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Jeder Baum im Heiratswäldchen steht für ein Ja-Wort

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Von: Johannes Becker

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Freuen sich über die große Akzeptanz, die das Heiratswäldchen erfährt: Silvia Baukloh als Vorsitzende des Heimatvereins und Hermann Reyher als Pflanzbeauftragter.
Freuen sich über die große Akzeptanz, die das Heiratswäldchen erfährt: Silvia Baukloh als Vorsitzende des Heimatvereins und Hermann Reyher als Pflanzbeauftragter. © Becker, Johannes

Kaum vorstellbar, dass dort, wo heute ein kleiner dichter Wald steht, vor 34 Jahren noch Tiere weideten und Gras wuchs. Jeder dieser Bäume am Oberlauf der Kerspe steht für ein Ja-Wort, das sich ein Paar in Kierspe gegeben hat. Mittlerweile haben so viele Hochzeitspaare, aber auch Kiersper, die ihre Silberne und Goldene Hochzeit feierten, einen Baum gepflanzt, dass nun eine Reservefläche genutzt werden muss.

Kierspe - Insgesamt stehen heute rund 215 Laubbäume auf den rund drei Hektar Fläche am Kerspebach. Darunter 75 Eichen, 33 Wildkirschen, 30 Eschen und 25 Buchen. „Es gibt aber auch ein paar Exoten wie Walnussbaum, Mammutbaum oder Ginkgo. Das soll es aber zukünftig nicht mehr geben, da wir nur Bäume anpflanzen wollen, die hier heimisch sind“, erklärt Hermann Reyher, der sich seit 2012 als Pflanzbeauftragter des Heimatvereins um das Wäldchen kümmert.

Die Idee, einen Heiratswald in Kierspe anzulegen, geht auf Werner Keune zurück. „Wobei dieser das auch nicht erfunden hat. Damals gab es bereits in Herscheid den Brauch, dass Brautpaare Obstbäume für Streuobstwiesen anpflanzten und auch in Rönsahl gab es eine Zeit, in der die Paare Faulbäume pflanzten – das sollte an die Pulvermüllerzeit erinnern, in der diese Baumart Verwendung fand“, sagt Silvia Baukloh, die erste Vorsitzende des Heimatvereins.

Eine Tafel an der Osemunstraße listet die Paare auf, die einen Baum gepflanzt haben.
Eine Tafel an der Osemunstraße listet die Paare auf, die einen Baum gepflanzt haben. © Becker, Johannes

Gleich 15 Paare nahmen 1987 an der ersten Pflanzaktion teil. In den Folgejahren schwankte die Zahl der Paare stark. „In manchen Jahren haben wir auch zwei Aktionen angeboten, um allen Paaren einen Termin zu geben“, so Reyher, der betont, dass nach einer Zeit, in der relativ wenig Bäume gepflanzt wurden, nun das Angebot des Vereins wieder stärker nachgefragt wird. Vor allem auch deshalb, weil nun die Jubiläumspaare diese Möglichkeit nutzen. „Wir haben auch die ersten Paare, die bereits zwei Bäume gepflanzt haben, einen zur Hochzeit und einen zweiten zur Silberhochzeit“, freut sich Baukloh.

Viele, so berichten Reyher und Baukloh, würden aus der Aktion ein kleines Familien-Event machen. Baukloh: „Gerade die Silber- und Goldpaare kommen dann mit Kindern und Enkeln. Manche haben Sekt dabei, andere gehen anschließend mit der Familie essen.“

Tatsächlich müssen die Paare am Pflanztag selbst zur Schaufel greifen. Den Baum müssen sie aber nicht besorgen. „Die Bäume bestelle ich nach Wunsch der Paare in einer Baumschule in Halver und bringe diese am Pflanztag zum Heiratswälchen“, so der Pflanzbeauftragte. 25 bis 50 Euro würden die rund 1,50 Meter hohen Bäume kosten – je nach Baumart.

Sind die Bäume in der Erde, liegt es aber noch eine gewisse Zeit in der Verantwortung der Paare, wie sich die jungen Pflanzen entwickeln. Reyher: „Die Bäume müssen in der ersten Zeit je nach Wetter noch regelmäßig gegossen werden. Die meisten Paare erledigen das auch sehr pflichtbewusst, trotzdem hat es gerade in den vergangenen sehr heißen Jahren einige Verluste gegeben.“

Grundsätzlich gibt es aber in dem Gebiet zwischen der Osemundstraße und den städtischen Sportanlagen, in dem sich das Wäldchen befindet, kaum Probleme mit der Trockenheit. Im Tal selbst sorgt die Kerspe für ausreichend Feuchtigkeit – und an den Hängen links und rechts des Baches tritt viel Feuchtigkeit aus.

Allerdings ist zu beobachten, dass derzeit nahezu gar kein Wasser in den ersten Metern des Bachbettes zu finden ist. Ursächlich könnte die Trockenheit der vergangenen Jahre sein, die verhindert, das sich größere Mengen Wasser im Arney ansammeln konnten, denn auch im Bereich des Schanhollenweges gibt es weniger Wasser als in den Vorjahren, berichtet Rainer Schürmann von der Stadtverwaltung.

Auf der Reservefläche des Heiratswäldchens wurden vergangenes Jahr die ersten Bäume gepflanzt.
Auf der Reservefläche des Heiratswäldchens wurden vergangenes Jahr die ersten Bäume gepflanzt. © Becker, Johannes

Doch dieser Zustand hat noch keine Auswirkungen auf das Heiratswäldchen gehabt. Wer dort übrigens einen Park erwartet, der wird enttäuscht. „Wir sehen diesen Bereich eher als Biotop. Wir entnehmen zwar umgestürzte Bäume, das übrige Totholz verbleibt aber im Wald als Lebensraum für Tiere und Insekten“, erzählt Reyher. Gerade Vögel würden den Wald gerne annehmen, so der Pflanzbeauftragte. So habe vor einigen Jahren ein Hobby-Ornithologe, der auch Mitglied im Heimatverein gewesen sei, 40 verschiedene Vogelarten in dem Wäldchen nachgewiesen.

Wenn das Interesse der Hochzeitspaare gleich bleibt, wird in zehn bis 12 Jahren, so schätzt Baukloh, Schluss sein, denn dann sei auch die Reservefläche, auf der man seit dem vergangenen Jahr pflanze, gefüllt. Eigentlich sei die Fläche sehr viel größer gewesen, doch man habe mehr als die Hälfte für den neuen Bikepark abgegeben.

„Wie und wo wir dann weitermachen, wissen wir noch nicht“, so Baukloh, die sich damit aber auch keine Gedanken machen muss, ob die Namen aller Paare noch einen Platz in der Schautafel an der Osemundstraße finden. Für die kommenden Aktionen finden sich dort noch ausreichend freie Flächen.

Pflanzaktion

Die nächsten Bäume werden bereits am Samstag, 20. November, im Heiratswäldchen gepflanzt. Fünf Paare haben sich zu dieser Aktion angemeldet. Gepflanzt werden, so Hermann Reyer, an diesem Tag Buchen und Eschen.

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