Kiersperin ist froh über ihren Impfschutz

Impfung mit Astrazeneca - ein Erfahrungsbericht

Wenn es nach der einstigen Impfpriorisierung gehen würde, müsste Birgitta Negel-Täuber noch auf ihr Vakzin warten: Die langjährige Mitarbeiterin der Meinerzhagener Zeitung vollendet im August doch erst ihr 62. Lebensjahr. Die Verimpfung des Astrazeneca-Impfstoffs für über 60-Jährige hat sie aber nun nach vorne rutschen lassen. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen im Lüdenscheider Impfzentrum.

Kierspe/Lüdenscheid - Freitag, 9. April, 15.45 Uhr. Der große Augenblick rückt näher – ich werde geimpft. Die Sonderaktion zur Umverteilung von Astrazeneca über Ostern hat auch mich um Wochen und Monate vorrücken lassen auf der Priorisierungsliste. Das verhindert weitergehende Überlegungen, ob ich diesen oder doch lieber jenen Impfstoff will. Ob überhaupt, ist kein Thema.

HerstellerAstrazeneca
Art des ImpfstoffesNicht replizierender viraler Vektor
ForschungsnameAZD1222 (ChAdOx1)

Impfung mit Astrazeneca - ein Erfahrungsbericht

Etwaige Befürchtungen hatte mir die Familie schon ausgetrieben, als erstmals das Thema Impfstoff öffentlich diskutiert wurde. Also gefühlt vor Ewigkeiten, genau genommen: im vergangenen Jahr.

Die Lüdenscheider Schützenhalle, in der das Impfzentrum untergebracht ist, hatte ich mir anders vorgestellt. Als Zugezogene, die am Rand des Märkischen Kreises wohnt, dachte ich immer an eine nüchterne Mehrzweckhalle. Überraschung: Tatsächlich ist die Schützenhalle ein repräsentativer Bau zwischen Neobarock und Jugendstil, der innen mit vergoldeten Kapitellen und Seitenschiffen aufwartet. Von denen ist im Moment allerdings wenig zu sehen. Transportable Wände unterteilen die Halle in Besprechungskabinen, Impfräume, Wartebereiche und ein Technikzentrum.

Mischung aus Flughafen und Straßenverkehrsamt

Ein bisschen erinnert das Ganze an eine Mischung aus zu klein geratenem Flughafen und Straßenverkehrsamt. Und wie in einem Flughafen durchzieht ein permanentes Summen die Halle. Fotografieren ist verboten. Vielleicht besteht die vorrangige Aufgabe der zahlreichen Security-Männer ja darin, dieses Verbot zu überwachen, denn vom Publikum scheint wenig Gefahr auszugehen.

Wie nicht anders zu erwarten war, dominieren die älteren Jahrgänge. Alle verhalten sich diszipliniert und ruhig, befolgen die Anweisungen der Mitarbeiter und rücken von Station zu Station langsam vor, immer wieder unterbrochen durch Schlangestehen und Ansitzen.

MZ-Autorin Birgitta Negel-Täuber hat sich mit dem Wirkstoff von Astrazeneca impfen lassen.

Das beginnt schon im Eingangsbereich: Fieber messen, Hände desinfizieren, Papiere und Versichertenkarte vorlegen. Eine alte Dame hat außerdem einen Zeitungsausschnitt mitgebracht. Als Beweismittel, denn sie hat gelesen, dass pflegende Angehörige ebenfalls geimpft werden.

Und tatsächlich: Die Presse hat korrekt berichtet. Hocherfreut zieht sie mit ihrem beeinträchtigten Begleiter weiter zur nächsten Station. Wieder Hände desinfizieren, ein kurzes Arztgespräch, warten. Diesmal dauert es etwas länger, das lässt Zeit zu Betrachtungen der Umgebung. Zum Beispiel: Warum sind die vor mir dran, die sind doch nach mir gekommen? Das Ehepaar gegenüber muss schon seit Jahrzehnten miteinander verheiratet sein, in denen sie nicht nur Ähnlichkeit, sondern auch denselben Kleidungsstil entwickelt haben.

1400 Impfungen pro Tag

Zu weiteren Überlegungen ist keine Zeit, ich werde in einen der zahlreichen Impfräume gebeten. Der geöffnete Mülleimer ist schon gut gefüllt mit Einweghandschuhen, Einwegspritzen und Pflasterresten. Auf 1400 Impfungen pro Tag sei das Impfzentrum ausgelegt, verrät die Fachkraft, die kurz nach mir den Raum betritt, aber am Vortag seien es 1850 gewesen. Sie selber greife täglich rund 150 Mal zur Spritze. Die viele Übung tut ihre Wirkung.

Den Pieks merke ich kaum, und ehe ich mich versehe, klebt ein Pflaster auf meinem Oberarm und ein neuer Aufkleber in meinem Impfpass. „Schönen Tag noch“ – und schon ist sie wieder weg, nicht ohne mich daran zu erinnern, dass ich noch etwas abwarten soll, ob nicht irgendetwas Schlimmes passiert. „Fünf bis zehn Minuten.“ Dafür gibt es einen weiteren Wartebereich.

Nach exakt acht Minuten breche ich auf. Eine Freundin hatte mir nämlich geraten möglichst viel zu trinken, das sei gut gegen die Kopfschmerzen, mit denen als Nebenwirkung sicher zu rechnen sei. Vorsichtshalber habe ich mit dem Trinken schon vor der Impfung angefangen. Wer es mir nachmachen will, sei gewarnt: Die Toiletten sind außerhalb des Impfzentrums. Ich melde mich ab, wie es sich gehört, desinfiziere zum dritten Mal innerhalb einer Stunde die Hände – das war’s. Ein bisschen müde bin ich anschließend, und am nächsten Tag spüre ich den Impfarm, ähnlich einem Muskelkater.

Und deswegen machen alle so ein Werk? Freunde, die per Sonderaktion ebenfalls vorzeitig einen Impftermin ergattert hatten, berichteten von einer unruhigen Nacht und Schüttelfrost. Wahrscheinlich habe ich einfach Glück gehabt.

Rubriklistenbild: © Matthias Bein/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare