Hülloch: Forscher stehen vor Entdeckung der Halle

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Der Eingang zu Hülloch 1 wurde jetzt mit einer Felseinfassung und einem Gitterrost gesichert. ▪

KIERSPE ▪ Beim Hülloch sind seit seiner Wiederöffnung Träume in Erfüllung gegangen. Zumindest ist das im Fall der Forscher der Fall, die mit dem Höhlensystem unter dem Arney ein Refugium für seltene Lebewesen wie spezielle Arten von Niphargus, dem Höhlenflohkrebs, und Höhlenwürmern gefunden haben.

Doch nicht nur in biologischer Hinsicht gab es Entdeckungen, sondern auch in hydrologischer, wie am Dienstag der Vorsitzende der Speläo-Gruppe Sauerland, Wolfgang Hänisch, informierte. Dabei bezog er sich auf die neuesten Resultate der Untersuchungen von Dr. Jürgen Pust, die zeigten dass die verschiedenen wasserführenden Ebenen im Hülloch offensichtlich in keinem Zusammenhang stehen, sondern jeweils unabhängige Wasserkreisläufe sind. „So findet sich auf der oberen Ebene leicht kalkhaltiges Wasser, auf der mittleren Ebene, auf der sich die Höhlenforscher derzeit überwiegend bewegen, Wasser ohne nennenswerten Kalkgehalt und auf der unteren Ebene sogar mit einer hohen Konzentration“, machte Hänisch aufmerksam.

Auf dem zu diesem Zeitpunkt in ein weißes Schneekleid gehüllten Areal zogen er und Grundstückseigentümer Peter Feltens, der die Erforschung des Hüllochs ermöglicht hat und weiterhin nach Kräften unterstützt, eine Bilanz zu den in diesem Jahr gelaufenen Aktivitäten. Ganz langsam erst lässt sich die Kiersper Höhle ihre Geheimnisse entreißen, langsam auch deshalb, weil die Forscher wegen des Naturschutzes nur sehr behutsam arbeiten können, um die Gegebenheiten nicht zu beeinträchtigen oder sogar zu zerstören.

Die Hülloch-Erkundung in neuerer Zeit begann 1995, als der damalige Eigentümer des Geländes, Erwin Wernscheid, noch lebte und den Forschern von der Speläo-Gruppe erstmals Zutritt gewährte. Damals allerdings standen so gut wie keine finanziellen Mittel zur Verfügung, weshalb der Zugang zum Hülloch 1 unterhalb der Felswand von Hand durch loses Erdreich und Felsgestein heruntergegraben werden musste. Es erfolgte ein bergbaumäßiger Ausbau mit Stützen und Streben aus Holz, damit wenigstens einigermaßen sicher hinabgestiegen werden konnte. „Günstig war hier, dass wir im Verein auch Bergleute haben. Doch war der Einstieg damals so gefährlich wegen des nachrutschenden Schutthangs und die manuelle Arbeit extrem mühevoll, dass wir irgendwann abbrechen mussten“, erinnert sich Hänisch. Heute sind die Forscher in dem Bereich inzwischen zwar auf Höhlenniveau und haben vier parallel nebeneinander verlaufende Gänge erkundet, konnten aber bislang nur wenige Meter in Richtung Hülloch 2 vordringen. Gerade Hülloch 1 ermöglichte hochinteressante Entdeckungen, weil hier noch seltenere Kleinstlebewesen ausgemacht wurden. Aktuell wurde in den vergangenen Monaten der Zugang mit Steinen eingefasst und durch ein Gitterrost verschlossen, so dass auch dieser nun dauerhaft zugänglich ist.

Nach dem Tod Wernscheids kam es zu einem Eigentumswechsel aus dem Erbe an Peter Feltens, der danach sofort begann, die Hülloch-Erforschung weiter voranzutreiben und dafür wieder Wolfgang Hänisch und seine Gruppe gewann.

Es kam zu einem Vertragsabschluss, mit dem letztlich alles begann: Weil das Hülloch von hohem interdisziplinären wissenschaftlichen Interesse ist, wie bereits die historischen Berichte, aber auch die neueren Begehungsversuche zeigten, flossen auch finanzielle Mittel vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union, wodurch das Projekt natürlich an Dynamik gewann. So begannen im Sommer 2009 zunächst Bohrungen, um die Hohlräume und den Verlauf der Höhle zu lokalisieren, danach kam es zu einem Baggereinsatz.

