Indische Messedelegation besichtigt Firma Backhaus

Die Technik des physikalischen Schäumens MuCell ließen sich die Inder gestern Morgen an einer Maschine von Betriebsleiter Uwe Möller und Ralf Hesener, zuständig für das Engineering bei Backhaus, erläutern. - Fotos: Haase

KIERSPE - Läppen ist ein maschinelles Fertigungsverfahren zur Glättung von Oberflächen. Dabei wird ein Gemisch aus Läpp-Pulver und Flüssigkeit verwendet. Im Gegensatz zum Schleifen, bei dem das Schleifkorn fest gebunden ist, wird dabei mit einem losen, rollenden Korn gearbeitet und der Abtrag erfolgt in mehrere Richtungen. Dadurch können extrem hohe Oberflächengüten erreicht werden.

Von Rolf Haase

Neben dem verfahrenstechnischen Know-how waren es besonders handwerkliche Fragen, die die 23 Firmenvertreter aus Indien, die gestern morgen die Firma Kunststofftechnik Backhaus besuchten, interessierten.

Zu Besuch war die komplette indische Messedelegation, die zurzeit wegen der Düsseldorfer Kunststoffmesse in Deutschland ist. Der Kontakt zu Backhaus war durch Werner Schrammel vom Senior-Experten-Service in Bonn hergestellt worden. Die Gäste vom Subkontinent hatten den Wunsch geäußert, sich mehrere deutsche Unternehmen anzusehen und der SES-Vertreter hatte die Vermittlung übernommen. Backhaus wurde gestern zuerst angesteuert. Der SES, in dem Fachleute aus allen möglichen Branchen organisiert sind, ist eine Stiftung der deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. In der gemeinnützig arbeitenden Gesellschaft sind Menschen im Ruhestand aktiv und bieten die Möglichkeit, ihre Kenntnisse und ihr Wissen anderen im Ausland, aber auch in Deutschland weiterzugeben. Als ehrenamtlich tätige Senior-Experten fördern sie die Aus- und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften, leisten Hilfe zur Selbsthilfe und tragen somit zur Zukunftssicherung von Betrieben bei. Schrammel ist in dem Rahmen rund um die Globus unterwegs. Nach der Besichtigung von Backhaus reiste er mit der indischen Delegation weiter nach Bonn zur Firma Kautex, die Blasmaschinen herstellt, und dann noch zur Firma Er-WE-PA in Düsseldorf, die Extrusionsanlagen zur Herstellung von Profilen und Rohren fertigt.

Von indischer Seite aus hatten die Koordination Deepak Ballani und Dr. D.H. Raiker von der United Nations Industrial Developent Organization. Besonders interessant war der Aufenthalt in Kierspe natürlich für diejenigen indischen Firmenvertreter, die auch im Automotive-Bereich engagiert sich wie Lalit Jain vom Unternehmen Arihant Vacuum Forming, Jatin Shah und Jigan Shah von Dwarkesh Plastics, Sanju Desai von Jyoti Plastics, Sanjay Master von Intercontinental Polymer sowie Manish Dedhia vom Unternehmen Mitsu Chem. Ob daraus jetzt Geschäftsbeziehungen entstehen, bleibt abzuwarten, wird von Backhaus aber nicht ausgeschlossen. Immerhin ist Indien ein wichtiger Zukunftsmarkt.

Begrüßt wurden die Firmenvertreter von Betriebsleiter Uwe Möller. Eingangs übernahm es dann Roland Kutzehr, zuständig bei Backhaus für das Projektmanagement, das Unternehmen in Form einer Powerpointpräsentation vorzustellen, bevor es in Gruppen durch den Betrieb ging. Er erinnerte an die Gründung des Traditionsbetriebs bereits im Jahr 1925 durch Ernst Backhaus, an die Übernahme durch Schuttersveld 1990 die Namensänderung in Kendrion Backhaus 1999, die Übernahme durch Key Plastics 2004 und dann die Rückführung aus dem Konzern in einen Familienbetrieb im Mai des vergangenen Jahres durch Manfred Gante. Seitdem heiße die Firma wieder Kunststofftechnik Backhaus.

Mit rund 140 Mitarbeitern sei Backhaus im Automotive-Bereich aktiv, aber auch im Non-Automotive-Bereich und stelle auf einer Produktionsfläche von 8000 Quadratmetern Thermo- und Duroplaste her. Modernste technische Standards wie das physikalische Schäumen MuCell, 2-Komponenten oder Hybridtechnik kämen zur Anwendung, auch mit Carbonfasern werden gespritzt. Von der Entwicklung von Artikeln und ganzen Baugruppen über die Rohteilfertigung bis zur Montage passiere alles im Betrieb. Ergebnis seien immer innovative Kunststofflösungen.

Eigenentwicklungen die Kutzehr vorstellte, waren ein Luftregelungssystem und Luftführungen jeweils für Daimler. Dabei arbeiten die Backhaus-Spezialisten eng mit den Kunden zusammen sowie auch mit externen Entwicklungspartnern wie den Kunststoffinstituten Südwest und Lüdenscheid, der Fachhochschule Südwestfalen sowie mehreren Ingenieurbüros. Bei Backhaus seien Spritzmaschinen mit Schließkräften zwischen 150 und 13 000 Tonnen im Einsatz.

Die Führung in Kleingruppen übernahmen anschließend Katja Nickel und Klaus Vogel, beide vom Vertrieb, sowie Ralf Hesener vom Engineering. Die Inder schauten sich bei dem Rundgang durch die Produktion die Fertigungspalette von Backhaus an mit komplexen Artikeln im 2K-Spritzguss, Lüfterrädern, Zargen, Riemenscheiben, Gehäusen, Aufnahmen und Verkleidungen sowie diversen kompletten Baugruppen, Modulen und Systemen.

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