Infos zum Welt-Aids-Tag an der Gesamtschule

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Am Glücksrad konnten die schüler ihr Wissen über Aids testen. ▪

KIERSPE ▪ „Verhütung? Ja klar, ich nehme die Pille. Kondome verderben den Spaß und ich kenne doch die Männer, mit denen ich ins Bett gehe“, erklärte eine Schülerin gestern an der Gesamtschule. Die 17-Jährige weiß genau, was sie will: Nicht schwanger werden. Angst vor Krankheiten hat sie hingegen nicht.

„Klar verwende ich Kondome, man sieht ja den Menschen nicht an, ob sie vielleicht krank sind“, entgegnet eine 16-jährige Mitschülerin. Wenn Christian Schwanke die Jugendlichen hört, weiß er, dass seine Arbeit wichtig ist. Gestern klärte der Kiersper an der Gesamtschule, anlässlich des Welt-Aids-Tages, über HIV und Verhütung auf.

„Aids ist für viele Jugendliche kein Thema mehr. Es fehlen die prominenten Beispiele. Der letzte Promi, der bekannterweise an Aids starb, war Freddie Mercury“, so Schwanke. Daher sei vielen gar nicht mehr bewusst, wie gefährlich die Krankheit ist: „Viele Jugendliche denken, Aids sei etwas, das nur Schwule betreffe.“ Zudem sei Aids etwas Unangenehmes. Über Sex zu sprechen sei nahezu normal, ergänzt seine Rönsahler Kollegin Stefanie Naumann, über Krankheiten und Verhütung werde hingegen ungerne gesprochen. Das wird auch am Infostand der Jugendzentren deutlich. Der Andrang ist groß. Der eine oder andere blättert verstohlen in Infobroschüren, andere tuscheln mit Freunden. Gerade die Mädchen scheinen zu Beginn zurückhaltender. „Wir behandeln das Thema Aids kontinuierlich im Unterricht, zudem gibt es jährlich einen Projekttag zum Thema Liebe für die Jahrgangsstufe Sieben“, erklärt Schulleiterin Monika Hahn. Ab der sechsten Klasse werden die Schüler in Kierspe aufgeklärt.

Dennoch scheinen einige Schüler unsicher zu sein: Während sich Gruppen von Schülern nahezu beschämt vom Stand abwenden, schleichen andere interessiert drum herum. „65 Prozent aller Aidserkrankungen werden in Afrika registriert, das liegt vor allem an der schlechten Aufklärung“, heißt es in einer Pressemitteilung zum Welt-Aidstag. „Aufklärung ist ein schweres Thema. Natürlich wissen die Schüler, dass sie verhüten sollen. Rein praktisch kursieren aber noch die wildesten Gerüchte“, weiß Schwanke. „Wenn der Mann aufpasst“ oder „beim ersten Mal kann nichts passieren“ seien weiter verbreitet als man denkt. Von großer Sorge vor Krankheiten sei wenig zu spüren. „Aids hat immer noch etwas verruchtes. Prostituierte haben so etwas oder thailändische Sex-Touristen, aber nicht mein Mitschüler‘ – so oder so ähnlich denken tatsächlich erschreckend viele Schüler“, erklärt Schwanke. Die Glücksradfragen konnten die meisten Schüler jedoch mühelos beantworten. „Es wird im Unterricht behandelt, das ist klar. Klar ist aber auch, dass hier die Schüler stehen und Fragen beantworten, die kein Problem haben, darüber zu reden“, so Schwanke weiter.

Wie groß der Bedarf an Informationen ist, merkte insbesondere Stefanie Naumann: „Die Broschüren, in denen alles kurz, knapp und anschaulich erklärt wird, sind besonders beliebt.“ Während die einen offen in den Heften blättern, verschwinden sie bei anderen heimlich in der Tasche. „Hauptsache die Schüler beschäftigen sich mit dem Thema, wie ist erstmal egal.“

„Also mir ist es voll peinlich hier in der Schule über so etwas zu reden, das ist doch etwas, was man vielleicht mit seinen Freundinnen bespricht“, erklärt Sarah. Jan hingegen ist da offener: „Ich finde es wichtig, über Aids zu sprechen. Ich habe jedenfalls einiges gelernt. Ich weiß zwar, dass es die Krankheit gibt, aber was sich genau dahinter verbirgt, ist mir nicht bewusst.“

Denn was die meisten Schüler nicht wussten: Aids ist nicht gleich HIV. Der Begriff Aids ist nämlich die Abkürzung für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“, also für eine erworbene Abwehrschwäche des Körpers. Diese Abwehrschwäche werde durch das Immunschwächevirus HIV (Human Immunodeficiency Virus) verursacht.

„Zwischen dem Zeitpunkt der Infektion mit dem HI-Virus können etliche Jahre liegen“, erklärt Tim. Der 15-Jährige weiß genau Bescheid: „HIV-positiv bedeutet, das Virus ist im Blut enthalten, die Person, die das Virus in sich trägt, leidet aber nicht an Symptomen.“ Erst wenn das Immunsystem so stark geschädigt sei, dass es sich gegen Krankheiten nicht mehr zur Wehr setzen könne, spreche man von Aids.

„Mir ist das eigentlich egal, wann kommt Aids denn hier überhaupt vor. Ich habe keine Angst mich zu infizieren“, so Laura. Die Zehntklässlerin verhütet dennoch: „Irgendwo müssen sich diese Millionen von Menschen ja angesteckt haben.“

Christian Schwanke ist jedenfalls zufrieden mit der Aktion: „Ich bin froh, dass ich hier einen Stand aufbauen konnte, so habe ich viele Jugendliche erreichen können.“

Am Samstag endet die Kiersper Themenwoche mit der dritten Kiersper Partynacht. Ab 19.30 Uhr trifft sich das Partyvolk im PZ der Gesamtschule.

Von Lydia Machelett

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