Schleiper Hammer war am Mühlentag geöffnet

Glühendes Eisen und viel Bakelit

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Ran an das glühende Eisen: Bernd Kluth (links) bearbeitet mit den Mitgliedern der Familie Shah das Werkstück auf dem Amboss.

Kierspe - Mit den Gästen aus Indien zum Schmieden in den Schleiper Hammer: Marcy und Reinhard Zeppenfeld nutzten gestern das Angebot im Rahmen des Deutschen Mühlentages, um die Familie Shah mit der Kiersper Industriegeschichte vertraut zu machen.

Dazu gehörte neben der Eisenbearbeitung auch die Herstellung von Eierbechern, Untersetzern und Dosen auf den alten Bakelit-Pressen im Obergeschoss des Industriedenkmals.

Zum Mühlentag konnten die Aktiven des Kiersper Heimatvereins dieses Mal nur die Anlage im Schleipetal öffnen. Das sonst noch übliche Brotbacken in der Rhadermühle musste wegen technischer Probleme gestrichen werden. Umso intensiver war von 11 Uhr an bis weit in den Nachmittag hinein der Einsatz im Schleiper Hammer.

Karl-Heinz Kraus, Bernd Kluth und Roland Hedderich hatten schon zeitig das Schmiedefeuer entfacht. Auch die Feder- und Fallhämmer sowie die Besäumschere waren einsatzbereit. Die dafür nötige Transmission kann durch die Kraft der Wasserturbine oder durch einen Elektromotor angetrieben werden.

Sehr zur Freunde von Jung und Alt war tätige Mithilfe bei der Produktion von Stiften, Haken und Nägeln gefragt. Material abkanten, im heißen Kohlefeuer erhitzen und dann das rot glühende Eisen mit schweren Hämmern auf dem Amboss formen: An diesen Aufgaben konnten sich Kinder und Erwachsene den ganzen Tag über versuchen. In der Schlosserei gab es zusätzlich eine Bandsäge, eine Universalfräsmaschine, eine Stoßmaschine, eine Langhobelmaschine sowie Stanzen und eine Drehbank zu sehen. Auf Wunsch wurde den Gästen die Technik und Arbeitsweise der Ausstellungsstücke ausführlich erklärt.

Eine Etage höher hatten Manfred Völker und Manfred Wüstermann die alten Bakelit-Pressen auf Temperatur gebracht. Die Werkzeuge wurden mit Masse befüllt. Danach konnten die Gäste die hand- oder motorbetrieben Pressen in Gang setzen und auf das Aushärten des Materials warten. Die Produkte wurden anschließend entgratet und geschliffen und konnten dann als Erinnerungsstücke mitgenommen werden.

Die Frauen des Heimatvereins kümmerten sich derweil um die Verpflegung der Besucher. Mittags gab es die beliebte Erbsensuppe. Für den Nachmittag standen Kaffee und Kuchen bereit. Das schöne Wetter lud zum Verzehr der Speisen an den Tischen im Außenbereich gleich neben dem Mühlenteich ein.

Schleiper Hammer

Der Schleiper Hammer gehört zu den Technischen Denkmälern im Märkischen Kreis. Eine erste urkundliche Erwähnung des Gebäudes stammt aus dem Jahr 1815. Die Anlage dürfte jedoch erheblich älter sein – so wurde oberhalb des Betriebsteiches die Ruine einer Eisenhütte gefunden. Die Eisenverhüttung spielte im Bereich der oberen Volme ab dem 13. Jahrhundert eine große Rolle. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden die Hammerwerke unwirtschaftlich. Ein Teil überlebte durch das Umstellen der Produktion auf die Breitewarenschmiederei. Gefertigt wurden Spaten, Schaufeln und Hacken.

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