Die Krise belebt das Geschäft

Hofläden profitieren vom geänderten Einkaufsverhalten der Kunden

+
Ulrike Joest freut sich über eine steigende Anzahl an Kunden in ihrem Hofladen. In der Krise hätten die Leute wohl mehr Zeit, seien Zuhause und wären auch keinem Freizeitstress ausgesetzt, vermutet sie die Gründe hinter dem geänderten Einkaufsverhalten.

Kierspe/Meinerzhagen – Keine 30 Meter liegen zwischen dem Stall und dem Hofladen, dazwischen das Schlachthaus. Kürzer kann die Kette zwischen Tierzucht und Verkauf der Waren kaum sein – und das macht sich in der Corona-Pandemie bezahlt.

„Die Menschen kochen jetzt wieder viel mehr. Außerdem meiden viele immer noch die großen Geschäfte“, beschreibt Michaela Schriever zwei der Gründe, die für den deutlich größeren Zuspruch für den eigenen Hofladen in Vorderste Berg in Kierspe sorgen. Ein bewussterer Einkauf sei ein weiterer Grund für den „Ansturm“ auf den kleinen Laden mitten auf dem traditionsreichen Bauernhof.

Seit rund sieben Jahren gibt es nun schon den Laden, wobei die Direktvermarktung bereits viel früher begonnen hat. 1995 wurden die ersten Puten an den Kunden gebracht, 1998 begann der Bau des Schlachthauses und 2002 dann der des Hofladens.

70 Kühe stehen in den eigenen Ställen und im Sommer auf den eigenen Weiden. Aber auch Schweine, Masthähnchen, Legehennen und Puten (je nach Saison) tummeln sich auf dem Hof. Jeder, der auf den Hof kommt, kann sich selbst ein Bild von den Haltungsbedingungen machen oder erklären lassen, wie das Fleisch zubereitet wird. Fritz-Hermann Schriever, der in dem Schlachthaus selbst zu den Zerlegewerkzeugen greift, verspricht: „In unsere Wurstwaren kommen nur Einzelgewürze, Fertigmischungen haben hier nichts verloren.“

Im Laden finden sich aber längst nicht nur die Fleischwaren aus eigener Produktion, sondern auch Käse aus einer Käserei im Allgäu, selbst gemachte Marmeladen und Fruchtaufstriche, Milchprodukte vom eigenen Hof – aber auch Wein, Nudeln und Gurkenspezialitäten. Wobei auch die zugekauften Waren alle von den Erzeugern direkt kommen.

Für Schrievers ist die gestiegene Nachfrage im eigenen Laden ein großes Glück. Denn neben dem Hofladen und den Erzeugnissen des Hofes selbst sind ein großer Partyraum und ein Partyservice weitere Standbeine. Nur, mit diesen lässt sich derzeit nicht einmal hinken. Denn aufgrund der strengen Vorschriften ist an Versammlungen in dem Partyraum nicht zu denken – und wer benötigt jetzt schon einen Partyservice?

Ein paar Kilometer weiter bei Joests Hofladen in Meinerzhagen läuft die Milch auch dann, wenn keiner im Laden steht. Denn seit einiger Zeit werden Milch und Eier aus einem Automaten herausverkauft. „Auch dort merken wir, dass die Nachfrage steigt“, sagt Ulrike Joest.

„Alle sind zuhause, keiner fährt weg und es gibt auch keinen Freizeitstress. Diese gewonnene Zeit nutzen wohl jetzt viele, um bewusster einzukaufen“, nennt Joest Gründe für die Zunahme im eigenen Geschäft.

Neben den Eiern, der Milch und Milchprodukten, die vom eigenen Hof kommen, können die Kunden auch Kartoffeln, Käse, Obst und Gemüse in dem Geschäft auf dem Bauernhof erwerben. Wichtig ist der Meinerzhagener Familie, dass die Produkte, die zugekauft werden, aus der Region kommen.

Das sind die Öffnungszeiten der beiden Hofläden 

Joests Hofladen, Gräfingsholz 1 in Meinerzhagen, ist mittwochs bis freitags von 15.30 bis 18 Uhr geöffnet, freitags und samstags stehen die Türen auch zwischen 10 und 12 Uhr den Kunden offen. Zu erreichen ist das Geschäft telefonisch unter der Rufnummer 02354/4539. 

Schrievers Hofladen, Vorderste Berg1 in Kierspe, ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Eine telefonische Kontaktaufnahme ist unter 02359/2168 möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare