Holzpreis bekämpft den Borkenkäfer

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Revierförster Uwe Treff musste sich einiges einfallen lassen, um das Wild vom Verbiss und vom Fegen abzuhalten. Damit die Rehböcke ihren Bast nicht mehr an den jungen Pflanzen abscheuern, wurden Drahtstachelbäume daneben gesetzt. ▪

KIERSPE ▪ Mehr als vier Jahre ist es her, als in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 Kyrill über Kierspe hinweg fegte und Bäume umknickte wie Streichhölzer. Revierförster Uwe Treff kann sich gut an diese Nacht erinnern. Noch heute hat er mit den Folgen zu kämpfen. Aufforstungen, Folgeschäden und Schutzmaßnahmen stehen täglich auf der Tagesordnung.

„Im Vergleich zu einigen Revieren im Nordkreis hatten wir hier wirklich Glück, die Aufgabe war machbar“, zieht Treff sein Fazit. Viele Flächen seien bereits erfolgreich aufgeforstet. Doch etliche Waldbesitzer hätten sich Zeit gelassen und auf Naturverjüngung gehofft. „Die Waldbesitzer waren relativ entspannt. Alle sind anders an das Problem herangegangen“, erklärt der Förster. Die ersten hätten bereits im Herbst 2007 mit Neuanpflanzungen begonnen. „Das war so schnell möglich, da wir nicht den kompletten Wald geräumt haben. Wir haben das Stammholz heraus geholt, Äste und Wurzeln hingegen liegen gelassen.“ Dies sei vor allem aus ökologischen Gesichtspunkten geschehen.

„Die Äste verrotten schnell und bilden neuen Humus. Würde man eine Fläche komplett räumen und preußisch rein halten, würde man dem Boden wichtige, natürliche Nährstoffe entziehen, die hinterher wieder künstlich hinzugefügt werden müssten.“ Somit hätte der Waldbesitzer zwar kurzfristig Geld für die Äste bekommen, aber langfristig gesehen würde er nichts daran verdienen. „Hinzu kommt, dass nach Kyrill Astholz völlig wertlos war.“ Heute sei dies wieder etwas anderes. Holzpellets zum Heizen seien derzeit sehr gefragt, dementsprechend groß sei die Nachfrage nach Rohstoffen. „Dennoch rate ich den Waldbesitzern, sich das genau zu überlegen. Düngen ist aufwendig und kostspielig.“ Hinzu käme, dass es die natürlichste Maßnahme sei, wenn niemand im Wald aufräume.

Zufrieden sind diejenigen, die das Glück hatten, bereits kurz nach dem Orkan Pflanzen zu bekommen. Denn diese seien unter guten Bedingungen angegangen. „Das Hauptproblem war, dass die Baumschulen überhaupt nicht auf so eine Katastrophe eingestellt waren“, erklärt Treff. Daher hätten etliche Waldbesitzer Pflanzen gekauft, die eigentlich gar nicht für diese Region gedacht seien. „Natürlich sind diese Bäume angegangen, sie werden aber bald nicht mehr so gut wachsen, wie andere. Das ist der Krüppelwald von morgen, um es einmal salopp auszudrücken.“ In den Jahren 2009, 2010 sowie in diesem Jahr seien die Ausfälle hingegen hoch. Bis zu 60 Prozent der Neuanpflanzungen seien kaputt oder zumindest stark gefährdet. „Wir hatten lange Trockenperioden, aber das war nur halb so schlimm wie der Kälteeinbruch im Mai dieses Jahres.“ Die kleinen Bäume, die in den vergangenen vier Jahren gepflanzt wurden, hätten zum Teil bereits ausgetrieben, seien nun aber radikal zurückgefroren. Treff: „Das werden sie überleben, aber es wird sie in der Entwicklung zurück setzen.“

Aber es gibt auch positive Nachrichten: „Eigentlich hätten wir in diesem Jahr ein massives Käferproblem erwartet. Aber dafür hatten wir ein perfektes Mittel: Einen guten Holzpreis“, freut sich der Experte. Die große Nachfrage führe dazu, dass das Holz unmittelbar nach der Fällung abtransportiert werde, teilweise mit dem Käfer. Dennoch seien einige Gebiete betroffen: „Ärgerlich ist es dann, wenn der Waldbesitzer sich nicht darum kümmert. Im Nu sind dann nämlich auch benachbarte Bäume befallen.“

Viel Zeit müssen die Forstbesitzer in den Schutz junger Pflanzen vor Wildschäden investieren. Zunächst habe man versucht ohne besondere Maßnahmen auszukommen. Doch der Wilddruck sei zu groß gewesen. „Schlimm sind die Fegeschäden, dabei reibt sich der Bock an kleinen Pflanzen den Bast vom Gehörn und beschädigt dabei die Rinde, sodass die Wasserzufuhr nicht mehr gewährleistet ist und der Baum vertrocknet.“

Um dies zu verhindern wurden an besonders betroffenen Stellen ein Drahtstachelbäume neben die Pflanzen gesetzt. „Verletzungsgefahr für die Tiere besteht nicht. Es macht das Fegen lediglich unbequem.“ Nötig sei die Maßnahme, da die ohnehin schon stark finanziell belasteten Waldbesitzer erneut großen Schaden zu verzeichnen hätten, wie eine Rechnung des Försters verdeutlicht: „Eine Laubbaumpflanze kostet 2,50 Euro. Es werden für gewöhnlich 3000 bis 6000 Pflanzen pro Hektar gepflanzt. Da kann man sich ausrechnen, wie groß der Verlust wäre.“ ▪ Lydia Machelet

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