Mit Fräsmaschine und Schalttafel auf Azubi-Fang

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Nach dem richtigen Einlegen des Werkstückes und der Auswahl des Programms reicht ein Fingerdruck, um die CNC-Fräsmaschine in Betrieb zu setzen.

Kierspe - Das Licht leuchtet, der Aufzug fährt und der Fräskopf „schneidet“ ein Herz in den Aluminiumwürfel. Die 30 Schüler können mit sich zufrieden sein. Haben sie doch die Aufgaben, die das Team des Infotrucks für sie bereithält, gelöst. Seit fast 30 Jahren informiert der Arbeitgeberverband Lüdenscheid der Metall- und Elekrtoindustrie über die Ausbildungs- und Berufschancen in dieser Branche.

„Ich kann mich gar nicht erinnern, dass es mal keine Informationsveranstaltung der Metall- und Elektroindustrie für unsere Schüler gegeben hat“, sagt Hans-Georg Englman, der als Berufskoordinator an der Gesamtschule tätig ist. Lutz Klemkow, der zum Team des Trucks gehört, kann helfen: „Seit 29 Jahren kommen Fahrzeuge aufs Schulgelände.“ Sprach man bei den früheren Fahrzeuggenerationen von Infomobilen, nennt man das neuste Gefährt – das vor zwei Jahren seine Premiere an der Kiersper Schule erlebte und rund 1,3 Millionen Euro kostet – Infotruck.

Durchaus passend, denn in dem schweren Lkw findet sich viele Informationen auf zwei Ebenen. Über einen ausgeklappten Vorbau gelangen die Schüler ins Innere. Dort lernen sie auf der unteren Ebene viel über die verschiedenen Anwendungen, die sich hinter den zahlreichen Berufsbildern der Metall- und Elektroindustrie verbergen. Sie erleben hautnah, was ein Zerspanungsmechaniker an einer CNC-Maschine zu tun hat, welchen Einfluss Schaltungen auf den Stromfluss ausüben und endecken mit Hilfe der Elektropneumatik die Vielfältigkeit des Mechatroniker-Berufs.

Im Obergeschoss gibt es an interaktiven Bildschirmen weitere Informationen zur Ausbildung, in einer virtuellen Fabrik werden alle Berufe und Anwendungen anschaulich dargestellt – und wer möchte, kann gleich vor Ort auf den mitgebrachten Tablets nach Ausbildungsbetrieben und -stellen in der Umgebung suchen.

„Bei den Gesprächen wird schnell deutlich, dass die jungen Menschen auch Spaß bei der Arbeit haben möchten. Sie fragen aber auch konkret nach den Zulassungsvoraussetzungen und wollen Informationen zu den Verdienstmöglichkeiten haben“, erklärt Ingo Hinrichsen, der mit seinem Kollegen Klemkow keine Antwort schuldig bleibt.

Unterstützung bekommen die beiden bei ihrem Job durch die hinterlegten Daten auf dem interaktiven Bildschirm. Dort steht beispielsweise, dass ein Auszubildender der Metall- und Elektroindustrie im ersten Ausbildungsjahr pro Monat 922 Euro erhält, im ersten Berufsjahr sind es dann knapp 3000 Euro. Als Vergleich wird die Arzthelferin genannt. Diese bekommt 730 Euro im Monat als Ausbildungsvergütung und ein Gehalt von 1725 Euro im ersten Berufsjahr.

Solche Vergleiche liebt die Industrie, sie spielt aber auch den Lehrern in die Hände, denen es ein Anliegen ist, das Interesse der Schülerinnen für Berufe jenseits der festgelegten Klischees zu wecken.

Das Interesse an der Veranstaltung ist jedenfalls bei den Schülerinnen groß. Englmann: „Gut die Hälfte unserer 164 Gesamtschüler, die sich in diesem Jahr zu einem Besuch des Trucks entschlossen haben, sind Mädchen.“

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