Hermann Reyher: Mehr als 30 Jahre in Gremien und im Rat für die Kiersper Grünen aktiv

Für die Umwelt und die Menschen

Der Grüne Hermann Reyher ist gerne in der Natur unterwegs. Da er nach seinem Ausscheiden aus der Politik weiterhin als Landschaftswächter tätig ist, hat er dazu viel Gelegenheit.	Foto: Becker
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Der Grüne Hermann Reyher ist gerne in der Natur unterwegs. Da er nach seinem Ausscheiden aus der Politik weiterhin als Landschaftswächter tätig ist, hat er dazu viel Gelegenheit. Foto: Becker

Kierspe – In 31 Jahren hat Hermann Reyher in Kierspe an rund 800 Rats-, Ausschuss- und Fraktionssitzungen sowie Bürgerversammlungen teilgenommen – 300 weitere kommen durch seine Tätigkeit im Kreistag dazu.

Doch in diesem Jahr und damit kurz vor seinem 70. Geburtstag endet die offizielle politische Karriere des Grünen. Eines Grünen, der sich schwer tat, in den 1980er-Jahren in die Partei einzutreten. Doch das Aufhören fällt ihm genauso schwer. „Es wird Zeit für einen Generationenwechsel“, da ist er sich aber sicher. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem die Kiersper Grünen ihr mit Abstand bestes Ergebnis erreicht haben und mit vier Mitgliedern im Kiersper Rat sitzen.

Lange bevor Reyher im Rat saß oder auch nur Mitglied der Grünen wurde, war er Fördermitglied bei Greenpeace. Vor genau 40 Jahren war das. Und genau 40 Jahre ist es auch her, dass der Verein mit seiner ersten spektakulären Aktion in Deutschland auf sich aufmerksam machte. Damals kaperten die Umweltaktivisten das Verklappungsschiff Kronos. Im gleichen Jahr wurden auch die Grünen auf Bundesebene gegründet. Auch wenn Reyher damals nicht dabei war, das erste Wahlprogramm hat er noch, dieses stand unter den Schlagworten „ökologisch, sozial, gewaltfrei und basisdemokratisch“. „Bei der ersten Wahl holten die Grünen damals keine zwei Prozent. Das lag sicher auch dem andauernden und öffentlich ausgetragenen Streit. Es gab einfach keine Debattenkultur“, erinnert sich der Kiersper.

Das schlug damals hohe Wellen, da wurde die Polizei eingeschaltet, doch erwischt wurden wir nicht, weil alle dichtgehalten haben.

Hermann Reyher

Auch ohne Parteibuch war der bekennende Christ damals auch politisch aktiv. Mit seiner Frau Ursula verkaufte er auf Festen Dritte-Welt-Artikel und legte so den Grundstein für den bis heute existierenden Eine-Welt-Laden, er war Mitherausgeber der „Umweltsch(m)utzzeitung“, und in der Führung des ökomenischen Arbeitskreises dabei. Natürlich ging er auf Demos gegen den Nato-Doppelbeschluss. „Da sind wir von Meinerzhagen nach Marienheide gelaufen und haben uns dort leblos auf die Straße gelegt, dazu heulte eine Handsirene“, erzählt Reyher. Ein Antrag im Kiersper Rat, die Volmestadt zur atomwaffenfreien Zone zu erklären, scheiterte damals an der CDU. Grund genug für einige heimische Aktivisten, entsprechende Aufkleber auf den Ortseingangsschildern zu befestigen. „Das schlug damals hohe Wellen, da wurde die Polizei eingeschaltet, doch erwischt wurden wir nicht, weil alle dichtgehalten haben“. Die Freude über die gelungene Aktion ist ihm noch heute anzumerken.

Bereits vor dieser Aktion gab es 1984 eine Diskussion über die Gründung einer Grünen Plattform in Kierspe. Noch Anfang Mai, so Reyher, sei bei einem Treffen mit 28 Kierspern darüber abgestimmt worden, dass man eine Gruppe „Alternative Kommunalpolitik in Kierspe gründen wolle. Für diese Gruppe entschieden sich 21 Besucher, sieben wollten einen Ortsverband gründen. Doch bereits kurz darauf fand am 16. Mai die Gründungsversammlung des Ortsverbands „Die Grünen“ statt. 24 Interessierte waren damals zusammengekommen. Als ihre Sprecher wählten sie: Silke Schröder, Udo Weskamm, Dieter Pohlmann und Thomas Müller.

