kommen auf uns zu und sprechen uns an. Die Welt ist so offen geworden“, freut sich Danesch.

Der Fesselkünstler möchte Bondage bekannter machen und das „befreiende Gefühl, gefesselt zu sein“, anderen vermitteln. Deshalb lädt er für kommenden Sonntag in den Park hinter der Grundschule an der Otto-Ruhe-Straße ab 11 Uhr zu einem „Bondage-Picnic“ ein. Weltweit treffen sich an diesem Tag zum vierten Mal Fessel-Freunde, um interessierten Menschen mit öffentlichen Vorführungen ihr Hobby vorzustellen – in diesem Jahr erstmals auch in Kierspe. Dabei soll sich alles im jugendfreien Rahmen bewegen. „Das Picknick ist beim Ordnungsamt angemeldet und genehmigt. Alles, was gezeigt wird, findet bekleidet und nicht anstößig statt“, versichert Ingo Danesch. 50 Bondage-Fans haben sich bereits angemeldet. Der Organisator hofft darauf, dass viele Menschen bei einem Spaziergang im Grünen bei der Veranstaltung vorbeikommen, zusehen und auch mitdiskutieren. „Das Ganze soll keinen Zoo-Charakter haben. Die Leute können auch gerne nähertreten und es selbst ausprobieren.“

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