Hochklassiger Musikgenuss in der Brennerei

Zahlreich waren die Jazz-Freunde in die Brennerei gekommen, um der Musik des Trios zu lauschen.

RÖNSAHL ▪   Genau so, als wollten sie den vorauf gegangen trüben und regenreichen Tag im Oktober mit einem Schlag vergessen machen, so schien es, durchdrangen die hellen Strahlen der Morgensonne am Sonntagmorgen die anfänglichen Nebenschwaden und tauchten den „Rittersaal“ im alten Bruchsteingemäuer der historischen Brennerei in ein freundliches Licht – und schufen dadurch eine angenehme Atmosphäre für die Jazz-Matinee.

Fast so, als wäre das Wetter im voraus bestellt und könnte gar nicht anders sein, so jedenfalls empfanden das viele der in erfreulich großer Anzahl gekommenen Gäste bei dem von KuK organisierten Jazz- Konzert. So übertrug sich die von vornherein vorhandene positive Grundstimmung wie von selbst auf das Geschehen im Saal.

In Erwartung eines hochklassigen Konzerterlebnisses, so wie das durch die Verpflichtung des aus dem nach eigenem Bekunden als „Spätzle-Hauptstadt“ geltenden Stuttgart-Zuffenhausen angereisten Gismo-Graf-Trios geradezu als vorprogrammiert galt, fieberten die Zuschauer den Dingen, die da kommen sollten, entgegen. Noch in guter Erinnerung war den meisten der in ähnlicher Formation und ungefähr vor Jahresfrist an gleicher Stelle erfolgte Auftritt der Familie Graf, die bereits damals mit mitreißendem und waschechtem Gypsi-Jazz für weitaus mehr als nur einem Farbtupfer im umfangreichen kulturellen Geschehen in den Räumen der Brennerei gesorgt und damit wesentlich zur Erfolgsstory der nachfolgenden ähnlich gelagerten KuK-Veranstaltungen beigetragen hatte.

Nach der damals zu Gehör gebrachten Stilrichtung Dixieland stand diesmal der an den legendären Jazz- Ikonen Django Reinhardt anknüpfende Original-Gypsi-Jazz mit seinen mitreißenden und ins Blut gehenden Rhythmen und die ausdrucksstarke Spielweise des Gismo-Graf-Trios im Vordergrund. Besonders gespannt waren die Zuhörer natürlich auf den erst 18-jährigen Gitarristen Gismo Graf als Namensgeber der dreiköpfigen Combo mit Vater Joschi an der Rhythmus-Gitarre und Joel Locher als Bassisten.

Gleich mit „Festival Django“, einer Eigenkomposition des jungen Gismo Graf und in dankbarer Erinnerung an sein großes Vorbild Django Reinhardt zu dessen Ehren komponiert, sorgten die Botschafter des waschechten Gypsi-Jazz für Gänsehaut-Feeling bei den Zuhörern, das sich mit fortlaufender Konzertdauer eher noch verstärken sollte. Traditionelle Django-Reinhardt- Stücke, Jazz-Standards, nicht zuletzt hin und wieder eingeflochtene Beiträge aus eigener Feder, forderten zwischendurch immer wieder zu Beifallsstürmen heraus und ließen die gesamte Veranstaltung zu einem Genuss nicht nur für eingefleischte Jazz-Fans werden, sondern dürften diesem Musikstil und hier in ganz besonderer Weise dem Gypsi- Jazz, etliche neue Freunde zugeführt haben.

Das lag sicher nicht zuletzt am außerordentlich virtuosen und in traumwandlerischer Sicherheit gestalteten musikalischen Vortrag insgesamt, wobei nicht zuletzt auch der gefühlvolle Umgang des Bassisten mit seinem Instrument beigetragen haben dürfte, sondern in erheblichem Maße auch an der breiten Palette dessen, was das Trio insgesamt „drauf“ hatte.

Ob beim farbenfrohen Flamenco, beim schwungvollen Tango, beim scheinbar fast nur gehauchten Blues, bei so bekannten Stücken wie „ What kind of friend“, dem „Sweet Georgia Brown“ oder auch dem „Sheik of Araby“ und zwischendurch immer mal wieder anmoderierten Walzertakten, kamen die beispielhafte Virtuosität und das überdurchschnittliche Können des „Gismo-Graf-Trios“ deutlich zum Ausdruck.

Spätestens, als die Band den „China Boy“ als einen der absoluten Höhepunkte im rund zweistündigen Programm musikalisch über die Bühne hüpfen ließ, kannte der Beifall kaum Grenzen.

Fazit: Die vielen Freunde des Gypsi-Jazz freuen sich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit dem Gismo-Graf-Trio und sicher auch auf die nächste KuK-Jazz-Matinee, die am 6. November unter dem Titel „Jazz meets Pop“ an gleicher Stelle stattfinden und dabei von „Strum Out“ aus Kierspe und „The King of Elflands Daughter“ aus Kamen gestaltet wird.

Rainer Crummenerl

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare