Professionelle Hilfe bei der Integration

+
Freuen sich über die Unterstützung durch Frederike Meyer (3. von links) und Sibylle Wiehle (2. von rechts): Konrektor Pestalozzi-/Schanhollenschule Arne Freiberg, Schulleiterin Bismarck-/Servatiusschule Stefanie Fischer , Rektor Pestalozzi-/Schanhollenschule Thomas Block und Gesamtschulleiter Johannes Heintges (von links).

Kierspe - Kommunikationsprobleme, kulturelle Eigenheiten und großer organisatorischer Aufwand – durch Schüler aus Flüchtlings- und Zuwandererfamilien werden die Schulen vor große Aufgaben gestellt. Aufgaben, die sich nicht ohne Probleme in den Stundenplan und Schulalltag integrieren lassen. Damit aber die Integration der Schüler in das System gelingt, haben die Kiersper Schulen nun professionelle Hilfe. Frederike Meyer und Sibylle Wiehle sind Ansprechpartner für Schüler, Eltern, aber auch Lehrer.

„Die nach Kierspe neu zugewanderten schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen sollen möglichst schnell in die Schulen vor Ort integriert werden. Hierbei unterstützen die beiden neuen Fachkräfte die vorhandenen schulischen Strukturen und arbeiten mit den unterschiedlichen Akteuren – auch außerhalb der Schule – im Integrationsprozess eng zusammen“, so formuliert die Stadt die Aufgabe der beiden Sozialarbeiterinnen. Und da die Arbeit so ausgelegt wird, dass viele unterschiedliche Fachleute einbezogen werden, nennt sich das Projekt etwas sperrig „Multiprofessionelle Teams zur Integration durch Bildung“.

„Dass diese Arbeit bislang funktioniert hat, lag nur an dem Einsatz der Lehrer und der großen Unterstützung der Kümmerer vom Verein Menschen helfen“, sagt Thomas Block, Leiter des Schulverbundes Pestalozzi-/Schanhollenschule. Er ist froh, dass diese Arbeit nun von zentraler Stelle organisiert wird. Und damit ist er nicht alleine, auch Stefanie Fischer, Leiterin des Schulverbundes Bismarck-/Servatiusschule und Gesamtschulleiter Johannes Heintges sehen viele Vorteile durch die Bündelung der Aufgabe bei den beiden Fachfrauen.

Begonnen haben die beiden bereits Ende November. Doch erst jetzt wollen sie sich der Öffentlichkeit vorstellen. „Es geht hier in erster Linie um Beziehungsarbeit. Das geht alles nicht von heute auf morgen. Da muss vieles abgesprochen und in den Tagesablauf der Schule integriert werden“, erklärt Sibylle Wiehle, die den Kierspern seit rund zehn Jahren als Streetworkerin bekannt ist und die mit einer halben Stelle, die von der Stadt bezahlt wird, in dem Team mitarbeitet

Da ist es sicher eine Hilfe, dass Frederike Meyer, deren volle Stelle von der Bezirksregierung finanziert wird, bereits an der Gesamtschule Schülerin war und sie dort auch ihr Anerkennungsjahr ableistete. Heute hat sie auch ihr Büro in dem Schulgebäude, in dem sie derzeit auch 27 Flüchtlinge und zehn Kinder aus Zuwandererfamilien betreut. Rund 40 weitere Schüler mit diesem Hintergrund besuchen die Grundschulen in der Stadt. Viele Arbeiten der beiden, gerade in der Anfangsphase, beinhalten organisatorische Aufgaben. So muss der zusätzliche Deutschunterricht, den es an der Gesamtschule gibt, in den Stundenplan eingepasst werden, die Familien sollen besucht werden, die beiden nehmen an den Elternsprechtagen teil oder kümmern sich um dringend notwendige Anschaffungen wie Taschenrechner oder Sportkleidung. Darüber freut sich vor allem Block, der schildert, dass er vor nicht allzulanger Zeit einen Burkini über sein Benutzerkonto bei einem Internetkaufhaus bestellt hat. „Sonst hätte die Schülerin nicht am Schwimmunterricht teilnehmen können“, erklärt der Schulleiter.

„Es sind oft Kleinigkeiten, die für die Familien, die selbst erst noch Deutsch lernen müssen, zu einem großen Problem werden können. Was für uns selbstverständlich ist, muss dort erst noch gelernt werden“, sagt Meyer. Da ist es hilfreich, dass mit Wiehle eine Fachfrau für den Bereich Bildung und Teilhabe mit an Bord ist. „Da bin ich es gewohnt, Anträge zu stellen“, sagt die Sozialarbeiterin.

Johannes Heintges: „Manchmal geht es aber auch nur um die Übersetzung von Zeugnissen oder die Anerkennung von im Ausland erbrachten schulischen Leistungen. Da ist es hilfreich, wenn so etwas zentral erledigt wird und sich nicht die einzelnen Lehrer darum kümmern müssen. Aber auch der jahrgangsübergreifende Englischunterricht für diese Schüler muss organisiert werden.“

Arne Freiberg, Konrektor der Pestalozzi-/Schanhollenschule betont den unterschiedlichen schulischen und kulturellen Hintergrund, der den Einsatz der beiden Sozialarbeiterinnen so notwendig macht: „Manche Kinder kommen aus Akademikerfamilien, andere haben noch nie eine Schule von innen gesehen, genauso wie ihre Eltern.“

Erleichtert und auch ein bisschen überrascht ist Meyer, dass sie bislang weder bei den Kindern noch bei den Eltern Vorbehalte gegenüber Frauen erlebt hat. Eine Erfahrung, die auch Freiberg unterstreicht: „Gerade von den Eltern erleben wir sehr große Dankbarkeit für jede Art der Hilfe und der Betreuung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare