Hunde und Katzen fressen auch keinen Salat

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Der 23 Jahre alte David Wecker hat eine Vorliebe für große Würgeschlangen. ▪

KIERSPE ▪ Es ist warm. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch. David Wecker öffnet eine Tür. Der 23-Jährige hebt eine umgestülpte Tonschale hoch. Darunter liegt ein glänzendes Knäuel. Ein Kopf hebt sich. Ein Königspython.

Hier im Dunkeln fühlt sich die Schlange wohl. Wie in der Natur – ähnlich wie in einer Grube – liegen sie bei feuchtwarmen Temperaturen und warten auf Fressen. Denn: Schlangen haben einen sechsten Sinn. Mit dem sogenannten Grubenorgan können sie feinste Temperaturschwankungen registrieren und so ihre warmblütige Beute aufspüren – auch bei absoluter Dunkelheit. Dieser Wärmesensor hilft ihr zu überleben. Mäuse und Ratten sind die Hauptnahrung der Königspythons. Sie fressen und dann ruhen sie – wochenlang ohne weitere Nahrung.

Angefangen hat alles mit einer Ringelnatter. Im Garten fand er das Tier. Sie faszinierte ihn und der Wunsch nach einer eigenen wuchs. „Anfänglich wollten meine Eltern nicht, dass ich eine Schlange anschaffe“, erinnert sich David Wecker. Doch der damals 14-Jährige blieb beharrlich.

Der Faszination folgte die erste Schlage. Sein Haustier, sein Hobby, seine Leidenschaft. Eine zweite folgte kurze Zeit später. David Wecker begann mit der Zucht. „Die Zucht wurde schnell zur Sucht“, sagt David. Heute, neun Jahre später, leben 104 Schlangen in einem eigens dazu eingerichteten „Hobby Haus“. Auf zwei Etagen „wohnen“ die Kriechtiere.

Zwischen Angst, Ekel und Faszination – die Tiere rufen die unterschiedlichsten Empfindungen bei Menschen hervor. Fakt ist: Ein Königspython ist nicht giftig. Er gehört zu den Riesenschlangen und fühlt sich nicht glitschig sondern trocken und sehr muskulös an. Dennoch kann er beißen. „Und das passiert immer mal wieder. Der Biss an sich ist nicht schlimm. Tut etwa so weh wie ein Kaninchenbiss. Doch die Schlangenzähne sind wie Wiederhaken – durch das Zurückziehen reißt man sich die Zähne noch tiefer in die Haut“, erzählt David Wecker, als er ein Terrarium öffnet. Darin befinden sich zwei Schlangen – zur Verpaarung. Umschlungen liegen die beiden Pythons im Inneren. Das Becken ist gekennzeichnet mit einer gelben Karte. „Grün heißt alles okay. Gelb bedeutet Paarung und rot steht für frisch gefüttert“, erklärt der gelernte Elektriker, der derzeit als Betreuer in einer Einrichtung für behinderte Menschen arbeitet.

Rot bedeutet für ihn besondere Vorsicht. Denn: David füttert überwiegend Lebendfutter. Kleine Schlangen bekommen Mäuse oder kleine Ratten, größere Schlagen bekommen Ratten oder Kaninchen. „Es kann sein, dass der Python keinen Hunger hat und die Ratte daher nicht tötet. Dann kann es sein, dass die Ratte die Schlange anknabbert. Daher muss ich hier immer aufpassen“, meint David. Grausam findet er das nicht. „Das ist doch Natur. Ich habe auch keine Skrupel, ein Steak zu essen und mal ehrlich: Hunde und Katzen fressen auch kein Obst und keinen Salat – sie ernähren sich von Fleisch.“

Um die Schlangen mit gesundem Lebendfutter zu versorgen, züchtet er nebenbei Mäuse und Ratten selbst oder kauft gelegentlich von speziellen Züchtern zu. So hat er Anfang des Jahres noch 300 Mäuse und 500 Ratten geliefert bekommen. Die leben in einem angrenzenden Haus – und versorgt werden müssen sie auch. Täglich investiert David rund eineinhalb bis zwei Stunden Arbeit in die Schlangenzucht und alles was dazu gehört: Zuchtbuch führen, Kot am Mikroskop untersuchen, Terrarien säubern und vieles mehr. Dazu kommt Zeit, die er bei der Fütterung und dem Überwachen des Ausbrütens der Eier benötigt. Außerdem besucht David Wecker inzwischen Messen, auf denen er auch seine Nachzuchten anbietet. Zudem betreibt er eine Internetseite, wo er die Tiere zum Verkauf anbietet. Dennoch ist nicht mal ansatzweise damit Geld zu verdienen: Strom- und Heizkosten, Futter und vieles mehr verschlingen Geld. „Es ist wie Zigaretten oder Alkohol – eine Sucht. Meine kostet zwar mehr, ist aber nicht so gefährlich“, meint der 23-Jährige. ▪ mc

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