Infrastruktur stark in Mitleidenschaft gezogen

Kierspe: Hochwasserschäden für die Stadt betragen rund 900.000 Euro

Jetzt kann der Verkehr wieder fließen. Anfang der Woche haben ein Tiefbauunternehmer und Mitarbeiter des Bauhofs die Straße bei Berkermühle wieder instand gesetzt. Dazu wurden 37 Betonsteine verbaut, jeder mit einem Gewicht von 2,5 Tonnen.
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Jetzt kann der Verkehr wieder fließen. Anfang der Woche haben ein Tiefbauunternehmer und Mitarbeiter des Bauhofs die Straße bei Berkermühle wieder instand gesetzt. Dazu wurden 37 Betonsteine verbaut, jeder mit einem Gewicht von 2,5 Tonnen.

Rund 900.000 Euro – so viel wird die Beseitigung der Hochwasserschäden an kommunalen Einrichtungen mindestens kosten. Das geht aus einer Auflistung der Stadtverwaltung hervor. „Aber da wird sicher noch einiges zukommen, das ist nur eine ganz grobe Aufnahme der Schäden“, erklärt Bürgermeister Olaf Stelse auf Nachfrage der Meinerzhagener Zeitung.

Kierspe - Der größte Posten verbirgt sich hinter dem Sammelbegriff Kanal- und Gewässerschäden. Die Verwaltung geht davon aus, dass allein in diesem Bereich mehr als 230.000 Euro ausgegeben werden müssen, um die Durchlässe in der Kanalisation zu spülen, Böschungen wiederherzustellen, Schäden am Pumpwerk zu beseitigen und Reparaturen an den Regenrückhaltebecken auszuführen. Dazu kommt noch die sogenannte Solräumung, bei der angeschwemmtes Material aus den Gewässern herausgeholt werden muss.

Brücken

Welche Schäden an Brücken entstanden sind, wird an dem neuen Bauwerk nahe Haus Rhade deutlich. Lange Zeit war die Durchfahrt an dieser Stelle gesperrt, weil das Bauwerk neu errichtet worden ist, um eine entsprechende Breite zu erreichen, die durch den Bahnübergang notwendig wurde. Normalerweise dient dieses Bauwerk nur zur Überfahrung einiger Leitungen, die im Erdreich unter der Straße hindurchgeführt werden. Doch jetzt konnten durch den Durchlass, dessen Sinnhaftigkeit in der Vergangenheit immer wieder infrage gestellt wurde, ungeheure Wassermassen abgeführt werden.

Hätte es dieses Bauwerk nicht gegeben, gäbe es jetzt keine Straße mehr, da sind sich die Fachleute einig. Material, mit dem der Bereich vor und unter der Brücke verfüllt wurde, ist ausgespült worden und hat sich volmeabwärts im Wald in solcher Menge verteilt, dass es aussieht, als hätten Lkw dort Schotter abgekippt.

Die Unterspülung des Bauwerks muss in naher Zukunft auch beseitigt werden. Auf rund 210 000 Euro werden solche Schäden an Brücken von der Verwaltung beziffert.

Straßen

Trotz der massiven Schäden kann das Bauwerk aber noch genutzt werden. Allerdings kamen Fahrzeuge, die die Brücke überfuhren, bis Anfang dieser Woche nicht weit, denn in Berkermühle war der Teich überflutet worden. Das Wasser war über die Straße geströmt und hatte auf der anderen Seite die komplette Böschung abgetragen. Eine Sperrung der Straße war unausweichlich.

Das Brückenbauwerk am Haus Rhade wurde gerade erst fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben. Bei dem Hochwasser wurde es unterspült und muss saniert werden.

Mit Unterstützung des Bauhofs und eines Tiefbauunternehmens ist dieser Schaden aber bereits wieder repariert und erlaubt freie Fahrt. Um die Straße zu stabilisieren und ihr Halt zu geben, wurden 37 sogenannte Betonlegosteine zu einer Mauer aufgeschichtet, der Raum zwischen Mauer und Straße verfüllt und die Leitplanke neu befestigt. Es war wohl Glück und Zufall, dass die 37 Steine, von denen jeder einzelne rund 2,5 Tonnen wiegt, im gebrauchten Zustand in Rhadevormwald verfügbar waren – und auch, dass der Tiefbauer sich, trotz voller Auftragsbücher, die Zeit nahm, die Arbeiten auszuführen. Die Betonsteine, die von Fachleuten gerne nach dem dänischen Spielzeug benannt werden, boten den Vorteil, dass keine Zwischenräume ausgefugt werden mussten und die Steine sich mit ihrer Struktur gegenseitig Halt geben.
Insgesamt rechnet Bürgermeister Stelse mit Sanierungskosten bei den kommunalen Straßen in Höhe von knapp 180 000 Euro.

Freizeiteinrichtungen

Auf mehr als 45 000 Euro beläuft sich die Schätzung bei den Schäden für Freizeiteinrichtungen. So müssen an Parks und Spielplätzen neue Zäune gesetzt werden. Aber auch der Spielsand muss ausgetauscht oder – da wo er komplett verschwunden ist – ersetzt werden.

Nicht versichert

Versichert sind die Schäden nicht. „Wir bekommen zwar eine Soforthilfe, die vom Märkischen Kreis derzeit aufgeteilt wird, aber das wird sicher nicht allzu viel sein. Es wird bei Weitem nicht ausreichen, die Kosten, die durch die Schäden entstanden sind, zu decken“, sagt Stelse.

Laufender Haushalt

Der Bürgermeister macht klar, dass der größte Teil des Geldes aus dem laufenden Hauhalt der Kommune kommen muss. Stelse: „Da wird an anderer Stelle Geld wegfallen. Wir müssen jetzt schauen, welche Arbeiten am dringlichsten erledigt werden müssen.“

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