KuK holt Vorleseaktion in die Historische Brennerei

Der Schauspieler Folker Banik trägt am 18. November Gedichte von Robert Gernhardt vor.

KIERSPE ▪ Ulrike Erlhöfer, Vorstandsmitglied des heimischen KuK-Vereins, freut sich: „Wir haben uns beworben und sind offenbar in der weiteren heimischen Region die einzige Organisation, die zum Zug gekommen ist!“ NRW-weit gibt es im Rahmen des diesjährigen Vorlesetages 55 ausgewählte Lokalitäten, an denen bekannte Sprecherinnen und Sprecher des Westdeutschen Rundfunks am Freitag, 18. November, vorlesen werden. Die von KuK vorgeschlagene Örtlichkeit der Historischen Brennerei in Rönsahl ist darunter.

Eine Stunde lang, ab 17 Uhr, wird hier am 18. November der Schauspieler Folker Banik Lyrik ausgewählte Gedichte von Robert Gernhardt vortragen. Der Eintritt ist frei. Ulrike Erlhöfer freut sich auch, dass es nach der damals gut besuchten Lesung des auch zu ihren persönlichen Favoriten gehörenden Dichters vom Dezember 2004 im PZ der Gesamtschule Kierspe nun posthum zum zweiten Mal zu einer Begegnung mit Gernhardts heiter-ironischen Texten kommen wird. Und weil Gernhardt in seinen Gedichten immer wieder auch das Thema Trinken und Genuss aufgegriffen hat, hat Erlhöfer für die Lesung in Rönsahl auch gleich das passende Motto parat: „Es gärt – Gernhardt in der Brennerei!“

Dazu passt zum Beispiel dieser Text aus der Feder des genialen Wortakrobaten, überschrieben mit „Nichttrinklied“: „Das Schicksal hat es so gefügt, daß mir am Alkohol nichts liegt. Mich lockt nicht Bier, nicht Gin, nicht Wein Na ja, ein Wein, der darf schon sein. Mich lockt nicht Korn, nicht Bier, nicht Gin – Ist da ein Gin? Dann immer rin! Mich lockt nicht Wein, nicht Korn, nicht Bier – Da kommt ein Bier? Das nehmen wir! Mich lockt nicht Gin, nicht Wein, nicht Korn – Her mit dem Korn! Und dann von vorn...“

In der Internetenzyklopädie Wikipedia heißt es über Gernhardt (auszugsweise zitiert): „Robert Gernhardt wurde als Sohn eines Richters in Reval geboren. Die Familie Gernhardt gehörte in Estland zur Minderheit der Deutsch-Balten und musste 1939 nach Posen übersiedeln. Nach Kriegsende floh die Mutter mit den Söhnen Robert, Per und Andreas über Thüringen nach Bissendorf. 1946 kam die Familie nach Göttingen. Nach Abschluss seiner Schulausbildung 1956 studierte Gernhardt Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und der Akademie der Künste in Berlin sowie Germanistik an der FU Berlin. Seit 1964 lebte er als freiberuflicher Maler, Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller in Frankfurt am Main. Gernhardt war 1999/2000 Stipendiat am Wissenschaftskolleg Berlin und verbrachte 2006 eine Zeit als residenter Autor an der University of Warwick in England. Am 30. Juni 2006 erlag er in Frankfurt am Main einer Darmkrebserkrankung, von der er seit Juli 2002 Kenntnis hatte. Er wurde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof beigesetzt. Er gilt heute als einer der wichtigsten zeitgenössischen Dichter deutscher Sprache. Sein Werk hat sich dabei von den Nonsens-Versen und den humoristischen Formen der 1960er- und 1970er-Jahre zu einer vielseitigen Lyrik weiterentwickelt, die Gernhardt auch stets um neue Töne erweiterte. Die Erfahrungen seiner Herzoperation verarbeitete Gernhardt in dem aus 100 reimlosen Siebenzeilern bestehenden Gedichtszyklus Herz in Not. Auch über seinen Kampf mit dem Krebs ab 2002 verfasste er mehrere Gedichte, die den ersten Teil der K-Gedichte darstellen. Seit 2003 las er in der Sendung Druckfrisch in der ARD regelmäßig ein zeitkritisches Sonett. Im Wintersemester 2005/2006 hielt er als Heine-Gastprofessor dieselben Vorlesungen über Lyrik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die er fünf Jahre zuvor auch im Rahmen der Frankfurter Poetik-Vorlesungen gehalten hatte.“