Bereits einen Tag später fanden Europa-Wahlen statt, bei denen die Grünen in Kierspe 8,5 Prozent holten. „Das war eine Motivation für den anstehenden Kommunalwahlkampf in Kierspe“, erzählt Reyher und betont, dass die Kiersper Grünen dort dann das beste Ergebnis im Kreis erzielt hätten: „Wobei das sicher auch ganz stark an der Gesamtschule lag.“

Der Saal wurde geräumt und die Polizei machte sich auf die Suche nach dem Sprengsatz.

Hermann Reyher

Mülltrennung, bessere Busverbindungen, kindgerechte Stadtentwicklung, eine Landwirtschaft mit gesunden Böden und natürlich die atomwaffenfreie Zone waren die Themen, mit denen die Kiersper Grünen am 30. September 1984 antraten und stolze 9,1 Prozent (647 Stimmen) aus dem Stand holten. Mit drei Ratsmitgliedern (Udo Weskamm, Ursel Weißert und Dieter Pohlmann) zog man in Fraktionsstärke in den Rat.

Reyher: „In den ersten Jahren gab es emotionale Rededuelle, die auch oft ins persönliche gingen.“ Doch man habe auch vieles erreicht: So habe man für einen Austausch des durch Hundekot verunreinigten Spielplatzsandes gesorgt und für die Abschaffung der giftbelasteten Lufterfrischersteine in den Urinalen der öffentlichen Gebäude gesorgt. In dieser Zeit kam es dann auch zur erwähnten Aufkleber-Aktion und zum Widerstand gegen die Volkszählung. „Da haben einige die 600 Mark Strafe hinnehmen müssen, weil sie sich weigerten, bei der Volkszählung mitzumachen“, sagt Reyher, der als Anekdote noch erwähnt, dass ein Mitglied der Grünen bei der Diskussion um den Spielplatzsand ein Tütchen des Sandes samt Hundekot auf einen Tisch im Ratssaal schüttete. Bei den Lufterfrischersteinen habe die Verwaltung erst gar keine Diskussion haben wollen und den Punkt nicht auf die Tagesordnung gesetzt. „Nach einer Beschwerde bei der Kommunalaufsicht musste dann die Verwaltung den Punkt aufnehmen.“

Mit den Jahren wurde es in der Fraktion ruhiger, blieb aber spannend. So gab es während eines Basistreffens in den 1990er-Jahren eine Bombendrohung im Kiersper Hof. Reyher: „Der Saal wurde geräumt und die Polizei machte sich auf die Suche nach dem Sprengsatz. Letztlich war es ein Fehlalarm und die Sitzung konnte fortgesetzt werden.“

Reyher selbst ist der Partei nach ihrer Gründung noch lange ferngeblieben, hat aber immer die Nähe gesucht. Der Christ war sich lange nicht sicher, ob sein Glaube und die Mitgliedschaft in dieser Partei vereinbar seien.

Es wird Zeit für einen Generationenwechsel.

Hermann Reyher

Doch letztlich nahmen ihm dann die Grünen die Entscheidung ab. „Renate Weskamm rief mich an, um mich zu bitten, doch für die Kiersper Grünen in den Ausschuss für Jugend und Kultur als Sachkundiger Bürger zu gehen. Da habe ich zugesagt.“ Kommunalpolitisch war das sicher nicht die schlechteste Zeit, um bei den Grünen einzusteigen, hatte doch Rot-Grün damals eine Mehrheit im Rat.

In den Rat selbst ist Reyher dann über eine offene Liste 1994 gekommen – Mitglied war er damals aber immer noch nicht. Das sollte sich in dieser Wahlperiode ändern, denn 1999 trat er als Bürgermeisterkandidat an. Die Motivation damals war wie bei allen „höheren“ Ämtern, für die Reyher kandidierte, der Wunsch, der eigenen Partei vor Ort zu einem besseren Ergebnis zu verhelfen. Neben der Kandidatur um das Bürgermeisteramt kandidierte er auch bei der Wahl des Landratskandidaten, bewarb sich um einen Sitz im Landtag und zweimal um einen Platz im Bundestag. Letztlich, so Reyher, sei der Plan aufgegangen, da man immer solide Ergebnisse eingefahren habe. Sicher auch ein Grund, warum er von 1994 bis 2020 den Fraktionsvorsitz übernahm.

Und jetzt? „Langweilig wird mir sicher nicht. Als Landschaftswächter mache ich weiter, gehöre nach wie vor dem Presbyterium an und auch der Kreissynode“, sagt Reyher, der auch Ökomenebeauftragter in Kierspe ist und in etlicher Fördervereinen mitwirkt.

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