Coronavirus trifft das Gastgewerbe hart

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Hotelier Rüdiger Wirth darf momentan nur Menschen beherbergen, die Meinerzhagen aus beruflichen Gründen besuchen.

Hoteliers und Gastwirte trifft die Corona-Krise besonders hart. Warum das so ist.

Meinerzhagen/Kierspe - Dieser Branche brechen, bedingt durch die Pandemie, die Einnahmen weg. Davon weiß auch José Gamboa zu berichten. Ihn trifft es gleich doppelt hart, denn der Meinerzhagener betreibt sowohl die Gaststätte Zur Rose am Kirchplatz als auch das Hotel Bauer in Willertshagen.

„Ja, wenn diese Situation noch Monate andauern würde, wäre das für mich schon existenzbedrohend. Aber im Moment geht es noch, dank der staatlichen Hilfe und einiger Rücklagen“, erläutert Gamboa. Soforthilfe habe er allerdings lediglich einmal für das Hotel bekommen. „Für die Rose ist das aber auch beantragt“, sagt Gamboa. Der heimische Unternehmer mit portugiesischen Wurzeln hat auch in diesen schwierigen Zeiten allerdings etwas zu tun, denn zumindest Geschäftsleute darf er im Hotel noch beherbergen. Und in der Rose biete er täglich ab 17 Uhr Speisen zum Abholen an. Beide Dienstleistungen werden auch nachgefragt, allerdings beziffert Gamboa die Einnahme-Ausfälle seit Wochen auf etwa 80 bis 90 Prozent, verglichen mit den Zeiten vor Corona. Alle aktuellen Nachrichten rund um das Coronavirus im MK finden Sie hier.

Außerdem muss der Volmestädter erheblich mehr Aufwand betreiben, um seinen Hotelbetrieb überhaupt für die wenigen Geschäftsleute aufrechterhalten zu können: „Die Angestellten haben inzwischen so gut wie keinen Kontakt mehr zu den Besuchern. Die Zimmerschlüssel hängen in einem Safe an der Hauswand. Mit einem Code, der den Gästen vorher übermittelt wird, kann der Tresor geöffnet werden. Das Anmeldeformular liegt bereits auf dem Zimmer und wird dort ausgefüllt. Bei Abreise wird es von uns geholt, zum Bezahlen schicken wir dem Gast eine Rechnung nach Hause.“ Frühstücksbüfett gibt es im Hotel übrigens auch nicht mehr – das ist verboten. Gamboa: „Wir legen Lunchpakete in den Kühlschrank. Die Gäste können sich das Essen dann dort holen und in dem Raum steht auch eine Kaffeemaschine, die genutzt werden kann. Anders geht es nicht“, weiß Gamboa.

Rüdiger Wirth betreibt das gleichnamige Hotel an der Hauptstraße in Meinerzhagen. Er geht mit der Situation eher pragmatisch um: „Ich kann es ja nicht ändern.“ Grundsätzlich denke er trotz der schwierigen Situation nicht ans Aufgeben. „Vorläufig geht es weiter“, verspricht er. Was die Lage im Land angeht, ist Wirth weniger optimistisch: „Ich rechne damit, dass 50- bis 60 000 Betriebe aufgeben müssen.“ Er selbst musste seine im Hotel beschäftigten 450-Euro-Kräfte nach Hause schicken – zu tun gibt es so gut wie nichts. „Allerdings haben wir inzwischen wieder einige wenige Gäste, das sind dann Geschäftsleute“, erläutert Wirth. Büfett gibt es allerdings auch bei ihm in diesen Krisenzeiten nicht. Wie Kollege José Gamboa arbeitet auch Wirth stattdessen mit Lunchpaketen, die „kontaktlos“ übergeben werden. „Kaffee dürfen wir nicht servieren. Jetzt haben wir die Zimmer mit Kaffeekochern und Kaffeetütchen aufgerüstet“, berichtet der Hotelier. Auch er hat übrigens Soforthilfe beantragt und bekommen. Die dürfe er allerdings nur für den laufenden Hotelbetrieb verwenden und nicht etwa zur Finanzierung des eigenen Lebensunterhaltes, erklärt Wirth.

