Immer mehr Frauen an den Brandherd

Alle durchlaufen die gleichen Ausbildungsstufen und alle werden gleich eingesetzt.

KIERSPE ▪ Retten, Löschen, Bergen galt lange als eine Domäne der Männer. Nur selten waren Frauen in den Löschzügen anzutreffen. Bei Festen und Feierlichkeiten gerne gesehen und bei den Ehrungen ihrer Männer mit einem Blumenstrauß bedacht, waren Frauen am Einsatzort immer eine Seltenheit. Doch die Zeiten ändern sich. Und in Kierspe ändern sie sich offenbar noch ein bisschen schneller als andernorts – zumindest in diesem Punkt.

„Wir sind der Löschzug mit dem höchsten Frauenanteil im gesamten Märkischen Kreis”, erklärt Oliver Aberle nicht ohne Stolz. Er ist der stellvertretende Zugführer des Löschzuges Stadtmitte und wirbt zusammen mit Zugführer Bernd Kriesten, der aus Krankheitsgründen beim letzten Treffen nicht dabei sein konnte, kräftig um weitere Neuzugänge. Es sei ein echter Glücksfall, dass die Einheit mittlerweile von neun Frauen unterstützt werde.

„Bei uns sind sie hochgeschätzt und wir freuen uns über jede weitere, die unser Team verstärkt”, macht er deutlich. Wertschätzung – die spürten die weiblichen Einsatzkräfte sofort, als sie sich für die Arbeit im Löschzug interessierten:. „Als ich vor zehn Jahren herkam, um mir das Ganze anzusehen, bin ich sofort dabeigeblieben”, erinnert sich Nadine Hofeditz. „Ich habe mich auf Anhieb mit allen verstanden, da fiel die Entscheidung nicht schwer.” Ähnlich erging es auch Nadine Dörseln, die ebenfalls seit zehn Jahren dabei ist und mittlerweile als Ausbilderin den Feuerwehrnachwuchs fit macht.

„Der Zusammenhalt ist super. Daher macht die Arbeit unglaublich viel Spaß,” sagt sie. Die ersten Frauen traten Anfang der 80er Jahre in den Löschzug ein. „Das waren damals alles Mitglieder des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr,” erklärt Aberle. Der Anfang war gemacht. Da sich die weiblichen Neuzugänge in den Reihen der Kiersper Blauröcke wohlfühlten, folgten weitere Frauen nach.

Die Aufgeschlossenheit gegenüber weiblichen Einsatzkräften sei aber auch heute nicht überall in der Feuerwehr an der Tagesordnung weiß Aberle. Es gebe immer noch Löschzüge in anderen Städten, die keine Frauen aufnehmen wollten. „Ich kann das nicht verstehen, wir leben doch im 21. Jahrhundert”, wundert er sich über diese Haltung.

Wer glaubt, Frauen würden bei Einsätzen besonders geschont, der irrt: „Bei dem Miteinander im Zug spielt es überhaupt keine Rolle, ob du ein Mann oder eine Frau bist”, sagt Nadine Hofeditz. “Alle durchlaufen die gleichen Ausbildungsstufen und alle werden gleich eingesetzt.”

Für beide Geschlechter gilt: Wer einfach mal in die Arbeit der insgesamt 33 Feuerwehrleute des Löschzugs hineinschnuppern möchte, kann das immer montags ab 18.30 Uhr tun. Dann treffen sich die Zugmitglieder im Gerätehaus Stadtmitte an der Friedrich-Ebert-Straße und freuen sich, Interessierten einen ersten Einblick vermitteln zu können. ▪ Petra Schüller

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