Wo war der Bürgermeister?

Nach Hochwasser im MK: Streit zwischen Freien Wählern und Bürgermeister

Die Kiersper Feuerwehr war am Tag des Hochwassers und am darauffolgenden Tag im Einsatz. Die Freien Wähler monieren, dass die Wehr für solche Einsätze nicht gut genug ausgerüstet sei.
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Die Kiersper Feuerwehr war am Tag des Hochwassers und am darauffolgenden Tag im Einsatz. Die Freien Wähler monieren, dass die Wehr für solche Einsätze nicht gut genug ausgerüstet sei.

„Wo war der Bürgermeister?“, ist nicht die einzige Frage, die die Freie Wählergemeinschaft im Zusammenhang mit dem Hochwasser stellt. Die FWG erhebt schwere Vorwürfe, dabei bemängelt sie nicht nur das Verhalten des städtischen Spitzenpersonals, sondern auch mangelhafte Ausrüstung der Feuerwehr.

Kierspe - „Es hat mich sehr gewundert, dass der Bürgermeister an dem späten Nachmittag und Abend des Unwetters nicht im Rathaus war und auch nicht bei der Feuerwehr“, sagt Peter Christian Schröder, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler – und schließt an: „In einem solchen Fall gehört der Kapitän auf die Brücke.“

Das will Bürgermeister Olaf Stelse nicht unwidersprochen lassen. Er sei tagsüber, genauso wie seine Allgemeine Vertreterin, Dorette Vormann-Berg, durchaus im Rathaus gewesen. Zu seinem Aufenthaltsort am späten Nachmittag und Abend macht er allerdings in der schriftlichen Stellungnahme keine Angaben. Er teilt aber mit, dass er „telefonisch im regelmäßigen Kontakt mit dem Wehrleiter“ gestanden habe. „Es gab auch Abstimmungen zur Informationsweitergabe“, so der Bürgermeister. So sei die für Feuerwehrangelegenheiten zuständige Sachbearbeiterin zur Unterstützung der Wehrleitung im Gerätehaus der Wehr gewesen, darüber hinaus habe die Allgemeine Vertreterin die Einsatzleitung im Gerätehaus aufgesucht.

Versorgung

Doch mit diesem Punkt endet nicht die Kritik der FWG. So wundert man sich, „dass es keine warmen Getränke für die Betroffenen gegeben habe, keine Duschen angeboten wurden und auch keine Möglichkeiten, Wäsche zu waschen“. „Ich habe am Samstag nach dem Unwetter versucht den Bürgermeister und seine Vertreterin zu erreichen. Das ist mir aber nicht gelungen. Über die Leitstelle habe ich dann die Rufbereitschaft des Ordnungsamts ausfindig gemacht. Erst danach hat die Stadtverwaltung über Facebook kommuniziert, dass das Hallenbad Duschmöglichkeiten biete. Beim Thema Wäsche ist gar nichts geschehen, obwohl es in allen Schulen Waschmaschinen gibt. Man hätte auch die Turnhallen zum Duschen öffnen können und das alles über die Feuerwehr in den betroffenen Bereichen kommunizieren lassen können“, sagt Schröder.

Stelse teilt mit, dass dies alles gar nicht in dem Umfang notwendig gewesen sei, wie in anderen Städten, die viel stärker von dem Hochwasser getroffen worden seien. „Auch wenn einige Sachschäden zu verzeichnen sind, so kann dennoch festgehalten werden, dass Kierspe relativ glimpflich davongekommen ist, zumal kein Personenschaden gemeldet worden ist“, teilt der Bürgermeister mit. Abgesehen von der öffentlichen Infrastruktur seien überwiegend Garagen, Gärten, Betriebsanlagen und teilweise auch Wohnungen betroffen gewesen. Jedoch habe „glücklicherweise und soweit bekannt ist“, nur eine Familie anderweitig unterkommen müssen. „Hilfsangebote der Stadt, wie sie in weitaus stärker betroffenen Kommunen angebracht und sinnvoll waren, sind in Kierspe nur deutlich eingeschränkt erforderlich gewesen. Hier hat sich auch gezeigt, wie gut die Nachbarschaftshilfe funktioniert. So sind neben den Hilfeleistungen für die Betroffenen auch Unterstützungsangebote von Einzelnen für die Hilfskräfte initiiert worden“, so Stelse.

Ordnungsamtsleiter

Unangebracht finden die Freien Wähler es auch, dass der Leiter des Sachgebiets Ordnung, Oliver Knuf, nicht so im Einsatz gewesen sei, wie das ihrer Meinung nach wünschenswert gewesen sei: „Der Ordnungsamtsleiter hat als Mitglied der Feuerwehr an den Einsätzen teilgenommen. Da wäre es sicher sinnvoller gewesen, wenn er seiner eigentlichen Arbeit nachgekommen wäre.“

Auch diese Ausführungen will der Bürgermeister nicht so stehen lassen: „Um insbesondere die Tagesbereitschaft zu erhöhen und als gutes Beispiel zu fungieren, ist ein Rathaus-Team eingerichtet worden, das vornehmlich tagsüber bei Einsätzen alarmiert wird. Dazu gehört auch der Leiter des Ordnungsamtes, was den Vorteil ausweist, dass er umfassend über die Schadenslagen informiert ist und gegebenenfalls weitergehende Maßnahmen, die von der Verwaltung einzuleiten sind, abschätzen kann.“ Stelse fügt noch den Appell an, dass er „Arbeitgeber ermuntere und darin bestärke, ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für künftige Feuerwehreinsätze freizustellen, um jederzeit auf eine schlagkräftige Truppe zurückgreifen zu können“.

Einsatzkleidung

Doch diese Truppe muss auch entsprechend ausgerüstet sein. Bereits in der vergangenen Woche hatte sich ein Feuerwehrsprecher dazu geäußert, dass nicht alle Aktiven über Gummistiefel verfügen würden.

Georg Würth, Ratsmitglied für die FWG und jahrelanger Wehrleiter in Kierspe, sagt: „Die Wehrleute sollten eine zweite Garnitur Einsatzkleidung haben. Das wurde aber von der Stadt aus Kostengründen abgelehnt. Das ist nicht nur wichtig, wenn die Kleidung durchnässt ist, sondern auch, sollte sich diese in der Reinigung befinden, weil sie verraucht wurde. Das ist vor allem ein Problem gewesen, als wir noch keine Waschmaschinen im Gerätehaus hatten. Aber auch jetzt ist eine zweite Garnitur wichtig, weil nur wenige Einsatzuniformen gleichzeitig gewaschen werden können. Ich habe als Wehrleiter vorgeschlagen, doch zumindest 20 weitere Garnituren anzuschaffen, die in ,Universalgrößen’ als Wechselkleidung zur Verfügung stehen. Aber auch dieser Weg wurde aus Kostengründen nicht beschritten.“

Dazu teilt Bürgermeister Stelse mit, dass alle Wehrleute mit neuer Schutzkleidung ausgerüstet seien, „darüber hinaus sind sowohl Reservebekleidung vorhanden als auch die bislang genutzte Schutzkleidung, die für Unwettereinsätze ebenfalls zur Verfügung steht. Für die Deckung des weiteren Bedarfs stehen Mittel im Etat der Feuerwehr bereit und es liegen keine Rückstände bei der Beschaffung vor“.

Notfallpläne

Als letzten Punkt kritisiert Würth, dass früher Notfallpläne und Kontaktdaten der Verantwortlichen regelmäßig überprüft und angepasst worden seien. „Nach dem Weggang von Axel Boshamer als Ordnungsamtsleiter ist da aber nichts mehr passiert“, so Würth. Dazu merkt der Bürgermeister an: „In Sachen Notfallpläne sind verwaltungsintern noch verschiedene Punkte aufzuarbeiten. Insbesondere beispielsweise die Kommunikationsmöglichkeiten im Falle von Strom- und Netzausfällen. Das neue Feuerwehrgerätehaus ist aus diesem Grund mit einer Notstromversorgungsanlage ausgestattet, sodass das Gebäude im Notfall als leuchtender Punkt erscheint und als Anlaufstelle dienen kann.“

Gut gelaufen

Letztlich kommt Bürgermeister Stelse zu einer gänzlich anderen Einschätzung bei der Bewältigung des Hochwasser-Ereignisses: „Ich bin außerordentlich zufrieden mit dem Ablauf der Hilfseinsätze durch die beteiligten Institutionen der Freiwillige Feuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes, des Bauhofs, der Polizei sowie der beteiligten Firmen. Ohne den herausragenden und bis an die Erschöpfung gehenden Einsatz der Ehrenamtlichen wären die Schäden in Kierspe sicherlich um einiges größer gewesen.“

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