Schneckenhaus: Trauergruppe für Kinder

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Susanne Bisterfeld, Awo-Familienberatungsstelle, Beate Kolb und Katharina Loskand stellen die Trauergruppe Schneckenhaus vor, die nach einer Sommerpause am 6. Oktober ihre Arbeit wieder aufnimmt.

Kierspe - „Auch wenn die Kinder oft noch nicht genau wissen, was der Tod bedeutet, so merken sie doch, dass der geliebte Mensch nicht wiederkommt. Ihre ganze Welt steht Kopf. Gleichzeitig trauern sie immer ganz anders als Erwachsene, was dann manchmal auf Unverständnis stößt“, erklärt Beate Kolb.

Damit Kinder mit ihrer Trauer verstanden werden, hat sie vor rund acht Jahren die Gruppe Schneckenhaus gegründet. Bis heute treffen sich einmal im Monat Kinder in der Trauergruppe, um sich dort an den Verstorbenen zu erinnern und sich mit anderen Kindern, die einen Verlust erfahren haben, auszutauschen.

Katharina Loskand kann sich noch genau an die Bauchschmerzen erinnern, die sie als Zehnjährige plötzlich bekam. Es dauerte, bis ihre Mutter einen Zusammenhand zwischen den Symptomen und dem Tod des Großvaters herstellte. Doch letztlich ging sie mit ihrer Tochter vor acht Jahren in die Trauergruppe Schneckenhaus ins Lutherhaus. Heute, acht Jahre später ist die junge Frau immer noch dabei – mittlerweile als Mitarbeiterin. Durch die eigenen Erfahrungen hat sie einen ganz anderen Zugang zu den Kindern, die sich dort einmal im Monat treffen.

Geleitet wird die Gruppe von Beate Kolb aus Halver, die sich im Kinderhospiz Balthasar zur Trauerbegleiterin ausbilden ließ und schon seit vielen Jahren Kindern in ihrer Trauer beisteht. Kinder würden ganz anders als Erwachsene trauern. Sie seien sehr wechselhaft, im einen Augenblick noch ganz und gar in ihren Gefühlen gefangen, dann reiche oft eine kleine Ablenkung, um sie zu einem fröhlichen Menschen zu machen. „Wir sprechen von Pfützentrauer, weil Kinder bildlich gesprochen, in die Trauer springen, aber auch wieder hinaus“, erklärt Kolb. Doch das würde nichts daran ändern, dass Kinder genauso intensiv und lange trauern wie Erwachsene.

Beate Kolb erzählt weiter, dass die unterschiedliche Trauer von Erwachsenen und Kindern immer wieder zu Missverständnissen führe. Da die Erwachsenen oft in ihrer Trauer gefangen seien, fehle manchmal der Blick für die Gefühlswelt der Kinder. Vor allem, wenn sich deren Trauer in psychosomatischen Erkrankungen zeige oder einem veränderten Verhalten. „Es kann sein, dass das Kind plötzlich bessere Noten schreibt, weil es um jeden Preis verhindern möchte, den Eltern noch mehr Sorgen zu bereiten. Auch ist es möglich, dass das Kind extrem angepasst ist“, schildert Kolb ihre Erfahrungen. Dazu käme, dass Eltern oft nicht über den Verstorbenen reden möchten, um das Kind zu schützen. „Da ist die Gruppe dann ganz wichtig. Denn dort werden die Kinder verstanden, jeder weiß, was los ist“, sagt Loskand. Und Susanne Bisterfeld, Leiterin der Awo-Familienberatungsstelle, die Trägerin der Gruppe ist, ergänzt: „Hier in der Gruppe hat der Verstorbene seinen Platz.“ Das werde auch dadurch sichtbar, dass ein Bild des Toten aufgestellt werde, genau wie ein Stein, der dessen Namen trägt.

In den zwei Stunden, die die Kinder dann einmal im Monat zusammenkommen, werde viel gemalt und gebastelt, denn in diesen Situationen würden sich die Kinder öffnen, dann könnte sich die Trauer ihren Platz schaffen, erklärt Kolb. Meist stehen die Bilder oder die gebastelten Dinge im Zusammenhang mit dem Verstorbenen. Gelagert werden alle diese Dinge dann in einem gestalteten Karton, der dann auch nach Jahren noch die Möglichkeit biete, sich an den Verstorbenen zu erinnern, denn Kinder hätten oft Angst, die Erinnerung zu verlieren.

Wie wichtig diese Arbeit ist, weiß Bisterfeld aus ihrer Tätigkeit in der Beratungsstelle: „Bei allen psychischen Problemen ist es so, dass diese nur verarbeitet werden können, wenn sie auch ausgesprochen werden. Findet keine Verarbeitung statt, brechen die Gefühle unkontrolliert immer wieder hervor.“ Wichtig ist Kolb und Bisterfeld aber, dass es sich bei dem Schneckenhaus nicht um eine Therapiegruppe handelt, sondern um einen Ort, an dem Kinder in ihrer Trauer ernst- und wahrgenommen werden. Dabei ist es egal, ob es sich bei dem Verstorbenen um ein Familienmitglied, einen Freund oder auch um einen anderen Menschen handele, der dem Kind nahegestanden habe.

Die Gruppengröße schwankte in den vergangenen Jahren stark. So gab es in „Spitzenzeiten“ bis zu zehn Kinder im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren, die sich regelmäßig trafen. Es gab aber auch Zeiten, in denen sich gerade einmal drei Kinder trafen. Und obwohl die Erziehungsberatungsstelle für die Kommunen Kierspe, Meinerzhagen, Halver und Schalksmühle zuständig ist, kamen in der Vergangenheit auch immer wieder Kinder aus anderen Städten und Gemeinden. „Da es nicht viele Gruppen dieser Art gibt, ist uns jedes Kind willkommen, egal woher es kommt“, so Kolb, die nach einer längeren Sommerpause mit der Arbeit wieder am Samstag, 6. Oktober, im Lutherhaus beginnt.

Die Gruppe

Die Kindertrauergruppe Schneckenhaus richtet sich an Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, wobei auch jüngere oder ältere Kinder nicht abgewiesen werden. Die Kinder kommen an jedem ersten Samstag im Monat von 15 bis 17 Uhr im Lutherhaus zusammen. Das nächste Treffen findet am Samstag, 6. Oktober , statt. Geleitet wird die Gruppe von Beate Kolb. Ihr zur Seite stehen Katharina Loskand und Britta Strohschein. Anmeldungen erfolgen über die Awo-Bratungsstelle unter der Rufnummer 0 23 54/58 33. Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.schneckenhaus-kindertrauer.de.

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