Einstellung hat sich gewandelt

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Zu den zahlreichen verschiedenen Aufgaben zählt für Antonia Lüddemann auch das Herstellen von Gestecken – und da gibt es für die Auszubildende auch im dritten Lehrjahr hin und wieder noch einen Tipp von Chefin Petra Schürmann (rechts).

Kierspe - „Es gibt nur noch wenige, die es machen wollen“, sagt Petra Schürmann. Und: „Es gibt nicht mehr viele Ausbildungsbetriebe!“ Die Inhaberin des Blumenhauses Varnhorn in Kierspe bezieht dies auf den Beruf der Floristin und die Blumengeschäfte und Gärtnereien insbesondere im ländlichen Raum.

Gleichwohl hatte sie vor knapp drei Jahren Antonia Lüddemann, die sie von einem Praktikum her kannte, eine Ausbildung angeboten. Weil Schürmann offensichtlich erkannte, dass die heute 22-Jährige über die richtige Einstellung verfügt.

Denn die Inhaberin des Blumenhauses weiß, dass die Arbeit einer Floristin schlecht bezahlt ist und es auch ungünstige Arbeitszeiten (samstags und auch sonntags) gibt. „Da kann ich es den jungen Menschen noch nicht einmal verübeln“, sagt Petra Schürmann.

Hinzu komme, dass Supermärkte und Discounter an der Kasse Blumen-Angebote hätten. „Da kommen die Leute dann nicht mehr zu uns!“ Auf der anderen Seite würden aber die Kunden „von uns Qualität“ erwarten, ist sich Schürmann sicher, dass sie mit derartigen Supermarkt-Angeboten kaum jemanden ins Geschäft locken würden.

Aber auch wenn sich vieles im Bereich eines Blumengeschäftes verändert hat, so ist für Petra Schürmann der Beruf der Floristin eine Berufung. „Ich wollte nie etwas anderes werden“, erinnert sich Petra Schürmann noch an die Kranzbinderei vor 46 Jahren und dass sie ihren Vater schon damals oft begleitet hat.

Das galt dann auch für das Blumenhaus Varnhorn, das in diesem Jahr bereits den 55. Geburtstag feiert. Auch wenn sie keine Meisterin ist, so haben anfangs immer der Vater, der 50 Jahre in dem Beruf tätig war, und der Chef stets darauf geachtet, dass Ausbildungen ordnungsgemäß und gut abliefen.

Mittlerweile kann man, ohne Meister zu sein, einen Ausbilderschein erwerben. Doch die Zeiten hätten sich geändert: Den letzten Azubi vor Antonia Lüddemann habe es vor 15 Jahren gegeben.

Ein wesentliches Problem für den Mangel an Interessierten für den Beruf der Floristin sieht die Kiersper Geschäftsfrau in der Einstellung, was ihrer Meinung nach auch daran liegt, dass Eltern ihren Kindern heutzutage sehr viel abnehmen.

Für den Beruf an sich sei weit mehr als Kreativität notwendig. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so komplex ist“, sagt Antonia Lüddemann und verweist auf das Wissen, über das man als Floristin verfügen muss.

Das reicht vom Aufbau einer Blume über deren Pflege bis hin zu den Schädlingen, welche die Pflanzen befallen können. Darüber hinaus, so fügt Petra Schürmann hinzu, sei ein anderer wichtiger Punkt der Umgang mit den Kunden.

Man müsse einschätzen können, wie man beispielsweise mit dem jeweiligen Trauernden umgeht, ihm begegnet. „Da nimmt man den Kunden, wenn man ihn kennt, auch schon einmal in den Arm und heult eine Runde mit!“

Für Antonia Lüddemann war es eine sehr gute Übung: Ein Schaufenster des Blumenhauses Varnhorn dekorierte sie hochzeitsmäßig – für ihre praktische Abschlussprüfung hat sie sich ebenfalls für Hochzeitsdekorationen entschieden.

Ebenso müsse man schnell umschalten können, wenn zum Beispiel vorher ein Kunde da war, der bald Hochzeit feiert. Derweil hat ihre Auszubildende weiße Rosen zu einem Gesteck verarbeitet – und bekommt von der Chefin den Tipp, bei einer Rose den Stil ein wenig zu kürzen oder die andere darunter ein wenig mehr herauszuziehen.

Zweifellos alles Dinge, die Antonia Lüddemann helfen können, ihre praktische Prüfung, die bald bevorsteht, erfolgreich meistern zu können. Die 22-Jährige hat sich dabei nicht für Trauerfloristik entschieden. „Das ist ja einfach!“ Die Hochzeitsfloristik wird bei ihr das Prüfungsthema sein.

Dass sie sich intensiv damit auseinandergesetzt und vorbereitet hat, kann jeder sehen, der am Blumenhaus Varnhorn vorüber geht. Denn sie hat ein Schaufenster hochzeitsmäßig dekoriert und damit ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Sehr zum Stolz ihrer Chefin, der die Hochzeitsfloristik im Schaufenster sehr gefällt.

Für Petra Schürmann steht auch schon fest, dass sie die Auszubildende übernehmen wird. Zumal bald eine ihrer Mitarbeiterinnen in den Ruhestand gehen wird. Ob Antonia Lüddemann dann auch mit zum Großmarkt fahren wird, darüber wurde noch nicht gesprochen. Dafür müsste sie mitten in der Nacht (3 Uhr) aufstehen. Derzeit einmal in der Woche, für das Frühjahrsgeschäft dann auch zweimal.

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