Hockey, Blasmusik und Herr von Ribbeck

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„Junge, wiste ’ne Beer?“ Im Bereich Sprache und Literatur war Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland Thema. ▪

KIERSPE ▪ Kaum eine Schulveranstaltung im PZ ohne Bläserklasse. Seit einigen Jahren sind die Musiker fester Bestandteil des kulturellen Lebens an der Gesamtschule und in Kierspe – und damit machen sie auch Werbung für die Bedeutung der Schwerpunktklassen, mit denen die Schüler in den Fächern gefördert werden sollen, in denen ihre Interessen liegen.

Keimzelle des Angebots sind die Bläserklassen, die 2007 in Form eines Projekts und mit Förderung der Sparkassenstiftung entstanden. „Es waren Schüler, Eltern und Lehrer, die den Wunsch an die Schulleitung heran trugen, doch auch in anderen Bereichen solch einen Schwerpunktunterricht zu ermöglichen“, erinnert sich Schulleiterin Monika Hahn, die dann die Schwerpunktklassen gemeinsam mit der Abteilungsleiterin Sigrun Wolf und den Klassenlehrern auf den Weg brachte.

Mittlerweile können die Schüler aus sechs verschiedenen Bereichen wählen. Das sind neben der Bläserklasse Naturwissenschaften, Sport, Technik und Kunst, Sprache und Literatur sowie Europa.

Die Schüler erhalten dann neben dem normalen Unterricht, in denen diese Schwerpunkte eine Rolle spielen, eine Stunde zusätzlichen Unterricht, bei dem dann allerdings zwei Lehrer das Unterrichten übernehmen.

Lediglich die Bläser bekommen insgesamt drei zusätzliche Stunden, von denen zwei Stunden auf den Instrumental-Unterricht entfallen, der nicht nur von den Gesamtschullehrern, sondern auch von ausgesuchten Profi-Musikern erteilt wird.

„Die Schüler suchen sich drei Schwerpunkte aus, idealerweise nachdem sie mit ihren Eltern gesprochen haben, wir stellen dann die Klassen nach dieser Wahl und weiteren Kriterien zusammen“, so Wolf. Mit dem Einwirken der Lehrer bei der Zusammenstellung soll verhindert werden, dass der Bereich Sport nur von Jungen oder andere Fächer nur von extrem leistungsstarken Schülern angewählt werden.

Da sich der Unterricht in den Schwerpunkten nicht am Lehrplan orientiert, besteht bei der Themenwahl große Freiheit. So können die Schüler über Inhalte mitentscheiden, oder auch das Ziel einer Exkursion selbst festlegen.

In „Sprache und Literatur“ führte das beispielsweise dazu, dass die Kinder nicht nur das Fontane-Gedicht „Herr von Ribbeck...“ auswendig und auf sehr spezielle Weise vortrugen, sondern auch ein kleines Theaterstück spielten, in dem die sozialen Probleme auf die das Stück verweist, in deutlicher Form herausgearbeitet wurden.

Im Sport bleibt im Schwerpunkt auch Zeit, sich mit neuen Sportarten ganz anders auseinanderzusetzen. So wurde dort in den vergangenen eineinhalb Jahren Golf, Football, Tennis und Hockey gespielt. Aber auch Kunstturnen stand auf dem Plan. Bei Tennis und Golf wurde auf die Kompetenz örtlicher Vereine gesetzt und mit diesen gemeinsam der Unterricht gestaltet. „Es ist einfach schön, mit welcher Begeisterung die Kinder dabei sind. Und auch die Eltern machen mit. So haben Väter erst vor kurzem ein Fußballturnier mit anderen Schulen organisiert“, freut sich Lehrerin Susanne Witt.

Dass auch Europa als Unterrichtsinhalt nicht trocken daherkommen muss, beweisen die Schüler, die diesen Schwerpunkt gewählt haben. Sie besuchten in der Vergangenheit Amsterdam und Lüttich, beschäftigten sich mit van Gogh und der Architektur von Gebäuden, bastelten eine Europa-Säule und begrüßen bei Schulveranstaltungen die Schüler in bis zu zehn Sprachen.

Am schwierigsten ist es wohl im Bereich Technik und Kunst die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen. Doch durch die Besetzung mit zwei Lehrern pro Schwerpunkt lässt sich die Klasse auch schon mal in zwei Gruppen teilen, die dann unterschiedliche Ziele verfolgen. „Das heißt aber nicht, dass die Jungs werken und die Mädchen malen“, stellt Wolf klar.

So werden es im kommenden Halbjahr vor allem Mädchen sein, die an den Werkbänken stehen und dort Marionetten bauen, während die Jungs der gleichen Klasse zu Pinsel und Leinwand greifen. „In den Schwerpunktklassen haben wir die Zeit, in aller Ruhe ein Bild zu erstellen – von der Bleistiftskizze bis zum fertigen Werk auf Leinwand“, freut sich Lehrerin Petra Hasenbach. Auch die Schüler sind begeistert, und würden am liebsten die Schwerpunkte auch über das sechste Schuljahr hinaus fortführen.

Einen Wunsch, den sie mit ihrer Lehrerin teilen, die sich angetan zu Unterricht und Klasse äußert: „Es macht einfach Spaß und ich freue mich über jede Stunde, die ich mit meinen Schülern zusätzlich verbringen kann.“

Weitere Informationen über die Schwerpunktklassen erhalten Eltern und Schüler auch bei den Anmeldetagen für das fünfte Schuljahr, die am 11. Februar von 14 bis 18 Uhr, am 12. Februar von 11 bis 16 Uhr und am 14. Februar von 16 bis 19 Uhr stattfinden. ▪ Johannes Becker

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