Auch mit Radarmessungen und Kameradurchfahrungen von den Bohrlöchern aus in die gefundenen Höhlenteile, versuchten die Experten Licht ins Dunkel zu bringen. Dank der Erdarbeiten mit schwerem Gerät bis in eine Tiefe von 15 Metern wurde schließlich der Zugang zum Hülloch 2 gefunden. Um den Zugang zu sichern, wurde ein 21 Meter langer Rohrtunnel verlegt, der später wieder zugeschüttet wurde. Heute ist der Hang befestigt und bepflanzt. Auch die Bühne der von der Sparkasse gesponserten Naturarena wurde dort angelegt. Hier sollen Veranstaltungen organisiert werden, die dann mit zur Finanzierung der Hülloch-Erforschung beitragen können. Ein Notausgang wurde ebenfalls geschaffen.

Die eigentliche Erforschung begann im Frühjahr 2010. Mittlerweile gibt es auch Informationen über einige ungewöhnliche Großfunde: So stammt das Skelett, das in einem Einbruchbereich auftauchte, von einem prähistorischen Hirsch und ist rund 10 000 Jahre alt. Die ungewöhnliche Tierspur im Bachbett, wo zuerst ein unbekanntes größereres Tier als Verursacher vermutet worden war, ist laut fachlicher Meinung letztlich doch nur von einem Marder hinterlassen worden. „Fledermäuse sind im Hülloch zwar nicht heimisch, doch haben einzelne die Höhle inzwischen erkundet, seit der Zugang wiedereröffnet wurde“, weiß Wolfgang Hänisch. Er kann sich aus dem Grund vorstellen, dass es im Laufe der Zeit zu einer Wiederbesiedlung kommt.

Neben den wissenschaftlichen Untersuchungen konzentrieren sich die Arbeiten der Speläo-Gruppe derzeit auf die große Halle, die Messungen zufolge nur noch wenige Meter, Hänisch schätzt etwa drei bis fünf Meter, entfernt sein kann. Doch müssen sich die Höhlenforscher bis dahin durchgraben und einen vorhandenen verlehmten Gang vorsichtig erweitern. „Wir sind jetzt schon ein paar Meter in unbekannte Bereiche vorgedrungen“, sagt der Speläo-Vorsitzende.

Die Schilderungen aus dem 19. Jahrhundert erzählen von zwei Hallen. „Die vordere kleine dürfte bei den Steinbrucharbeiten eingefallen sein, aber die hintere größere, die 80 Meter lang sein soll und 30 Meter hoch, befindet sich im intakten Bereich. Die Frage ist natürlich, was davon übrig ist. Hier sind wir wirklich kurz davor, auf sie zu stoßen“, zeigt sich Wolfgang Hänisch überzeugt. Dort werden weitere Entdeckungen in biologischer, hydrologischer sowie archäologischer und geschichtlicher Hinsicht vermutet. „Unter anderem ein Wasserreservoir und die Halle wurde von den Vorfahren immer auch begangen, so dass hier Funde zu erwarten stehen“, ist der Speläo-Vorsitzende mindestens genauso gespannt wie Peter Feltens. Wissenschaftskreise aus ganz Deutschland und sogar der Schweiz blicken voller Erwartung nach Kierspe, um dann, sobald die Entdeckung gemacht ist, loszulegen.

Näher erforscht wurde auch der Parallelgang, der von einer Kreuzung im hinteren Teil der bekannten Höhle parallel zu dem Hauptgang quasi als zweiter Hauptgang wieder zurück in Richtung Straße führt. Das deckt sich mit den historischen Berichten und Karten. So wird aus früheren Zeiten von drei Eingängen berichtet. Dieser Gang ist teilweise deutlich größer und bis zu fünf Meter breit, an einigen Stellen 1,80 Meter hoch, an anderen, weil sich Sedimente abgelagert haben, aber auch nur 30 Zentimeter. Es gibt zudem verschiedene Querklüfte.

Gehofft wird jetzt auf einen milden Winter, dann soll es im Januar weitergehen. Die Forscher haben sich spezielle Neoprenanzüge angeschafft, um in dem wasserführenden Bereich überhaupt arbeiten zu können. Geplant ist außerdem die Errichtung einer Forschungsstation, die auch für heimische Gruppen als Clubhaus dienen soll. Hierfür werden allerdings Mittel benötigt. Feltens und Hänisch wollen sich in Kürze darum kümmern. „Spendenquittungen sind von der Speläo-Gruppe, die gemeinnützig ist, kein Problem, so die Anmerkung des Vorsitzenden.

Von Rolf Haase

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