"Unsere Bienen sind keine Ramschware"

Bienenzucht-Starterset bei Aldi - Imker aus MK sauer

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Mit Volldampf und voller Zuversicht erfolgreich ins neue Bienenjahr: Dieses Motto gilt auch für die Familie Pickhardt aus Rönsahl.

Der Discounter Aldi bietet ein Bienenzucht-Starterset an. Ein Imker ist darüber gar nicht glücklich.

Kierspe/Meinerzhagen - Imker sind entsetzt vom Discounter Aldi. Aldi Süd bot von Anfang März bis Mitte April online ein "4-teiliges Bienenzucht Starter-Set" an. Bienen-Experten wie Klaus Loskand vom Imkerverein Kierspe-Meinerzhagen sind entsetzt.

„Es hat immer schon die Unterscheidung zwischen Bienenhaltern und Imkern gegeben. Aber momentan scheint die Zahl der Bienenhalter immer größer zu werden. Erschrocken habe ich mich über das Angebot eines großen Discounters über ein vierteiliges Bienenzucht-Startersets, suggeriert er damit doch unterschwellig, dass die Imkerei ein Kinderspiel sei. Unsere Bienen sind keine Ramschware. Zur Imkerei gehört schon etwas mehr und vor allem die Liebe zur Kreatur und Natur. Sie ist daher nicht vorbehaltlos für jedermann geeignet.“

Arbeitsjahr für Bienen hat begonnen 

Darüber, dass sich fast zeitgleich mit dem kalendarischen Frühlingsbeginn nun in verstärktem Maße wieder neues Leben im Bienenstock regt und mit den ersten warmen Frühlingstagen nach der weitgehenden Winterruhe nun auch wieder der normale Jahreszyklus im Bienenstaat und damit das Arbeitsjahr für Bienen und Imker begonnen hat, freuen sich nicht nur die aktiven Imker des Imkervereins Kierspe-Meinerzhagen. 

Zu Beginn des Jahres 2020 verfügt der Verein über 98 Mitglieder, davon sind 86 aktive Imker, die insgesamt 560 Bienenvölker pflegen. In Kierspe und Meinerzhagen sind davon 66 Imker und Imkerinnen mit 429 Bienenvölkern beheimatet. 

Die Tatsache, dass der bereits seit 1922 bestehende Verein auch über die Grenzen der beiden Volmestädte hinaus jede Menge Anklang bei den Imkern in den Nachbarstädten und -gemeinden findet, zeugt vom entsprechenden Stellenwert, den das Hobby der Imkerei einnimmt. Vereinsvorsitzender Klaus Loskand macht sich Gedanken zum jetzt beginnenden neuen Bienenjahr und hält dabei auch nicht mit einigen kritischen Tönen hinterm Berg. 

So weiß der erfahrene Imker, dass die Honigbiene ein wärmeliebendes Insekt ist und im Frühjahr erst dann ausfliegt, wenn die Temperatur draußen mindestens zehn Grad Celsius und möglichst mehr beträgt. Je nach Standort und durch die wärmenden Sonnenstrahlen angelockt, setzt die Biene auch bei kühleren Bedingungen zum Ausflug an, aber bei Temperaturen zwischen sieben und zehn Grad Celsius verfallen die Honigbienen schnell in die sogenannte Kältestarre und finden nicht mehr den Weg zurück in den Bienenstock. 

So konnten die Imker beobachten, dass gerade in diesem wechselhaften Frühjahr etliche Bienen „auf der Strecke“ geblieben sind. Umso wohler fühlen sich die Bienen allerdings bei Temperaturen um 20 Grad, so wie sie um die Ostertage herrschten. 

Austausch von Winter- durch Sommerbienen

Bedingt durch das in diesen Tagen förmlich „explodierende“ Angebot an Frühlingsblühern, beginnend mit Korbweide und Haselnuss und anderen Sträuchern, vor allem aber zahlreichen Arten von Frühjahrsblumen in Garten und Feldbahn, tragen die Bienen bereits eifrig Pollen und Nektar ein. Allerdings befinden sie sich noch in der Zeit, die der Fachmann als sogenannte „Durchlenzung“ bezeichnet, das heißt, dass der Austausch der Winterbienen durch Sommerbienen noch nicht vollzogen ist. 

Es herrscht demzufolge ein Ungleichgewicht zwischen Bienen und Brut, das bedeutet, dass die Bienen „alle Hände“ voll zu tun haben, um ihre Brut zu pflegen. Zur Brutpflege benötigen die Bienen eine Temperatur von 35 Grad. Sie erbringen zum Beheizen ihrer „guten Stube“ absolute Energieleistungen bis hin zur totalen Erschöpfung, vergleichbar nur mit der Flugleistung der Sammelbiene. Das sollte sich der Bienenhalter, so der Rat des Fachmanns, bei seiner Begleitung des Bienenvolkes jetzt im Frühjahr immer vor Augen halten. 

Zu diesen wichtigen Tätigkeiten, so heißt es weiter, zähle nicht zuletzt auch die gerade jetzt notwendige behutsame Erweiterung des Raumangebots in der „Bienenwohnung“ sowie allerdings auch die Vermeidung des Verhonigens und Verpollens der Brutnester, Erfahrungswerte, die der erfahrene Imker gerne an junge Kollegen weitergebe. 

Ein weiteres wichtiges Thema im Frühjahr, so Loskand weiter, sei die gerade zu dieser Zeit allgemein besonders hohe Nachfrage nach Bienenvölkern, so wie sie durch Winterverluste bedingt sei oder auch durch Neueinsteiger bestehe. Deshalb gebe der Deutsche Imkerbund – und das nicht nur in Zeiten von Corona – im Frühjahr folgenden Hinweis: „Der DIB weist vorsorglich auf die Gefahren von Bienenimporten hin. Es ist hinsichtlich der Einschleppungsgefahr von Krankheiten und Parasiten äußerst fahrlässig, verantwortungslos und nicht zielführend, Bienenmaterial aus anderen Ländern nach Deutschland einzuführen. Bienenimporte beinhalten außerdem immer das Risiko, den hiesigen klimatischen Verhältnissen nicht angepasst zu sein und nicht die Ansprüche in Bezug auf Friedfertigkeit oder Sanftmut zu erfüllen.“ 

Zum Thema „Winterverluste“ heißt es: „Die Varroamilbe ist nach wie vor der Hauptverursacher für teilweise erschreckend hohe Völkerverluste. Mittlerweile allerdings sehen auch die Bieneninstitute die Einstellung mancher Imker zur Bienengesundheit kritisch.“ Der Leiter des größten deutschen Bieneninstituts in Celle wird beispielsweise mit folgender Aussage zitiert: „Die Bienengesundheit muss noch viel stärker in den Fokus geraten. Dabei ist die Zunahme an Neuimkern sehr erfreulich, aber es ist sehr bedenklich, dass einige Neuimker es als normal hinnehmen, Winterverluste zu haben, da sie über einen verlässlichen Lieferanten für neue Bienenvölker verfügen. Zahlreiche Anfragen von Imkerinnen und Imkern zeigen uns deutlich, dass es bezüglich der Krankheitsvorsorge und Bienengesundheit oft erhebliche Wissensdefizite gibt.“ 

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