Gernhardts Nachlass liegt heute übrigens in dem von dem gebürtigen Meinerzhagener Professor Dr. Ulrich Raulff geleiteten Deutschen Literaturarchiv Marbach.

WDR 5, das Infoprogramm des Westdeutschen Rundfunks, hatte aus Anlass des bundesweiten Vorlesetags am 18. November 2011 erneut seine besondere Literatur-Aktion geplant und informiert darüber so: „Wie klingt ein Alpenkrimi in der Neusser Skihalle? Oder eine Abenteurer-Story im Duisburger Casino? WDR-Sprecherinnen und Sprecher präsentieren Wunschliteratur live. Rund 200 Mails und Postkarten mit Vorschlägen haben uns erreicht. Vielen Dank an alle, die uns Ihre Ideen geschickt haben! 55 Orte haben wir schließlich ausgewählt: Wunschliteratur live können Sie etwa in der Ski-Hütte der Neusser Skihalle erleben. Dort hören Sie in kühlem Ambiente Auszüge aus dem Alpenkrimi „Fressen ihn die Raben“ von Volker Streiter. Ganz anders tickt die Welt im Casino im Duisburger City Palais. Dort bringen wir William M. Thackerays Abenteurer-Geschichte „Barry Lyndon“ zu Gehör. Und Für Kinder gibt es eine „Ritter Rost und das Gespenst“-Lesung. Welcher Ort könnte dafür passender sein als die Burg Nideggen?

Vom Kirchturm bis zum Pferdehof, vom Gewächshaus bis zur Pralinenmanufaktur - die Orte sind ausgefallen, jeder für sich mit besonderem Flair. So lesen die WDR-Sprecherinnen und -Sprecher auf einem Schulbauernhof, in einer Getreidemühle, in der Kluterthöhle, in einer alten Tankstelle, in einer Schnapsbrennerei (gemeint ist Rönsahl!) und im Cornelia-Funke-Baumhaus. In der schuleigenen Konditorei in Hennef werden beispielsweise Schokoladenspezialitäten zubereitet, während die Zuhörer Joanne Harris „Chocolat“ lauschen können.

Wie gewohnt geht es für unsere Profi-Leser auch wieder in Schulen, in Kindertagesstätten und Altenheime, in Büchereien und Cafés und auf einen Reiterhof. Einige wenige Veranstaltungen sind nur für einen ausgewählten Kreis; etwa die während der Großelternwoche in einem Kinderhospiz oder aber die Lesung in der Justizvollzugsanstalt Ossendorf.“

Nach Rönsahl schickt der WDR am 18. November den zu seinem Sprecherensemble gehörenden Schauspieler Folker Banik. Dessen Bariton-Stimme vergisst man so schnell nicht, wenn man sie gehört hat. Das Gesicht dazu ist häufig in Fernsehproduktionen zu sehen. Zuletzt spielte der 1967 in Köln geborene Schauspieler eine Rolle im Stuttgarter „Tatort“ mit dem Titel „Das erste Opfer“, der am 9. Oktober im Ersten 9,57 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockte. Auch in der preisgekrönten TV-Produktion „Frau Böhm sagt nein“ mit Senta Berger in der Hauptrolle, oder auch in Serien wie „Unser Charly“, „Dannie Lowinski“ oder „Alarm für Cobra“ wirkte Banik mit.

Infos zur Aktion im Internet unter http://www.wdr5.de/kultur-literatur/wdr-5-liest.vor.html

Von Horst vom Hofe

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