Technisches Gerät für die heimischen Bauern

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Zum Vortrag der Historikerin Dr. Martina Gass über die Firma am Bahnhof kamen gut 30 Zuhörer in den Ratssaal.

Kierspe - Die Landmaschinenfabrik Bremicker gehörte zu den vielen kleinen Produzenten, die die Bauern ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit technischem Gerät belieferten.

Zum Vortrag der Historikerin Martina Gass über die Firma am Bahnhof kamen gut 30 Zuhörer in den Ratssaal. Hintergrund war eine Ausstellung, die seit Oktober 2017 im Freilichtmuseum Lindlar zu sehen ist. Darin wird die Technisierung der Landwirtschaft nachgezeichnet, die ab den 1860er-Jahren auch im Bergischen und im märkischen Sauerland Einzug hielt. Ein Göpel mit Spitzdrescher der Firma Bremicker aus Kierspe ist dort ebenfalls ausgestellt.

Für die Historikerin war das Archiv der Firma „ein Glücksfall“, konnte sie doch anhand der Geschäftsbücher Produktion, Zulieferer und Absatz detailliert nachvollziehen. Unterstützt wurde sie bei ihren Recherchen vom Heimatverein und Orsheimatpfleger Ulrich Finke. Vier Generationen von Bremickers arbeiteten für und lebten mit der Firma.

Den Anfang machte der Beil- und Kleinschmied Franz Bremicker, der von 1842 bis 1888 Kleingeräte herstellte und reparierte. Seinen Söhnen Carl und Friedrich war das zu wenig, sie wollten „richtige“ Maschinen produzieren. Das ging erst ab 1888, als der Vater die Firmenleitung aufgab.

Die folgenden zwölf Jahre waren die Blütezeit der Firma: Breitdreschmaschinen, Siebschüttler, Göpel, Mähmaschinen und etliches anderes Gerät stellte die Firma her, alles in kleinen Serien, weil der beengte Platz in der Werkstatt eine umfangreichere – und damit kostengünstigere – Produktion nicht zuließ.

Folgenschwer war die Entscheidung der Brüder, getrennte Wege zu gehen. Auf die Weise entstanden zwei Firmen mit gleicher Produktpalette, die sich gegenseitig Konkurrenz machten. Carls Firma erlosch mangels Nachfolger im Jahr 1923, bei Friedrich sank der Absatz ab den 1920er-Jahren. Kurzfristig produzierte man noch Kniehebelpressen für die Kunststoffindustrie, aber als der Enkel des Firmengründers 1952 in Rente ging, löste er die Firma auf.

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