Von der Industrieruine zum Regionale-Projekt

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Klaus Brunsmeier freut sich über die ersten Baumaßnahmen in Kierspe-Bollwerk.

KIERSPE ▪ Endlich bewegt sich etwas an der alten Industrieruine in Kierspe-Bollwerk. Die Abrissmaschinen rückten an. Schon am Mittwoch vor einer Woche begannen die Abrissarbeiten großer Teile der ehemaligen Firma Brune, ursprünglich Metallwarenfabrik August, in Kierspe-Bollwerk.

Beauftragt wurde das Unternehmen Höngen aus Halver vom Verein Heesfelder Mühle, der im Rahmen des Regionale Projekts der Kommunen Meinerzhagen, Kierspe, Schalksmühle und Halver „Oben an der Volme – ein Fluss verbindet“ die Wasserkraftnutzung an der alten Industriebrache unter neuen gewässerökologischen Gesichtspunkten wieder aufnehmen will und einen touristischen Anlaufpunkt am Radweg an der B54 schaffen möchte.

Mit Baggern und weiterem schweren Gerät rückten die Arbeiter der Ruine zu Leibe. Danach zerkleinerten sie das Material mit schweren Maschinen zu Bauschutt. Anschließend wird das Gelände noch eingeebnet und sauber aufgearbeitet.

Das Grundstück selbst war längere Zeit im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen, nachdem es nach dem Tod des Eigentümers „ausgeschlachtet“ wurde. Dazu gehören auch die früheren Obergräben, Teichflächen, Wiesen und Abschlag- und Untergräben. Vor vier Wochen ging es für einen symbolischen Betrag an den Verein Heesfelder Mühle. Im Bereich des alten Backsteingemäuers befand sich früher unter anderem eine Galvanik. Daher vermutete der Märkische Kreis durch Schadstoffe kontaminierte Mauern und Böden. Dies bestätigten mehrere Bodenproben allerdings nicht, sodass die Abrissarbeiten beginnen konnten. Diese werden allerdings von einem Gutachter begleitet. Der Abbruch des südlichen Flügels der ehemaligen Firma war zudem auch aus anderen Sicherheitsgesichtspunkten dringend notwendig geworden. Es bestand in weiten Teilen Einsturzgefahr.

Klaus Brunsmeier, Leiter des Zentrums für Naturschutz und Kulturlandschaftspflege an der Heesfelder Mühle in Halver, nennt das Areal ein „wunderschönes Beispiel für kultur-historische Identität, gewonnen aus Wasserkraft“ in der Region. Im Rahmen der Regionale 2013 will der Verein Heesfelder Mühle das Gelände in den nächsten Jahren in einen touristischen Anlaufpunkt umgestalten. Mit dem Kauf des ehemaligen Firmengeländes ging auch das Wasserrecht an den Verein über. Nach zwei Machbarkeitsstudien über die Wiederinbetriebnahme der ökologischen Wasserkraftnutzung (Uni Siegen) und die Gebäudenutzung im ehemaligen Nordflügel (Verein Heesfelder Mühle) wurden und werden die Planungen jetzt immer konkreter.

Am Obergraben der Volme, am jetzt abgerissenen Südflügel, soll ein technisches Gebäude mit Mühlrad und einer integrierten Schmiede entstehen. Grundidee war hierbei die Sage von „Wieland dem Schmied“. Dieser soll im 13. Jahrhundert die härtesten Schwerter der Region geschmiedet haben. Im stark renovierungsbedürftigen Nordteil des Gebäudes sollen ein kleines Museum, eine Gänsehaltung und ein Café untergebracht werden. Touristisch könnte das ganze Konzept über den Volmeradweg eingebunden werden, der hier in einem Schlenker vom eigentlichen Fluß wegführt.

Die Kosten für die Bauarbeiten will der Verein natürlich nicht komplett selbst tragen, auch wenn viele Arbeiten durch Eigenleistung bewerkstelligt werden sollen. Bisher geht Klaus Brunsmeier von etwa 70 000 Euro für die schon laufenden Abbrucharbeiten und 300 000 Euro für den Neubau zur Nutzung der Wasserkraft aus.

Trotzdem merkt man Brunsmeier seine Begeisterung für das Projekt an. Optimistisch sieht der Naturschützer auch dem dritten Stern für das Regionaleprojekt im Volmetal entgegen. Interessierte lädt der Leiter der Heesfelder Mühle zu selbiger ein, denn hier kann ein schon fertiges, ähnliches Projekt in Augenschein genommen werden. In Bollwerk soll dazu ein „Strahlprojekt“ der Regionale entstehen. ▪ David Schröder

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