Historische Brennerei erhält ein neues Schieferdach

Christof Sönchen, der Chef der Meinerzhagener Dachdeckerfirma, begann gestern mit dem Dach des Toilettenhäuschens.

RÖNSAHL ▪ Die Brennerei in Rönsahl erhält ein neues Dach aus altdeutschem Schiefer. Zuvor aber muss die alte Eindeckung auf spezielle Weise entsorgt werden. Diese Maßnahme bedeutet eine sehr hohe Investition für den Trägerverein.

An den blauen Schutzanzügen und Staubmasken, die Jürgen Schmidt und Markus Müller tragen, ist unschwer erkennbar, dass die zwei Mitarbeiter des Entsorgungsunternehmens Wacker aus Lüdenscheid gerade eine nicht ganz ungefährliche Arbeit ausführen. Sie entfernen die alten Asbestzementplatten, die bisher die Dacheindeckung der historischen Brennerei an der Hauptstraße bildeten. Dazu sind sie auf dem großen Backsteingebäude in einer Höhe von bis zu 15 Metern tätig.

„Dieses Material, das damals gar nicht als bedenklich galt, wurde in den fünfziger Jahren verbaut“, berichtet Brennereiträgervereinsvorsitzender Horst Becker, der sich freut, dass mit der Maßnahme gestern begonnen werden konnte, nachdem in der vergangenen Woche das Gerüst errichtet worden war. Heute gelten asbesthaltige Stoffe als krebserregend, werden nicht mehr verwandt und müssen zudem unter strikter Einhaltung besonderer Vorsichtsmaßnahmen entsorgt werden.

Dafür maßgebend ist die Technische Regel Gefahrenstoffe TRGS 519, nach der natürlich auch im Fall der Brennerei in Rönsahl genau vorgegangen werde, wie Christof Sönchen informiert. Das traditionsreiche Meinerzhagener Dachdeckerunternehmen Sönchen hat den Auftrag erhalten und bedient sich der Firma Wacker als Entsorgungsspezialist. Die Asbestzementplatten werden anschließend zu einem besonderen Teil der Lüdenscheider Abfalldeponie Kleinleifringhausen transportiert.

Neu eingedeckt wird das Dach mit altdeutschem Schiefer. Kein Problem für Sönchen und seine Mitarbeiter, wenn die Fläche von 315 Quadratmetern auch von den Ausmaßen her schon immens ist. „Aber es gibt keine besonderen Dachverschneidungen“, hebt der Chef hervor, der als Referenzen unter anderem die Meinerzhagener Jesus-Christus-Kirche und das Rathaus in Breckerfeld vorweisen kann. Die Firma ist in diesem Bereich überregional tätig. Bis Pfingsten soll der Auftrag abgeschlossen sei. Daher ist der Betrieb auch mit zwei bis vier Mitarbeitern vor Ort.

Gestern, während die Entsorger noch am Werk waren, begannen Christof Sönchen und seine Männer erst einmal mit dem Dach des Toilettenhäuschens, das genauso wie der Dachreiter ein Zinkdach erhält. Verbaut wird ein Doppelstehfalzblech aus Titanzink. Erneuert werden ebenfalls die Trauf- und Ortganggesimse am gesamten Gebäude, wobei heimisches Nadelholz zum Einsatz kommt.

Investiert werden für diese aufwändige Erneuerungsmaßnahme 82 000 Euro, die aber komplett aus Mitteln der NRW-Stiftung finanziert werden können. Genauso die ebenfalls teure Sanierung des Schornsteins, die nochmals 60 000 Euro kosten wird.

Derweil gehen die Arbeiten im Inneren der Brennerei weiter: So befindet sich die Brauereieinrichtung im ehemaligen Dampfkesselhaus im Aufbau. Der Kessel ist mit einem modernen Hochleistungsgasbrenner mit Keramikkopf ausgestattet worden und auch der Läuterbottich steht inzwischen. Die Helfer sind gerade dabei, die alten gusseisernen Treppen der Anlage aus dem Dortmunder Brennereimuseum anzupassen. Außerdem soll im alten Spritlager ein Kühlraum eingerichtet werden.

Im Obergeschoss ist Horst Becker ganz stolz auf seine neueste Errungenschaft in Form einer alten Theke, die aus der Dorfkneipe Kruse in Gummersbach-Lope stammt, sich im Topzustand befand und daher nur leicht im Bereich des Metalles und Holzes aufgearbeitet werden musste. Dazu passen ideal die sechs Gaststättentische, deren gedrechselte Beine noch aus der Rönsahler Vormann-Kneipe stammen. Dieter Hakenbeck hat allen eine neue Tischplatte verpasst.

Der Brennereiträgerverein trifft sich am Donnerstag, 22. April um 19 Uhr zur Jahreshauptversammlung.

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