Über Platzmangel können sich die Gäste im Haus Berkenbaum nicht beschweren, denn es sind nur ganz wenige Geschäftsreisende, die in der vergangenen Wochen in dem traditionsreichen Haus in Kierspe eincheckten. „Viele Firmen verzichten derzeit darauf, Mitarbeiter auf eine Geschäftsreise zu schicken. Auf der anderen Seite vermeiden es heimische Firmen aber auch, Gäste ins eigene Haus zu lassen, zum Schutz der eigenen Mitarbeiter. Dementsprechend wenige Zimmer werden dann auch benötigt“, erklärt Christina Gerke, Junior-Chefin im Haus Berkenbaum. Auf der anderen Seite bedeutet das natürlich auch, dass keine Mitarbeiter benötigt werden, diese befinden sich in Kurzarbeit – natürlich bis auf die Auszubildenden, für die es keine solche Regelung gibt. Aber im Hotel und im geschlossenen Restaurant werden derzeit keine Azubis gebraucht – und wo nicht gekocht und übernachtet wird, können sie auch nichts lernen.

Gerke: „Die Azubis werden mit Lernmaterial von der Berufsschule versorgt. Eine Auszubildende steht derzeit vor ihrer Abschlussprüfung. Allerdings sind die Termine, genau wie der Kochwettbewerb, verschoben worden. Neuer Termine für die Abschlussprüfung sind noch nicht bekannt. Die Theorie kann die Auszubildende zu Hause üben, mit Unterstützung von uns per Telefon und Mail.“ Sehr hoffnungsvoll schaut die Junior-Chefin auch nicht in die nähere Zukunft: „Klar ist, dass die Gastronomie laut den jetzigen Regierungsplänen zu den letzten Branchen gehören wird, die den Betrieb wieder aufnehmen dürfen. Es wird uns noch nicht einmal ein Zeitpunkt in Aussicht gestellt.“ Für Gerke ist das aber unverständlich, da Hygiene auch schon vor der Coronakrise ein großes Thema in der Gastronomie gewesen sei. Christina Gerke geht davon aus, dass die ganze Branche durch die Krise nachhaltig geschädigt wird. „Die meisten Termine lassen sich nicht nahholen, wenn Ostern vorbei ist, ist auch das Ostergeschäft vorbei“, so Gerke, die sich der Forderung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes nach einem Rettungsfonds und einer Absenkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent anschließt.

Große Probleme bereitet die Krise auch Heike Schmidt und Jennifer Makowski, die gemeinsam das Hotel „Unter den Linden“ leiten. „Es gibt zwar hin und wieder einen Monteur, der hier übernachtet, aber von einer durchgängigen Belegung kann keine Rede sein“, teilt Heike Schmidt auf MZ-Anfrage mit. So hatten sich die beiden Unternehmerinnen den Start in die Selbstständigkeit nicht vorgestellt. Im vergangenen Jahr hatte der Kiersper Unternehmer Jörg Makowski das Hotel gekauft und von Grund auf renoviert, bevor er es an seine Lebensgefährtin und seine Tochter vermietete.

Schnell hatte sich herumgesprochen, dass man dort nun wieder übernachten und im großen Saal feiern kann. Schmitt: „Wir hatten Buchungen für Zimmer und Saal bis in den September hinein. Mittlerweile ist aber nahezu alles abgesagt, weil wir ja auch nicht wissen, wann wir wieder öffnen können.“ Auch sie hält weitere Staatshilfen für extrem wichtig – und freut sich, dass die „Coronahilfe“ zumindest schon mal für ihren Betrieb genehmigt wurde.

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