Höhlenretter üben im Hülloch für den Ernstfall

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In der Höhle ist es eng, kalt und dunkel. Den Einsatz unter erschwerten Bedingungen übte die Höhlenrettung der Speläo-Gruppe Sauerland im Hülloch.

Kierspe - „Pauline“ hat die Größe eines dreijährigen Kindes. Bei einer Rettungsübung der Speläo-Gruppe Sauerland kam die Puppe am Samstagmorgen im Höhlensystem Hülloch am ehemaligen Steinbruch an der Heerstraße zum Einsatz.

„Ein Kind, maximal Grundschulalter, ist in die Höhle hineingekrochen und hat dabei einen Steinschlag ausgelöst“, gab Gruppenleiter Björn Wegen das Szenario vor, mit dem die Höhlenretter der Feuerwehr Hemer die medizinische Erstversorgung eines verletzten Kindes trainierten. Wegen packte „Pauline“ etwas lieblos in einen Müllsack und platzierte sie rund fünfzig Meter vom Einstieg des Hüllochs II entfernt in der Höhle. Nach einer Vorbesprechung stiegen dann vier der sechs Höhlenretter gemeinsam in die Höhle, die nur durch ihre Helmlampen erleuchtet war.

Größte Gefahr droht durch Unterkühlung

Am Unfallort mussten die Helfer erst einmal für ihre eigene Sicherheit sorgen, sich also vor eventuellem Steinschlag schützen. Danach wurde die üblich Routine durchgeführt, die Rettungskräfte bei jedem Unfall vornehmen. „Pauline“ wurde angesprochen, beruhigt, mit einer Aluminiumdecke abgedeckt und bekam einen Zugang gelegt. „Die größte Gefahr droht durch Unterkühlung, gerade bei Kindern“, erläuterte Björn Wegen. In der Höhle betrage die Temperatur gerade einmal neun Grad, nach spätestens zwei Stunden bestehe Lebensgefahr.

Eine Höhlenrettungsgruppe in NRW 

Bei der Übung im Hülloch musste ein Kleinkind aus einem Steinschlagfeld befreit werden.

Zwölf Höhlenrettungsgruppen gibt es deutschlandweit. Die Speläo-Gruppe Sauerland, angesiedelt bei der Feuerwehr Hemer, ist die einzige in Nordrhein-Westfalen und wird als schnelle Einsatzgruppe (SEG) bei Rettungen in Höhlenbereichen und im Altbergbau angefordert. Das sei vier- bis fünfmal pro Jahr der Fall, erklärte Björn Wegen.

25 Übungen im Jahr

Der Trainingsaufwand dafür ist hoch: Die Ausbildungszeit dauert zwei bis drei Jahre, dazu kommen rund 25 Übungseinsätze im Jahr, bei denen der Ernstfall unter erschwerten Bedingungen wie verschlammten Gängen, engen Schächten und Platzangst geprobt wird. Mehrere Höhlenretter haben auch eine Ausbildung als Rettungsassistent und leisten medizinische Erstversorgung, wenn ein Notarzt den unterirdischen Unfallort nicht erreichen kann.

Nächste Grabung am 3. Oktober

Am Samstag war die Übung begrenzt, der Abtransport der verletzten „Pauline“ stand nicht auf dem Programm. Bereits in knapp drei Wochen wird die Speläo-Gruppe erneut in Kierspe sein. Am 3. Oktober wird im Hülloch wieder nach der verschütteten großen Halle gegraben.

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