Historische Standuhr erstrahlt in neuem Glanze

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Nach drei Monaten Restaurierung erhielt die „Bergische Standuhr“ von 1795 ihren endgültigen Standort im Esszimmer des Reidemeisterhauses. Dort kann sie Sonntag besichtigt werden. ▪

KIERSPE ▪ Jahrzehnte stand sie auf dem Dachboden des Reidemeisterhauses. Erst als Christian Voswinkel vor einem Jahr wieder zurück in sein Elternhaus zog, fand er den „Schatz“: Eine alte bergische Standuhr aus dem Jahre 1795.

Bei dem Objekt handelt es sich um eine seltene Standuhr, nur wenige ihrer Art gibt es noch. Sie stammt aus der Werkstatt von Caspar Dietrich Wigginghaus, einem Uhrmachermeister aus Lüdenscheid. Der gehörte der Uhrmachermeisterwerkstatt von Johann Peter Peddinghaus an, dessen Tochter er 1790 heiratete.

Bis 1975 stand die Uhr in der Küche der Großmutter von Christian Voswinkel. Nach kurzen Restaurierungsversuchen wanderte sie auf den Dachboden und geriet in Vergessenheit. Christian Voswinkel entdeckte sie beim Aufräumen des Dachbodens wieder. Gemeinsam mit seinen Eltern und seinen Brüdern überlegte er, ob diese Uhr nicht fertig restauriert werden sollte. Erich Voswinkel zeigte Interesse und nahm sie mit ins Münsterland, wohin er vor 30 Jahren verzogen war. Dort wollte er die Uhr abbeizen und neu streichen, überlegte es sich aber schließlich anders und holte den Rat eines Möbelrestaurators ein. Kurzerhand packte er die Uhr wieder in sein Auto und fuhr nach Ochtrup in die Werkstatt von Hubertus Kaiser. Dem reichte ein Blick auf die Uhr um zu sehen, was für einen Schatz er vor sich stehen hatte. Zwar hatte der Holzwurm dem „antiken“ Stück arg zugesetzt und auch die Glocke war gesprungen und musste repariert werden, doch beide wurden handelseinig, so dass die Arbeiten aufgenommen werden konnten.

Nun begann Hubertus Kaiser damit, die Standuhr abzubeizen. Er ersetzte zu stark vom Wurm befallenes Holz mit entsprechendem altem Holz und ließ so das Gehäuse wieder „aufleben“. Nach und nach wurde deutlich, was für ein seltenes Stück sich unter dicken Farbschichten verbarg. Erich und Christian Voswinkel kannten die alte Uhr nur düster braun gestrichen und ziemlich unspektakulär. Durch das Abbeizen und Reinigen des Gehäuses stellte sich heraus, dass die Uhr nicht aus Fichtenholz war, wie bislang von den Voswinkels angenommen, sondern sich aus Esche, Buche und Nussbaum zusammensetzte.

Doch mit diesen Arbeiten war die Restaurierung nicht abgeschlossen. Nun wurde die Standuhr nach Greven gebracht, wo sie in einer Fachwerkstatt vom Uhrmachermeister Nils Bußkamp „unter seine Fittiche“ genommen wurde. Er brachte sie wieder zu neuem Glanz und „ans Laufen“. Vorher baute er das Schmuckstück völlig auseinander, entrostete das Eisenwerk, reinigte sie, erneuerte ausgeschlagene Lager, Anker und Zahnräder, polierte sie und baute sie wieder zusammen. Die Glaserei Ludwig Beinker aus Greven schließlich verglase die Tür des Ziffernblattes neu, mit Glas aus einem alten Fenster.

Leider ist das Originalziffernblatt aus Porzellan noch verschollen, die Familie Voswinkel ist aber guter Hoffnung, dass es eines Tages wieder aufgefunden wird. So lange dient ein einfacheres weißes Ziffernblatt aus Aluminium als Platzhalter.

Auch wenn der Ablauf der Restauration sich wie die „Unendliche Geschichte“ anhört, lange dauerte sie nicht. Vom ersten Betrachten der Uhr durch den Restaurator am 8. Juni bis zum Aufstellen im Esszimmer des Reidemeisterhauses am 29. August dauerte es nicht ganz drei Monate.

Dort hat sie nun ihren Platz gefunden und wird dort auch am kommenden Sonntag, dem Tag des Denkmals, stehen und von vielen Besuchern bestaunt werden können. ▪ Getrud Goldbach

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