Hochmodernes Spezialgerät beim Bahnbau im Einsatz

Tausende Tonnen Schotter werden gebraucht, um die Bahnstrecke auszubauen und zu erneuern. ▪

KIERSPE ▪ Die Bahnübergänge in Sankel und Vorth sind so eng, dass Schwellen und Gleise nicht mit dem Umbauzug maschinell neu verlegt werden konnten. Daher waren die Mitarbeiter der Firma Schweerbau aus Stadthagen in den vergangenen Tagen hiermit von Hand befasst, natürlich unterstützt von schwerem Arbeitsgerät wie Baggern. Die Erneuerung der Bahnstrecke auf dieser langen Strecke von im ersten Abschnitt fünf Kilometern ist kein Projekt, das Monate dauert, wie das im Straßenbau häufig der Fall ist, sondern dies passiert in nur wenigen Wochen.

Seit dem 28. Oktober sind das Unternehmen und die begleitend tätigen Mitarbeiter der Deutschen Bahn mit der Maßnahme befasst. „Die Strecke zwischen Brügge und Krummenerl, wo es bisher Güterverkehr gibt, haben wir ab dem 4. November wegen der Arbeiten komplett gesperrt“, informiert Andreas Stinn, der seitens der Bahn für die Bauüberwachung zuständig ist und sein Büro in Meinerzhagen an der Straße Im Tempel in dem Container hat, wo auch die Bauleitung der Firma Schweerbau sitzt.

Insgesamt werden aktuell vier Kilometer Gleiskörper in Kierspe zwischen Meinerzhagen und Bollwerk erneuert und von der Präzision her auf einen dann auch für den modernen Personen- und Regionalverkehr geeigneten Stand gebracht sowie außerdem noch etwa ein Kilometer im Bereich Oberbrügge. Die dann noch ausstehenden weiteren fünf Kilometer bis Brügge sollen voraussichtlich im zweiten Bauabschnitt im nächsten Jahr folgen. Ingesamt sind für dieses Projekt rund 16 Millionen Euro veranschlagt. Auch dann ist bloß eine kurze Umbauzeit geplant, wie das zurzeit der Fall ist. Um das zu erreichen, wird technisches Hightech-Gerät eingesetzt sowie eine große Anzahl von Mitarbeitern, die zeitgleich an verschiedenen Stellen der Strecke arbeiten. So ist Schweerbau mit einem Team von rund 50 Personen vor Ort tätig.

Nach den Vorarbeiten, wozu auch die komplette Ausleuchtung der Strecke gehörte, kam zuerst der Umbauzug zum Einsatz: Wofür man früher viele Hände und einiges an Zeit brauchte, das erledigt heute diese hochkomplexe Maschine in wenigen Tagen, wobei mehrere Arbeitsgänge in einem erledigt werden. Der Umbauzug riss die alten Holzschwellen und Schienen heraus, entfernte das Schotterbett und brachte zeitgleich ein neues auf sowie neue Betonschwellen und Schienen. Schon seit dem 7. November wird an der Strecke rund um die Uhr gearbeitet, also auch nachts, um die Maßnahme zügig abzuschließen, wie das im Bahnbau übliche Praxis ist.

Im nächsten Schritt kommt die Gleisstopfmaschine zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein Eisenbahnspezialfahrzeug zur Verdichtung des Oberbaus. Das Gerät verdichtet das Schotterbett, indem meist vier oder sechs Stopfarme, die von einem unter dem Hauptrahmen des Fahrzeugs hängenden Stopfaggregat angetrieben und auf beiden Seiten in den Schotter gesenkt werden und diesen dann durch intensives Rütteln verdichten. Hierdurch wird erst die Stabilität des Unterbaus des Gleises hergestellt. Zugleich werden die Schienen gerichtet. Moderne Stopfmaschinen wie sie auch von dem Unternehmen vor Ort eingesetzt werden, arbeiten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1200 Metern pro Stunde.

Insgesamt werden bei der derzeitigen Maßnahme 20 000 Tonnen Schotter verbaut, 7000 Schwellen und zehn Kilometer Schienen. „Im Grunde passiert dies sogar doppelt, da die alten Materialien vorher weggenommen werden“, macht Andreas Stinn aufmerksam. Der Schotter sei nicht besonders kontaminiert, so dass er recycelt, teilweise zerkleinert und dann beispielsweise im Straßenbau wiederverwendet werden könne.

Bis zum 5. Dezember sollen die Arbeiten komplett abgeschlossen und die Maßnahme bis auf wenige kleinere Nacharbeiten beendet sein. Der Bau der zweiten Gleise im Bereich des Kiersper Bahnhofs, der der Begegnungbahnhof auf der Strecke werden soll, ist für das nächste Jahr terminiert.

Im Zuge der Nacharbeiten werden dann noch an den besonders steilen Passagen des Bahndammes Schotterfänge errichtet, Schienen werden von Hand verschweißt und die Bahnübergänge, die zunächst mit einer wasserdurchlässigen Schicht nur provisorisch hergerichtet werden, dann endgültig fertiggestellt. Auch Wasserdurchlässe und Kabelquerungen müssen dann noch hergestellt werden. ▪ Rolf Haase

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